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Steinwollefabrik und Deponie: Gemeinden Sassenheim und Differdingen wehren sich
Das Gebiet der Gadderscheier liegt an der Grenze zwischen Differdingen und Sassenheim. Die Fabrik soll nahe der Kronospan, der Deponieberg, über der bestehenden Schlackenhalde entstehen.

Steinwollefabrik und Deponie: Gemeinden Sassenheim und Differdingen wehren sich

Foto: Claude Piscitelli
Das Gebiet der Gadderscheier liegt an der Grenze zwischen Differdingen und Sassenheim. Die Fabrik soll nahe der Kronospan, der Deponieberg, über der bestehenden Schlackenhalde entstehen.
Lokales 3 Min. 07.02.2018

Steinwollefabrik und Deponie: Gemeinden Sassenheim und Differdingen wehren sich

Luc EWEN
Luc EWEN
Notfalls wollen es die beiden Korntalgemeinden auf Gerichtsprozesse ankommen lassen. Sie wollen keine Genehmigungen für die Projekte der Firmen Knauff und Cloos an der Gadderscheier erteilen.

(L.E.) - Die beiden Korntalgemeinden Sassenheim und Differdingen wehren sich gemeinsam gegen den Bau einer Fabrik für Steinwolle und gegen das Aufschütten eines neuen Deponieberges im Gebiet der zwischen beiden Gemeinden gelegenen Gadderscheier. Das strichen die beiden Schöffenräte am Mittwoch in einer gemeinsamen Pressekonferenz hervor.

"Steinwollefabrik nicht nachhaltig"

Zum einen will die belgische Tochter des deutschen Familienbetriebes Knauf Insulation in der Aktivitätszone Paafewee eine Fabrik für Steinwolle bauen. Steinwolle wird vor allem in der Gebäudedämmung benutzt. Sie gelte aber nicht als nachhaltiges Isolationsmaterial und ihr Einsatz werde beim nachhaltigen Bauen auch nicht subventioniert, betont der Sassenheimer Bürgermeister Georges Engel (LSAP).

Um die geplanten 110.000 Tonnen Steinwolle pro Jahr zu produzieren, würde soviel Energie benötigt, wie 25.000 Einwohner pro Jahr an Gas und elektrisch  verbrauchen. Die Ausstoße an Stickstoffoxyden (NOx) lägen laut Engel bei 80.000 Kilogramm pro Jahr. „Das entspricht 265.000 Autos, die 10.000 Kilometer fahren.“ Hinzu kommt, dass im Falle einer Ansiedlung der Fabrik die Rohstoffe Basalt und Kohle über Lastkraftwagen herbeigeschafft werden müssten, während Abfallprodukte bis nach Leipzig geschafft werden müssten, wo sie entsorgt würden. Beides sie sehr bedenklich und nicht nachhaltig.

Um den Energieverbrauch des Werkes des Betriebes Knauf zu decken, wären laut den Berechnungen der beiden Gemeinden 40 Windräder vonnöten. „Es ist schon schwierig drei davon durchzusetzen,“ so der Bürgermeister von Differdingen Roberto Traversini scherzend. Beide Bürgermeister betonen, dass man wisse, wo der Reichtum Luxemburgs herkomme. Man sei keineswegs gegen die Ansiedlung neuer Betriebe. Engel erinnert daran, dass man, was das angeht, mit der ersten regionalen Industriezone des Landes stets Vorreiter gewesen sei. Aber Neuansiedlungen müssten sich decken mit den Erwartungen und Bedürfnissen der Bevölkerung und dieser keinen Schaden bringen.

"Nicht noch eine Deponie"

Zum anderen will die luxemburgische Firma Cloos eine Deponie für Inertstoffe und Abfallprodukte auf dem Gelände der ehemaligen Schlackenhalde von Differdingen aufschütten. Laut dem Differdinger Umweltschöffen Georges Liesch (Déi Gréng) entstünde dadurch ein 46 Meter hoher Berg über der alten, bestehenden Deponie.

Er erinnert daran, dass der Gemeinderat von Differdingen am 13. Dezember in einer einstimmig angenommenen Motion beschlossen hat, hiergegen Widerstand zu leisten. In unmittelbarer Nähe gibt es bereits mehrere Deponien, darunter auch die des Ronnebierg. (Das "Luxemburger Wort" wird in seiner Ausgabe vom Donnerstag ausführlich auf diese zurückkommen.)

Die Deponie, sollte sie genehmigt werden, wäre ausgelegt, um 40 Jahre lang betrieben zu werden, so Liesch. Damit würden die Probleme einfach auf die kommende Generation abgewälzt. Die hätte dann möglicherweise später die Probleme, die es nun in Monnerich mit der gerutschten Deponie entlang der Straße nach Esch gibt. Liesch weist auf Widersprüche im Dossier zur geplanten Deponie hin. So würde es darin einerseits heißen, der Untergrund der bestehenden Schlackenhalde, auf welcher die neue Deponie entstehen soll, sei dicht. Andererseits sei aber auch von einer Belastung des Sickerwassers die Rede. Dies zeuge davon, dass das Gelände nicht geeignet für eine weitere Deponie sei, schlussfolgern die Verantwortlichen der beiden Gemeinden.

Sie unterstreichen, dass es keine Baugenehmigung der Gemeinden für beide Projekte geben wird. Sollte der Staat allerdings die Betriebsgenehmigungen erteilen, so könnten die Gemeinden in die Situation gelangen, die Baugenehmigung ausstellen zu müssen. Notfalls will man es auf Gerichtsverfahren ankommen lassen. An die Regierung geht jedenfalls die Aufforderung beiden Projekten eine klare Absage zu erteilen.

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