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SREL übergibt letzte „Stay Behind“-Dokumente an Justiz
Der Geheimdinest hat nun offenbar alle "Stay Behind"-Akten an die Justiz übergeben.

SREL übergibt letzte „Stay Behind“-Dokumente an Justiz

Foto: Gerry Huberty
Der Geheimdinest hat nun offenbar alle "Stay Behind"-Akten an die Justiz übergeben.
Lokales 2 Min. 10.08.2013

SREL übergibt letzte „Stay Behind“-Dokumente an Justiz

Geheimdienstchef Patrick Heck hat der Staatsanwaltschaft weitere geheime Dokumente zum „Stay Behind“-Netzwerk übergeben. Es sind Schriftstücke, die von anderen Diensten freigegeben werden mussten.

(str) - Geheimdienstchef Patrick Heck hat der Staatsanwaltschaft vergangene Woche einen weiteren Satz geheimer Dokumente zum „Stay Behind“-Netzwerk übergeben. Dabei handelt es sich um Schriftstücke, die von anderen Diensten vor der Freigabe deklassiert werden mussten.

Drei Dienste – aus Italien, den Niederlanden und Deutschland – waren zur Deklassierung von 32 Dokumenten bereit. Die Akten eines amerikanischen Dienstes waren bereits deklassiert, so dass einer Freigabe nicht im Wege stand. Zwei nicht näher genannte Dienste verweigerten jedoch die Freigabe – weil sie ihre Akten prinzipiell nicht deklassieren und eine Deklassierung sogar gegen nationales Gesetz verstoße.

Damit habe der SREL der Justiz alle Schriftstücke zu Stay Behind übergeben, schlussfolgert Heck in seinem Schreiben.

Viel brisantes ist den knapp 40 Geheimdokumenten nicht zu entnehmen. Ein Schriftstück aus dem 1991 aus Italien gibt allgemein Auskunft über das Gladio-Netzwerk. Einem US-amerikanischen Schreiben ist zu entnehmen, dass in den USA seit 1983 bis 1991 eine „Delsey“-Mappe mit operationellen Akten zum Luxemburger „Stay Behind“ verwahrt wurde.

Deutsche Funkgeräte für Überrollagenten

Deutsche Dokumente befassen sich mit der Anschaffung von „Harpoon“-Funkgeräten durch den SREL deren Bezahlung über eine „Einziehungsstelle für Ausgleichsforderungen“ in Köln geregelt wurde. Zur Erklärung: AEG-Telefunken stellte diese Datenfunkgeräte für das „Allied Clandestine Comittee“ her unter deren Schirmherrschaft alle europäischen Stay-Behind-Netzwerke funktionierten.

1985, also zur Zeit der Bommeleeër-Attentate, fand den Dokumenten zufolge zudem ein Meeting der AAC in Luxemburg statt – ein Treffen, das die ausländischen Gäste als sehr angenehm empfanden.

In den Schriftstücken enthalten sind aber auch ein „Sachstandbericht zu speziellen BND-Agenten“, in denen das „Stay Behind“-Prinzip der „Überrollagenten“ erläutert wird sowie das „Field Manual 30-31“ vom damaligen Generalstabschef der US-Armee, General W. C. Westmoreland. Darin ist unter anderem etwa zu lesen, dass ëuropäische Offiziere, die den USA loyal sind, besonders gefördert werden sollen.

Das „Field Manual“ sieht in Kapitel 11 auch Agenten für Spezialeinsätze vor. Diese seien dann notwendig wenn Gastländer Passivität oder Unentschlossenheit gegenüber dem Kommunismus offenbaren würden: „In solchen Fällen sollten dem US-Militärgeheimdienst alle Mittel zur Verfügung stehen, gezielte Operationen zu starten, die sowohl die Regierungen der Gastländer als auch die Öffentlichkeit von der Gefahr einer Rebellion und der Notwendigkeit eines Gegenangriffs überzeugen“.

Me Vogel: „Mir gi belunn!“

In einer deutsch - luxemburgischen Korrespondenz ist außerdem zu entnehmen, dass im Februar 1991 Dokumente zu gemeinsamen festgelegten „Border-Reference Points“ zerstört wurden. Für Me Gaston Vogel ein Beweis für Vertuschungen: „Do huet also mussen eppes verstoppt ginn. Do gesäit een et erëm, mir gi belunn vu vir bis hannen“, ärgert sich der Verteidiger von Marc Scheer gegenüber dem „Luxemburger Wort“. „Den Hoffmann huet gelunn, an de Kramer, ech soen Iech dat, deen ass nach net aus der Welt!“.