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Stadt Esch verlangt Erhalt der Keeseminnen nicht
Lokales 2 Min. 05.06.2020

Stadt Esch verlangt Erhalt der Keeseminnen nicht

Zum zweiten Mal innerhalb von 14 Tagen wurde am Freitag im Escher Gemeinderat über die Lentille Terres Rouges debattiert.

Stadt Esch verlangt Erhalt der Keeseminnen nicht

Zum zweiten Mal innerhalb von 14 Tagen wurde am Freitag im Escher Gemeinderat über die Lentille Terres Rouges debattiert.
Foto: Guy Wolff
Lokales 2 Min. 05.06.2020

Stadt Esch verlangt Erhalt der Keeseminnen nicht

Nicolas ANEN
Nicolas ANEN
Der Escher Schöffenrat wiederholte am Freitag, dass er einen Erhalt der Keeseminnen auf der Lentille Terres Rouges in Esch nicht fordert. Die Opposition fordert Informationen zum geplanten Viertel.

Aus der Industriebrache Lentille Terres rouges soll ein Ökoviertel für 3.000 Einwohner werden. Wie bereits vor 14 Tagen stand das Thema am Freitag erneut auf der Tagesordnung des Escher Gemeinderats. 

Mit dem Projekt verbunden ist auch die Zukunft der Keeseminnen, ein Industriegebäude, für dessen Erhalt die Vereinigung CNCI sich einsetzt, nachdem erste Abrissarbeiten Ende April begonnen hatten. Eine Diskussion, die am Freitag knapp drei Stunden dauern sollte.


Lokales, Protestaktion, Roud Lens Projekt, Terres Rouges, IKO, Foto: Guy Wolff/Luxemburger Wort
Esch: Bürger wehren sich gegen Abriss der Keeseminnen
Auf der Escher Industriebrache Lentille Terres Rouges wird seit Montag ein massives Industriegebäude, die Keeseminnen, abgerissen. Dagegen protestierten, trotz Corona-Krise, Bürger vor Ort.

Kox: Ball liegt beim Kulturministerium

Auf die Keeseminnen ging Schöffe Martin Kox (Déi Gréng) nur kurz ein. Er erklärte, dass der Ball beim Kulturministerium liege, dies, nachdem die Vereinigung CNCI eine Anfrage eingereicht hat, um das Gebäude unter Denkmalschutz zu setzen. Er fügte aber hinzu, dass die Tendenz nicht in Richtung einer Klassierung gehe.

Zwally: Stadt verlangt Erhalt nicht

Geht es nach der Stadt Esch und dem promotor der Brache Lentille Terres Rouges, werden von den Keeseminnen, eine Erzbunkeranlage, nur mehr die Eisenportale im Vordergrund erhalten.
Geht es nach der Stadt Esch und dem promotor der Brache Lentille Terres Rouges, werden von den Keeseminnen, eine Erzbunkeranlage, nur mehr die Eisenportale im Vordergrund erhalten.
Foto: Guy Wolff

Schöffe André Zwally (CSV) machte deutlich, dass die Stadt das Gebäude nicht als schützenswert betrachtet. Die Keeseminnen seien zuvor nie im Stadtrat thematisiert worden. 

Dafür werden vier andere Gebäude und die Eisenportale der Keeseminnen erhalten. Dies sei das Resultat vieler Gespräche mit dem Promotor, der ArcelorMittal die Industriebrache abgekauft hat, gewesen. Weiter zählte er in einer langen Liste alle Initiativen der aktuellen Mehrheit für Industriekultur auf. 

Weis: Es wurde nicht von der Pandemie profitiert

Christian Weis (CSV) ging seinerseits auf die Kritik ein, es sei von der Pandemie profitiert worden, um den Abriss der Keeseminnen unbemerkt zu starten. 

Dabei hätten seit den Wahlen von 2017 drei Mal im Gemeinderat Abstimmungen stattgefunden, aus deren Dokumentation man herauslesen konnte, dass die Keeseminnen nicht erhalten werden sollten. Dies unter anderem, als am 25. Januar 2019 der allgemeine Bebauungsplan für die Rout Lëns geändert wurde. 


Esch: Erste Ideen für Industriebauten auf der Rout Lëns
Aus der ehemaligen Gebläsehalle könnte eine Sporthalle werden. So stellen es sich zumindest die Planer der Escher Brache Lentille Terres Rouges vor. Bei der Vorstellung gab es aber auch Zähneknirschen.

Auch stellte er klar, dass das Thema, anders als behauptet, sehr wohl in der Bautenkommission zur Sprache gekommen sei. 

„Wenn ich der Opposition nichts Schlechtes unterstellen möchte, dann würde ich behaupten, dass sie Details in den Dokumenten übersehen hat“, so Weis. Andersfalls handle es sich um Opportunismus, beziehungsweise gehe es ihr darum, das Projekt auszubremsen. 

Opposition: Haben nichts Neues gehört

Dan Codello (unabhängig) und Henri Hinterscheid (LSAP) stellten fest, dass „es nichts Neues gebe“ und viele Fragen unbeantwortet bleiben, wie die Verkehrsanbindung oder die Eingliederung der Brache an die bestehenden Viertel. 

Baum: Es ist nicht zu spät

Marc Baum (Déi Lénk) nannte Kox' Erklärungen eine „Marketingvorstellung“. Es stimme, dass bisher wenig über die Keeseminnen gesprochen wurde. Infolge der Protestaktion habe er aber viele Beiträge gelesen, die zeigen, dass das massive Gebäude ein bedeutender Zeuge der Industrie- und Sozialgeschichte darstelle. 

„Unwissenheit kann man als Fehler interpretieren, man muss aber fähig sein, Fehler zu revidieren“, argumentierte er. Mit diesem Abriss würden Fakten geschaffen, ehe Pläne vorliegen würden. 

Pläne im Herbst

Bis zu 3000 Einwohner sollen in Zukunft im neuen Viertel Rout Lëns leben.
Bis zu 3000 Einwohner sollen in Zukunft im neuen Viertel Rout Lëns leben.
Foto: Pierre Matgé

Frühestens im Herbst werde ein Teilbebauungsplan vorliegen, sagte Martin Kox. Es sei am Promotor, diesen einzureichen. Weiter erklärte er, dass die Stadt dem Promotor auferlegt hat, 15 Prozent der Wohnungen als sozialen Wohnungsbau vorzusehen. 

Sollten die sektoriellen Pläne in Kraft treten, könnten daraus sogar 30 Prozent werden. Die Stadt werde diese Wohnungen selber verwalten. 

Reaktivierung der ERA?

Auch kündigte er eine Studie über eine Erschließung in Richtung Frankreich an. Er sprach von einer „Zone franche“ an der Grenze und der möglichen Wiedergestaltung der ERA-Weiher als Freiluftschwimmbad. Die Opposition nahm dies mit Skepsis entgegen. Sie warte weiterhin auf erste Pläne der Rout Lëns. 

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