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Stadt Luxemburg beschreitet bei Baustelle in der Altstadt neue Wege
Lokales 4 Min. 15.11.2012 Aus unserem online-Archiv

Stadt Luxemburg beschreitet bei Baustelle in der Altstadt neue Wege

Neben dem ehemaligen „Lassner“-Gebäude trägt ein Baggerführer seit gestern den Straßenbelag ab, um den Archäologen das Terrain vorzubereiten.

Stadt Luxemburg beschreitet bei Baustelle in der Altstadt neue Wege

Neben dem ehemaligen „Lassner“-Gebäude trägt ein Baggerführer seit gestern den Straßenbelag ab, um den Archäologen das Terrain vorzubereiten.
Foto: Guy Jallay
Lokales 4 Min. 15.11.2012 Aus unserem online-Archiv

Stadt Luxemburg beschreitet bei Baustelle in der Altstadt neue Wege

Am Mittwoch rückten in der hauptstädtischen Rue du Fossé die Bauarbeiter an – nicht nur wegen der Erneuerung der Leitungen, sondern auch im Hinblick auf archäologische Ausgrabungen.

(raz) - Am Mittwoch rückten in der hauptstädtischen Rue du Fossé die Bauarbeiter an – nicht nur wegen der Erneuerung der Leitungen, sondern auch im Hinblick auf archäologische Ausgrabungen: „Wir beschreiten gemeinsam mit dem ,Centre national de recherche archéologique‘ neue Wege“, sagt Gilbert Zahles, „Ingénieur-directeur adjoint“ der technischen Dienste der Stadt Luxemburg.

Ziel der Arbeiten im Stadtzentrum ist bekanntlich die Erneuerung der Infrastrukturen. Tom Hilger, Leiter des „Service de coordination des chantiers“, betont, dass immer eine möglichst rasche Fertigstellung der Arbeiten angestrebt werde. Um die Auswirkungen auf Einwohner, Beschäftigte und Kunden so gering wie möglich zu halten, seien die Arbeiten jedoch in mehrere Phasen aufgeteilt worden, um die Zugänglichkeit der Geschäfte und Wohnungen zu gewährleisten.

Projekt „Rue Notre-Dame“

Gearbeitet wird derzeit in der Rue Notre-Dame auf dem Abschnitt zwischen dem Boulevard Royal und der Rue Philippe II (die Stadt Luxemburg spricht dabei von den Phasen 1 bis 3 des Projekts „Rue Notre-Dame“). Phase 4 im Kreuzungsbereich Philippe II / Notre-Dame soll in den kommenden Wochen beginnen, der Abschnitt zwischen Rue Philippe II und Rue Chimay folgt im kommenden Jahr.

Eigentlich sollten die Phasen 1 und 2 schon abgeschlossen sein, doch kam es zu einer Verzögerung von acht Werktagen durch einen Schacht in der Rue Notre-Dame, der entgegen den Erwartungen nicht einfach gemauert war, sondern aus 35 Zentimeter dickem Stahlbeton bestand – eine Folge des Umstands, dass die Aufzeichnungen früher weniger detailliert waren als heute.

Somit wurde viel Zeit benötigt, um den alten Schacht zu entfernen, bevor ein neuer gebaut werden konnte. Zudem mussten mehr neue Anschlüsse verlegt werden als vorgesehen. Zwei weitere Tage gingen verloren, weil wegen des schlechten Wetters nicht gearbeitet werden konnte – der Bauunternehmer muss dies jeweils am Tag selbst bei der Stadt anfragen. Die Phasen 1 bis 4 sollen bis zum kommenden Kollektivurlaub Ende Dezember fertiggestellt sein.

Projekt „Rue du Fossé“

Am 5. November hat wie geplant Phase 1 der Rue du Fossé begonnen, dies mit der Verlegung von provisorischen Leitungen auf der rechten Seite der Rue du Fossé zwischen dem Knuedler und der Place Clairefontaine. Auf der linken Seite wird derweil der Bürgersteig zu einer provisorischen Fahrspur umfunktioniert, damit der Autoverkehr in Richtung Côte d'Eich aufrechterhalten werden kann.

Am Mittwoch rollte an dieser Stelle der Bagger an. Der von der Stadt beauftragte Bauunternehmer wird den Straßenbelag und den darunter liegenden Straßenaufbau auf einer Fläche von 30 mal fünf Metern entfernen. In die Baugrube wird ein Stahlgerüst eingesetzt, das den Archäologen sicheres Arbeiten ermöglicht. Wie Romain Breuer, Koordinator beim „Service Coordination des chantiers“, betont, wurde diese Vorgehensweise gemeinsam mit dem CNRA ausgearbeitet.

Den Archäologen stehen im Prinzip zwei Monate zur Verfügung, um diese erste Fläche von 30 mal fünf Metern nach Relikten aus dem Umfeld der mittelalterlichen Stadtmauer, des daran vorbeiführenden Weges und eventuell vorhandener Gebäude zu untersuchen (siehe Artikel unten). Die Archäologen stoßen bis zu einer Tiefe von etwa 4,50 Metern vor – rund 600 Kubikmeter Aushub werden dabei mit etwa 80 Lastwagen abtransportiert. Die Grabungen auf einer Fläche von fünf mal 30 Metern wiederholen sich fünf Mal Richtung Côte d'Eich, bis das Ende der Baustelle und damit auch der Ausgrabungen an der Kreuzung Grand-Rue / Rue du Fossé erreicht ist.

Verläuft alles optimal, könnte das im Dezember 2013 der Fall sein, doch durch wetterbedingte oder andere Verzögerungen erscheint den Planern ein Abschluss im Frühjahr 2014 realistischer. Wohl ab April 2013 (in Phase 5) wird die Rue du Fossé nicht mehr in Richtung Côte d'Eich befahrbar sein, da die Straße am oberen Ende des Knuedler zu schmal ist, um eine Fahrspur an der Baustelle vorbeizuführen. Der Weg wird dann durch den Heilig-Geist-Tunnel führen.

Projekt „Vieille ville“

Von 2013 bis 2018 wird in den Straßen der Altstadt nach und nach heller Naturstein verlegt, wie es bereits im Umfeld des Palais der Fall ist. In der Rue Notre-Dame und in der Rue du Fossé wird allerdings nach der Verlegung der neuen Leitungen provisorisch ein normaler Asphalt aufgetragen, weil es in den kommenden Jahren wegen der Bauarbeiten in der Altstadt zu verstärktem Lastwagenverkehr kommt.

Ab 2013 wird der Naturstein aber bereits in anderen Straßen der Altstadt verlegt. Begonnen wird im Frühjahr 2013 in den Straßen rund um den Fischmarkt, 2014 folgt die Rue du Nord (zwischen dem Theaterplatz und dem alten Gerichtsgebäude). Ab 2015 folgen die Straßen bis zum Theaterplatz einerseits und bis zur Place Clairefontaine andererseits.

Zum Abschluss der Arbeiten soll in den Jahren 2017 und 2018 auch in der Rue Notre-Dame (nur zwischen dem Rathaus und der Place Clairefontaine) sowie in der Rue du Fossé der Naturstein verlegt werden. Im Hinblick auf den Ausbau der Tiefgarage unter dem Knuedler, wobei ebenfalls archäologische Grabungen durchgeführt werden, laufen derweil noch die Planungen.