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Start der Wanteraktioun: Ein neuer Platz im Warmen für Obdachlose
Lokales 21 4 Min. 29.11.2019

Start der Wanteraktioun: Ein neuer Platz im Warmen für Obdachlose

Das neue Gebäude der Wanteraktioun eröffnet am 1. Dezember in der Rue de Neudorf in Findel.

Start der Wanteraktioun: Ein neuer Platz im Warmen für Obdachlose

Das neue Gebäude der Wanteraktioun eröffnet am 1. Dezember in der Rue de Neudorf in Findel.
Foto: Lex Kleren
Lokales 21 4 Min. 29.11.2019

Start der Wanteraktioun: Ein neuer Platz im Warmen für Obdachlose

Sandra SCHMIT
Sandra SCHMIT
Damit Menschen ohne festen Wohnsitz während der Wintermonate ins Warme kommen, wird jedes Jahr die Wanteraktioun (WAK) organisiert. Beginn der Aktion ist am Sonntag - mit einer neuen Struktur.

Draußen ist es nass und kalt, für das Wochenende meldet Meteolux Temperaturen unter null Grad. Vor allem auf der Straße lebende Menschen spüren jedes Jahr, wie kalt es in den Wintermonaten draußen werden kann. 

Damit sie während der Nacht einen Platz zum Schlafen haben und tagsüber eine warme Mahlzeit bekommen, organisiert das Ministerium für Familie, Integration und Großregion in Zusammenarbeit mit der Caritas, dem Luxemburger Roten Kreuz und Inter-Actions nun zum 19. Mal die sogenannte Wanteraktioun (WAK). 

Erstmals in der Rue de Neudorf 

Vom 1. Dezember bis zum 31. März finden Menschen ohne festen Wohnsitz während der Nacht im sogenannten Foyer de nuit einen Platz im Warmen – in diesem Jahr erstmals in der Rue de Neudorf in Findel. 

Bisher wurde eine ehemalige Bürohalle von Luxembourg-Airport in Findel als Nachtunterkunft genutzt. Insgesamt 14.192 Übernachtungen gab es im vergangenen Jahr dort, von 773 verschiedenen Personen. Die meisten Menschen, nämlich 145, schliefen am 5. März in der Unterkunft in Findel. 

Nun aber stehen rund 250 Betten, verteilt auf zwölf Schlafräume, in dem vom Ministerium finanzierten Neubau bereit: 6,5 Millionen Euro hat dieser gekostet. Frauen und Männer schlafen dort in getrennten Räumen, außerdem gibt es vier Familienzimmer und Schlafsäle für Hundebesitzer. Die Tiere dürfen mitgebracht werden, bekommen aus Sicherheitsgründen allerdings am Empfang einen Maulkorb angelegt. Die Nacht verbringen die Hunde in einem Käfig neben den Betten ihrer Herrchen. An der Rue Neudorf bekommen die Bewohner auf Zeit auch ein Abendessen und Frühstück, außerdem haben sie dort die Möglichkeit, zu duschen. Bleiben können sie von 19.15 Uhr bis 8.45 Uhr.

Tagsüber steht ihnen dann die graue Stahltür des Gebäude mit der Nummer 22 am Dernier Sol offen – am 31. März 2020 zum letzten Mal. Dann endet nämlich die WAK. Da wegen eines Bauprojektes der Mietvertrag mit der Croix-Rouge nicht verlängert wird, müssen die Verantwortlichen sich notgedrungen nach einer Alternative für das nächste und die kommenden Jahre umsehen. 

 

„Wir wären gerne hiergeblieben, denn das Gebäude hat eine ideale Lage. Die meisten WAK-Nutzer halten sich tagsüber ohnehin hier in der Nähe auf. Außerdem hat es genau die richtige Größe. Es gibt genug Platz für alle zum Essen und einen großen Raum, in dem man sich ausruhen kann“, erzählt Nadine Conrardy, Koordinatorin der Abteilung Aides sociales bei der Croix-Rouge. Corinne Cahen betont, dass es weiterhin ein Foyer de jour geben soll. Wo müsse allerdings noch geklärt werden. 

Regeln einhalten 

Fürs Erste werden Betroffene aber ab dem 1. Dezember wieder täglich ab 12 Uhr am Dernier Sol empfangen. Insgesamt 17.234 Besuche von 1.316 verschiedenen Menschen gab es dort im vergangenen Jahr. Als Sicherheitsmaßnahme werden sie beim Hereinkommen auf Waffen und andere gefährliche Gegenstände hin überprüft. Am Eingang hängen die Regeln aus, die sowohl dort, als auch im Foyer de Nuit gelten: Rauchen verboten, keine Drogen sowie Alkohol und auch keine Gewalt oder ähnliches gegenüber dem Personal oder anderen Nutzern.

Wer sich daran hält, dem servieren freiwillige Helfer der Croix-Rouge im Foyer de Jour in der Mittagsstunde eine warme Suppe und Brot, ein Hauptgericht und Obst, beziehungsweise Yoghurt als Nachtisch. „Wir achten darauf, dass ordentliche Portionen ausgegeben werden“, erklärt Nadine Conrardy. In einem großen, beheizten Raum stehen rund 20 Tische sowie Bierbänke und Stühle bereit, an denen die Obdachlosen zu Mittag essen können. 

Rund 130 Personen essen durchschnittlich an einem Wochentag hier. Am Wochenende sind es oft mehr, da andere Angebote in Luxemburg dann geschlossen sind. Viele Leute kommen nur wegen der Mahlzeit hierher und gehen danach wieder“, erklärt Kevin Oestreicher, Koordinator der Winteraktion bei Inter-Actions. Wo sich die Menschen ohne festen Wohnsitz aufhalten, wenn sie nicht bei der WAK sind, wissen die Verantwortlichen der Aktion meistens nicht. 

Manche bleiben aber auch nach dem Essen in dem Gebäude am Dernier Sol. Bis 17 Uhr können sie sich dort nämlich auf Sofas ausruhen, fernsehen oder sich bei einem Gesellschaftsspiel zusammensetzen. „Auch Tischtennis ist sehr beliebt. Bei diesen Aktivitäten können die Menschen zur Ruhe kommen und sich von dem Leben draußen auf der Straße erholen“, so Nadine Conrardy. Außerdem gibt es immer wieder verschiedene Workshops – beispielsweise zum Erstellen eines Lebenslaufs. Dienstags bis freitags können die Nutzer der WAK zudem zwischen 13 und 15 Uhr medizinische Betreuung in Anspruch nehmen.

Transfer mit dem Bus 

Damit Menschen in Not auch in diesem Jahr wieder von der Tagesstruktur zu dem rund sieben Kilometer entfernten Übernachtungsplatz kommen, fährt ab Sonntag täglich um 18.55 Uhr ein Bus vom Hauptbahnhof ab. Über den Boulevard Roosevelt geht es dann zur Rue de Neudorf in Findel. Am Morgen fährt der Shuttle um 8.45 Uhr wieder in Richtung hauptstädtisches Bahnhofsviertel. Sodass die Obdachlosen ohne größere Probleme ihren Platz im Warmen erreichen. 


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