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Die Grasmilbe überfällt Luxemburg und die Region
Lokales 3 Min. 21.06.2021
Starker Juckreiz

Die Grasmilbe überfällt Luxemburg und die Region

Winzig klein und sechsbeinig: Neotrombicula autumnalis unter dem Mikroskop.
Starker Juckreiz

Die Grasmilbe überfällt Luxemburg und die Region

Winzig klein und sechsbeinig: Neotrombicula autumnalis unter dem Mikroskop.
Foto: Getty Images
Lokales 3 Min. 21.06.2021
Starker Juckreiz

Die Grasmilbe überfällt Luxemburg und die Region

Tom RÜDELL
Tom RÜDELL
Viele Menschen sind derzeit von roten Flecken auf der Haut betroffen, die entsetzlich jucken. Mückenstiche sind es diesmal nicht. Woher kommen die Flecken, wie vermeidet man sie und was hilft wenn es zu spät ist?

Von Tom Rüdell und Nora Weis

Eine wirkliche Plage hat derzeit Luxemburg und die angrenzenden Regionen befallen: Zahlreiche Menschen, Kinder wie Erwachsene, entdecken kleine rote Pünktchen auf ihrem Körper, die entsetzlich jucken. Der erste Reflex: Die Stechmücken sind wirklich schlimm dieses Jahr. Doch was aussieht wie Mückenstiche sind in Wirklichkeit oft Bisse der Grasmilbe. Und sie unterscheiden sich von den üblichen Quaddeln, die Stechmücken beim Blutsaugen auslösen: Milbenbisse sind kleiner, schwellen nicht so stark an - dafür ist der Juckreiz noch um einiges stärker und hält vor allem länger an. 

Unangenehm: Die Bisse der Grasmilbe, hier ein "Selbstbildnis" vom LW-Fotografen.
Unangenehm: Die Bisse der Grasmilbe, hier ein "Selbstbildnis" vom LW-Fotografen.
Foto: Chris Karaba

Ausverkaufte Apotheken

„Das war der Wahnsinn heute morgen“, bezeugt ein Apotheker in Ettelbrück. Jeder zweite Kunde habe nach einer Salbe gegen den Juckreiz gefragt. Fenistil und Systral, beides Salben, die bei Hautirritationen und Mückenstichen helfen, sind bereits ausverkauft, das melden auch Apotheken in der deutschen Grenzregion. Es würden aber auch anitallergische Pillen helfen. Man solle vor allem nicht kratzen. Besser wäre es öfters zu duschen sowie langärmelige Oberteile und lange Hosen anzuziehen, um sich die Tierchen vom Leibe zu halten. 

Das bestätigt auch Lieke Mevis, Beraterin beim Naturschutzverein Natur & Ëmwelt und fügt hinzu, dass durch die kalten Temperaturen im Frühjahr die Milben jetzt erst so richtig aktiv werden, auch aufgrund des durch fehlenden Regen trockenen Klimas.

In meinen 30 Jahren als Arzt habe ich sowas noch nicht gesehen.

Dr. Jean-Paul Schwartz, Allgemeinmediziner

Doch was sind das eigentlich für Tiere, die für den Juckreiz verantwortlich sind? Grasmilben sind winzige Spinnentiere. Offiziell heißen sie, etwas irreführend, Herbstmilbe, Herbstgrasmilbe oder Erntemilbe. Was Mensch und Tier, darunter natürlich auch Haustiere, derzeit so quält, sind die Larven der Grasmilbe. Sie sind orange oder rot gefärbt und mit bloßem Auge kaum erkennbar - nur 0,2 bis 0,3 Millimeter groß. Sie schlüpfen aus im Boden abgelegten Eiern und nutzen warme, sonnige Witterung für ihren Weg zur Nahrung: Die Milben klettern auf Grashalme und lassen sich von dort auf ihren Wirt fallen - idealerweise Vögel und Mäuse, aber auch Hunde und Katzen oder eben Menschen. 

Lang anhaltender, starker Juckreiz


Zecken bohren sich mit Bewegungen ähnlich wie Brustschwimmer in die Haut von Menschen, um sich dort festzusaugen.
Den Blutsaugern auf der Spur
Zeckenbisse sind nicht nur unangenehm, sie können auch gefährlich werden. Wer in der Natur unterwegs ist, sollte sich daher schützen: Denn der Parasit ist ein geschickter „Jäger“.

Einmal dort angelangt, beißen sie die Haut auf, bevorzugt an Stellen mit wenig Widerstand, also an Knöcheln, Kniekehlen oder in der Leiste, und injizieren ihren Speichel in die Wunde, damit sich Gewebe löst und Zellsaft bzw. Lymphe austreten kann. An dieser Stelle eine wichtige Entwarnung: Das ist nicht gefährlich und überträgt auch keine Krankheiten - auch wenn der Vorgang sehr an Zecken erinnert. Es fließt auch sehr selten Blut. 

Aber: Die Milben schaffen viele Bisse in kurzer Zeit - vom Menschen, der nicht ihr bevorzugter Wirt ist, lassen sie sich schon nach wenigen Stunden herabfallen, trotzdem können zum Beispiel Arme und Beine schnell mit roten Punkten übersät sein, die lange extrem jucken - erst nach etwa einer Woche klingt der Juckreiz ab. 

Dass die Grasmilbenlarven derzeit eine wahre Landplage sind, bestätigt auch der Allgemeinmediziner Jean-Paul Schwartz auf Nachfrage: „In meinen 30 Jahren als Arzt habe ich sowas noch nicht gesehen.“ 

Was hilft?

Zunächst sollte man abklären, ob man es wirklich mit Grasmilben zu tun hat. Deren aktivste Zeit ist von Juli bis September, die frühe Hitzephase Mitte Juni hat in diesem Jahr den Zyklus ein wenig nach vorne verschoben. Die Larven sind fast nur mit der Lupe zu erkennen - ein weißes Blatt Papier auf dem Rasen zieht sie aber an und macht sie sichtbar. 


Den Honigbienen geht es vergleichsweise gut. Aber besonders die Wildbienen, wie diese gehörnte Mauerbiene, werden selten.
Fliegende Bestäuber
Weltbienentag: Jean Paul Beck ist Präsident des Lëtzebuerger Landesverband fir Beienzuucht FUAL und kennt damit die Probleme der luxemburgischen Imker. Für ihn sind aber nicht die Bienen die Bestäuber, die am meisten bedroht sind.

Sobald es regnet, verschwinden die Grasmilben wieder im Boden und verschonen Mensch und Tier, so Lieke Mevis weiter. Neben Salben oder Pillen, kann auch 70-prozentiger Alkohol, der ebenfalls in der Apotheke erhältlich ist, zur Desinfektion der Bisse und Vorbeugung bei Grasmilbenbefall eingesetzt werden. Die Umweltberaterin bekräftigt aber nochmals: Die Milbe überträgt keine Krankheiten. 

Den Rasen zu mähen oder generell kurzgeschnittene Wiesen tragen übrigens laut Mevis nicht nachhaltig dazu bei, die Grasmilben zu dezimieren. Wer gerade gemäht hat, sollte aber den Grasschnitt nicht im eigenen Garten lagern, sondern separat entsorgen, damit nicht alles von vorne los geht. Barfuß oder in kurzer Kleidung durch die Wiese laufen ist in jedem Fall tabu. Wer im Garten gearbeitet hat, sollte sich direkt danach abduschen. 

Nicht kratzen

Wenn es zu spät ist und die Apotheke zu hat: Als Hausmittel gilt neben kühlenden oder cortisonhaltigen Salben und Gels auch Zitronensaft. Und auch wenn's schwer fällt: Kratzen sollte man wie bei Mückenstichen wirklich vermeiden, um keine Sekundärinfektion zu provozieren.

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