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Sterbebegleitung aus der Ferne
Lokales 2 Min. 14.07.2021
Trauerarbeit

Sterbebegleitung aus der Ferne

Omega 90 stellte den Jahresbericht für 2020 vor.
Trauerarbeit

Sterbebegleitung aus der Ferne

Omega 90 stellte den Jahresbericht für 2020 vor.
Foto: Shutterstock
Lokales 2 Min. 14.07.2021
Trauerarbeit

Sterbebegleitung aus der Ferne

Jean-Philippe SCHMIT
Jean-Philippe SCHMIT
Während des Coronajahres ist die Zahl der Anfragen nur leicht gestiegen. Im Moment aber arbeitet Omega 90 an den Kapazitätsgrenzen.

Im Coronajahr 2020 hatten die 15 Zimmer im Haus Omega in Luxemburg-Hamm 102 Patienten aufgenommen. Dies ist dem Jahresbericht der Vereinigung Omega 90 zu entnehmen, der am Mittwoch vorgestellt wurde.

Von 1.130 Personen die sich 2020 bei Omega 90 gemeldet hatten, waren rund 27 Prozent Kinder.
Von 1.130 Personen die sich 2020 bei Omega 90 gemeldet hatten, waren rund 27 Prozent Kinder.
Foto: Shutterstock

Die Nachfrage nach unseren Dienstleistungen ist gegenüber den Vorjahren stabil geblieben“, heißt es seitens der Vereinigung. Die größte Herausforderung sei es gewesen, die Sterbebegleitung aus der Ferne machen zu müssen.

Komplizierte Trauer 

„Jedem ist die Fähigkeit, zu trauern, angeboren“, sagt Präsidentin Diane Dhur. Zum Trauern gehören aber auch Rituale. Der Verstorbene wird gewaschen, hergerichtet und aufbewahrt. Dies ermöglicht es den Hinterbliebenen, Abschied nehmen zu können. 

Die sanitären Maßnahmen während des strengen Lockdowns zu Beginn der Krise hatten aber dazu geführt, dass dies oftmals nicht möglich war. „Für Personen in ihrem letzten Lebensabschnitt ist es von höchster Bedeutung, von ihren Nächsten begleitet zu werden, um nicht alleine sterben zu müssen“, so Omega 90. 

„Äddi soen“

Der einsame Tod einer geliebten Person hinterlässt auch Spuren bei den Angehörigen. „Ohne richtigen Abschluss wird die Trauer komplizierter“, sagt die Präsidentin. „Wenn man einer geliebten Person im Auto über das Telefon Äddi sagen muss, erschwert dies es, den Tod dieser Person zu begreifen“, sagt das Direktoriumsmitglied Nicole Weis-Liefgen. 

„Wir hatten einen offenen Brief aufgestellt, um auf diese Tatsache aufmerksam zu machen“, so Dhur. Die Direction de la Santé habe daraufhin schnell reagiert. 2020 sei der Trauerprozess dennoch in vielen Fällen von den sanitären Maßnahmen betroffen gewesen. 

Krise noch nicht vorbei

„Es sind Leute zu uns gekommen, die sich sonst nicht bei uns gemeldet hätten“, sagt das Direktoriumsmitglied Fabian Weiser. Insgesamt 1.130 Personen haben sich 2020 bei Omega 90 gemeldet. „In rund 27 Prozent der Fälle waren es Kinder“, so Weiser.

Auch wenn Risikopatienten und ältere Mitbürger mittlerweile geimpft sind und es zuletzt weniger Todesfälle gab, ist die Krise nicht vorbei. „Aktuell arbeiten unsere Abteilungen an ihren Grenzen“, sagt Nicole Weis-Liefgen. „Viele Menschen haben während der Pandemie nahestehende Personen verloren und konnten nicht richtig mit der Trauerarbeit beginnen.“ 

Trauerarbeit nachholen

„Das Thema Covid-19 und die Folgen für die Gesellschaft werden uns auch in Zukunft beschäftigen“, so Omega 90. Aus diesem Grund hat die Organisation das Projekt „Äddi soen“ gestartet. Ab September kann jeder daran teilnehmen. In kleinen Gruppen wird dann das Erlebte aufgearbeitet, um es den Personen zu ermöglichen, von den Verstorbenen Abschied nehmen zu können. 


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