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Stolpersteine in Esch/Alzette verlegt
Der deutsche Künstler Gunter Demnig verlegte die Stolpersteine in Esch/Alzette.

Stolpersteine in Esch/Alzette verlegt

Foto: Tania Feller
Der deutsche Künstler Gunter Demnig verlegte die Stolpersteine in Esch/Alzette.
Lokales 2 Min. 24.10.2013

Stolpersteine in Esch/Alzette verlegt

14 Stolpersteine wurden am Dienstag im  Escher Zentrums verlegt. Diese Gedenksteine wurden jedes Mal vor den Häusern gelegt, in denen Shoah-Opfer gelebt haben. Damit sich Passanten bewusst werden, dass auch Einwohner aus ihrem Viertel,  diesen Gräueltaten zum Opfer fielen.

(na) 14 Stolpersteine wurden am Dienstag in mehreren Straßen des Escher Zentrums verlegt. Diese Gedenksteine wurden jedes Mal vor den Häusern gelegt, in denen Shoah-Opfer gelebt haben, bevor sie diese verlassen mussten, deportiert und ermordet wurden. So sollen sich Passanten bewusst werden, dass auch Einwohner aus ihrem Viertel, eventuell sogar aus ihrer Straße, diesen Gräueltaten zum Opfer fielen.

„Héi huet gewunnt Minna Sarah Freymann, J.G. 1926. Internéiert Angers, deportéiert Auschwitz 1942. Ëmbruecht Juli 1942“, steht auf einem der drei Stolpersteine, die vor einer Bank an der Ecke zwischen der Alzette- und der Dicksstraße vom deutschen Künstler Gunter Demnig gestern verlegt wurden.

Während der Künstler arbeitete, las ein Schüler aus dem Lycée Belval eine kurze, aber ergreifende Biografie von Minna Sarah Freymann, die gerade 14 Jahre alt war, als sie, getrennt von ihren Eltern, nach Frankreich flüchten musste. Zwei Jahre später, am 20. Juli 1942, wurde sie an Bord des Transports 8 von Angers nach Auschwitz geschickt. Sie sollte nie wieder zurück nach Esch kommen.

Einzelschicksale in den Vordergrung bringen

„Wenn Schüler in einem Geschichtsbuch lesen, dass sechs Millionen Juden während des Zweiten Weltkrieges umgebracht wurden, dann bleibt dies eine abstrakte Zahl“, erklärte Gunter Demnig gestern, nachdem er alle 14 Stolpersteine in Esch/Alzette eingebaut hatte. „Wenn man sich als Schüler aber mit dem Schicksal eines Menschen aus der Umgebung befasst, vielleicht sogar aus der eigenen Straße, ist dies eine ganz andere Geschichte.“ Angesprochen sollen aber nicht nur Schüler werden, sondern alle Passanten, denen der messingverzierte Stein ins Auge springen wird.

Auch wenn es keine genauen Zahlen gebe, so sei davon auszugehen, dass etwa 380 Juden vor dem Zweiten Weltkrieg in Esch gelebt haben, erklärte André Hoffman, Präsident der „Frënn vum Resistenzmusée“ von welchen die Initiative für die Verlegung der Stolpersteine ausging. Während etwa zwei Drittel von ihnen flüchten konnten, wurden über 100 deportiert. Davon hätten nur drei überlebt.

„Hinter jeder Zahl steckt ein Schicksal, ein Name, ein Leidensweg“, unterstrich André Hoffmann weiter. Auf diese sollen die Stolpersteine aufmerksam machen. Stolpern sei nicht gleichzusetzen mit fallen, sondern solle dazu auffordern, inne zu halten und daran zu denken, was damals geschehen sei. Und sich zu fragen, wie es möglich sei, dass Menschen anderen Menschen so etwas antun würden. Aber auch hellhörig zu werden, sollten Signale eine solche Situation wieder ankündigen.

Auch Stolpersteine für Resistenzler vorgesehen

In Esch haben Mitarbeiter des Resistenzmuseums, unter der Leitung von Direktionsleiter Frank Schroeder, fünf Monate lang nachgeforscht, um die Biografien von deportierten Juden schreiben zu können. Die Verlegung dieser Stolpersteine reiht sich auch im Kontext der aktuellen Ausstellung „Between shade and darkness – das Schicksal der Juden Luxemburgs von 1940 bis 1945“ ein, die noch bis zum 24. November im Resistenzmuseum zu sehen ist. Auf diese 14 Stolpersteine, die stellvertretend für alle Shoahopfer sein sollen, sollen weitere folgen, u. a. von Resistenzlern, die ebenfalls zu Naziopfer wurden.