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Stadt Esch steuert auf 55 000 Einwohner zu
Lokales 3 Min. 08.03.2019

Stadt Esch steuert auf 55 000 Einwohner zu

Dank der Industriebrachen öffnen sich für die Stadt Esch neue Expansionsmöglichkeiten. Wir hier auf der Lentille Terres Rouges, wo das neue Stadtviertel Rout Lëns geplant ist.

Stadt Esch steuert auf 55 000 Einwohner zu

Dank der Industriebrachen öffnen sich für die Stadt Esch neue Expansionsmöglichkeiten. Wir hier auf der Lentille Terres Rouges, wo das neue Stadtviertel Rout Lëns geplant ist.
Foto: Pierre Matgé
Lokales 3 Min. 08.03.2019

Stadt Esch steuert auf 55 000 Einwohner zu

Nicolas ANEN
Nicolas ANEN
Der neue allgemeinde Bebbaungsplan der Stadt Esch ist daraufhin ausgerichtet, 2035 die 55 000-Einwohner-Grenze zu erreichen. Im Gespräch ist bereits eine "Métropole de l'Alzette".

Oft wird die Stadt Esch auch Minettemetropole genannt. Worauf manch einer zu bedenken gibt, dass die 35 000-Seelenstadt noch weit von einer Metropole entfernt ist. Doch ist sie nun zumindest auf dem Weg dorthin. 

So ist der neue allgemeine Bebauungsplan (PAG) der Stadt, der am Freitag in erster Lesung vom Gemeinderat genehmigt wurde, daraufhin ausgerichtet, 2035 die 55 000-Einwohner-Grenze zu erreichen. 

42000 Einwohner um 2025

Am Freitag erklärte Stadtplanerin Daisy Wagner, dass allein mit den derzeit geplanten Mehrfamilienhäusern, Baulückenprojekten und Teilbebauungsplänen (PAP) die Stadt 2025 bereits 42 000 Einwohner zählen könnte. 

Langfristig, sprich um 2050, sei sogar eine Einwohnerzahl von 65 000 realistisch. Man dürfe diese Zahlen aber „nicht zu eng nehmen“, betonte sie. Es handle sich eher um eine Größenordnung. 

Wenn nicht in Esch, wo dann?


Lokales, Rout Lëns - Terres-Rouges, Arcelor Mittal, Esch, Foto: Lex Kleren/Luxemburger Wort
Rout Lëns: Eine weitere Escher Industriebrache wird urbanisiert
Terres Rouges gilt als die älteste Industriebrache in Esch. Nun sollen auch hier Wohnungen entstehen.

Dennoch erschreckten diese Zahlen so manchen Gemeinderat. Jean Tonnar und Henri Hinterscheid (beide LSAP) fragten, wie die Lebensqualität bei einem solchen Zuwachs erhalten werden könne. 

„Wir befinden uns in der zweitgrößten Stadt des Landes. Wenn wir hier nicht weitere Wohnungen schaffen, wo dann?“, so die Gegenfrage von Schöffe Martin Kox (Déi Gréng). 

Eine „Metropole de l'Alzette“  

Weiter regte Henri Hinterscheid an, über eine „Metropole de l'Alzette“ nachzudenken, die die Nachbachgemeinden Schifflingen und Sassenheim einbegreifen würde und als Gegenpol zur Hauptstadt funktionieren könnte. Dem stimmte Martin Kox zu. 

Perspektiven dank Industriebrachen

In näherer Zukunft wird aber erst einmal die weitere Bebauung der Nonnewisen dazu beitragen, die Escher Bevölkerung in die Höhe zu schrauben. Danach wird sich der Blick auf die Industriebrachen richten. So bieten die Gebiete Arbed/Schifflingen und Rout Lëns neue Perspektiven. 


Industriebrache Schifflingen: Jetzt kann geplant werden
Die Bestandsaufnahme der Industriebranche "Arbed-Schëffleng" ist abgeschlossen. Das Fazit: Hier kann neuer Lebensraum entstehen. Was genau dort gebaut wird, muss noch definiert werden. Nur so viel ist klar, eine weitere Shoppingmall wird es nicht geben.

Während die Rout Lëns bereits im aktuellen Bebauungsplan zu einem Wohngebiet umklassiert wurde, wird die Brache Arbed/Schifflingen auch im neuen PAG weiterhin als Industriegebiet gehandelt. 

„Wir konnten das Gebiet nicht neu definieren, weil der Architekturwettbewerb und die Workshops erst anlaufen“, so Daisy Wagner. Laut der Entwicklungsgesellschaft Agora könnten auf der Brache Arbed/Schifflingen in Zukunft 10000 Personen ein neues Zuhause finden. 

Die ehemalige Bürgermeisterin Vera Spautz (LSAP) kritisierte ihrerseits, dass der Schöffenrat nur die städtebauliche, nicht aber die soziale Entwicklung der Stadt ins Auge fasse. 

Kommunikationspolitik im Visier 


Martin Kox und die Nachwehen einer Rodungsaktion
Der Escher Schöffe Martin Kox gesteht nach einer Rücktrittsforderung Fehler in der Kommunikation ein – nicht aber bei den kritisierten Projekten.

Thematisiert wurde während der Sitzung auch immer wieder die laut dem unabhängigen Rat Dan Codello „suboptimale Kommunikationspolitik“ des Schöffenrats. Verwiesen wurde unter anderem auf die rezente Baumfällaktion in Wobrécken.

Marc Baum (Déi Lénk) sah es mit einer Portion Ironie. Der PAG sei ein Thema, mit „hohem Grad an Fachwissen“. Dennoch habe der Schöffenrat das Kunststück vollbracht, dass sich in allen Stadtvierteln dafür interessiert werde. So würden sich überall Bürgerinitiativen gegen Bauvorhaben gründen. 

Stillstand ist keine Option

Bürgermeister Georges Mischo (CSV) sagte dazu, dass auf einer Versammlung in Wobrécken von Einwohnern verlangt wurde, das Gelände, das für eine Schule, ein Pflegeheim und einen Park bestimmt ist, unangetastet zu lassen. Das komme für die neue Mehrheit nicht infrage. 

 Schließlich wurde der neue PAG mit den Stimmen der Mehrheit und von Dan Codello angenommen. LSAP und Déi Lénk enthielten sich. Bürger haben nun bis zum 9. April Zeit, um Einwände einzureichen. Am 2. Oktober soll dann die zweite Abstimmung stattfinden. In Kraft treten könnte der neue PAG voraussichtlich Anfang 2020. 


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