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SREL: Grüne nicht als Partei observiert
Lokales 4 Min. 03.12.2012 Aus unserem online-Archiv

SREL: Grüne nicht als Partei observiert

Charles Hoffmann (links) war von 1985 bis 2003 Chef des Luxemburger Geheimdienstes. Auf dem Bild aus dem Jahr 1996 ist er mit Jean-Claude Juncker zu sehen.

SREL: Grüne nicht als Partei observiert

Charles Hoffmann (links) war von 1985 bis 2003 Chef des Luxemburger Geheimdienstes. Auf dem Bild aus dem Jahr 1996 ist er mit Jean-Claude Juncker zu sehen.
Foto: Teddy Jaans
Lokales 4 Min. 03.12.2012 Aus unserem online-Archiv

SREL: Grüne nicht als Partei observiert

18 Jahre lang stand Charles Hoffmann dem „Service de renseignement“ vor, u.a. auch in den Jahren 1985 und 1986, als die Attentatsserie der Bommeleeër das ganze Land in Atem hielt. Im Gespräch mit dem „Luxemburger Wort“ reagiert der ehemalige Geheimdienstchef nun erstmals auf die jüngsten Entwicklungen um Lauschangriffe, Observationen und aufgenommene Gespräche zwischen einem Geheimdienstchef und seinem Premierminister.

Interview: Eric Hamus und Steve Remesch

18 Jahre lang stand Charles Hoffmann dem „Service de renseignement“ vor, u.a. auch in den Jahren 1985 und 1986, als die Attentatsserie der Bommeleeër das ganze Land in Atem hielt. Im Gespräch mit dem „Luxemburger Wort“ reagiert der ehemalige Geheimdienstchef nun erstmals auf die jüngsten Entwicklungen um Lauschangriffe, Observationen und aufgenommene Gespräche zwischen einem Geheimdienstchef und seinem Premierminister. „Wir haben nie Personen wegen ihrer Parteizugehörigkeit observiert“, betont Hoffmann. Man habe aber im Rahmen der nationalen Sicherheit Interesse an Menschen gezeigt, die in enger Verbindung mit dem „mutmaßlichen Feind“ von damals, dem Sowjetblock standen.

  • Die jüngsten Enthüllungen rücken den „Service de renseignement“ (Srel) nicht gerade in ein vorteilhaftes Licht. Wie beurteilen Sie die Vorkommnisse um Marco Mille und Jean-Claude Juncker?

Das Ganze ist einfach nur peinlich. Die Art und Weise, wie mein Nachfolger sich gegenüber Premierminister Jean-Claude Juncker und dem großherzoglichen Hof benommen hat, ist inakzeptabel. So benimmt sich kein Chef eines Geheimdienstes.

  • Aus einem Nebenschauplatz der Affäre Bommeleeër ist nun ein Hauptschauplatz „Geheimdienst“ geworden. Um aber beim Dossier Bommeleeër zu bleiben: In der Anklageschrift wird der Srel mit der Observation des damaligen Verdächtigen und ehemaligen Chefs der „Brigade mobile“ der Gendarmerie, Ben Geiben, in Verbindung gebracht ...

Eines vorweg: Sowohl der Geheimdienst als auch „Stay behind“ haben nichts mit der Affäre Bommeleeër zu tun. Was nun die Überwachung von Ben Geiben angeht, so war das nicht eine Operation des Geheimdienstes sondern der Gendarmerie. Wir haben auch nach der Operation nicht erfahren, was aus dem Verdächtigen wurde. Die Gendarmerie war damals auf dem kleinen Dienstweg an uns herangetreten, da Geiben als ehemaliger Leiter der „Brigade mobile“ die Mitarbeiter und Fahrzeuge der Gendarmerie bei einer Beschattung erkannt hätte. Wir wollten helfen, den oder die Bommeleeër zu stellen. Die Operation lief aber unter der Führung von Gendarmerie und Polizei. Wir haben quasi nur ausgeholfen, mit Personal und Material. Nach der Observation wurde ein Bericht angefertigt, so wie es bei Operationen dieser Art üblich war. Dieser Bericht wurde an die Gendarmerie geleitet. Was anschließend passierte, lag nicht mehr in unserer Hand

  • Ihre Person wurde zuletzt immer wieder ins Gespräch gebracht, sei es bei dem vermeintlichen Lauschangriff auf Colonel Harpes oder bei Unstimmigkeiten innerhalb des Geheimdienstes. Überrascht Sie das?

Überrascht bin ich eigentlich nicht. In solchen Fällen wird immer ein Sündenbock gesucht.

  • Nun wurden dem Gespräch zwischen Marco Mille und Jean-Claude Juncker zufolge auch Politiker von der Kommunistischen Partei oder den Grünen abgehört. Was können Sie uns dazu sagen?

Wir haben nie Personen wegen ihrer Ideologie oder ihrer Parteizugehörigkeit observiert. Allerdings hatten wir im Rahmen der nationalen Sicherheit Interesse an Menschen, die - ob Politiker oder nicht - in enger Verbindung zum Sowjetblock standen, der zur damaligen Zeit übrigens als reelle militärische Bedrohung wahrgenommen wurde. Wir haben den „mutmaßlichen Feind“ observiert und Personen, die mit ihm in Kontakt standen. Ob auch Grüne dazu gehörten, davon weiß ich nichts. Außer dass ein Politiker der grünen Partei entsprechend aufgefallen wäre. Ich wüsste aber nicht, wer das sein könnte.

  • Wurden dabei auch Wanzen installiert?

Unter meiner Führung wurden keine Wanzen angeschafft oder eingesetzt. Wir haben nur Telefonüberwachungen durchgeführt, und das laut den geltenden Prozeduren und in Übereinstimmung mit dem Gesetz. Die Anfragen mussten gründlich formuliert werden, bevor sie an die Magistratur weitergeleitet wurde. Schlussendlich mussten sie vom Premierminister abgesegnet werden.

  • Auch Sie wurden von den eigenen Leuten abgehört?

Ich weiß es nicht. Ich kann es mir aber kaum vorstellen. Innerhalb des Geheimdienstes herrschte immer ein gutes Klima. Natürlich gab es Unstimmigkeiten, doch die gibt es in den besten Familien. Ich kann aber nicht glauben, dass ich deswegen abgehört wurde.

  • Für Aufregung sorgt auch die Meldung, dass der Geheimdienst Akten über 300 000 Bürger angelegt haben soll …

Ich weiß nicht, um wie viele Akten oder Karteikarten es sich handelt. Wissen Sie, es ist wie bei jedem Archiv: Es kommt vieles hinzu, aber es wird kaum etwas entfernt. Jeden Tag erhielten wir Berichte von den Kollegen aus Deutschland, Frankreich oder den USA. Dabei ging es oft um Personen, die den Geheimdiensten in dem jeweiligen Land aufgefallen waren. Die entsprechenden Hinweise wurden bei uns auf Karteikarten zu der jeweiligen Person festgehalten. Andere Leute wurden beispielsweise auf ihre Geheimhaltungsstufe hin überprüft. Das betrifft auch meine Person. Ich weiß nicht, was sich sonst noch alles auf diesen Karten befindet. Über die Jahre hinweg wurde das Archiv stets erweitert, doch nie entspeckt. Ich kenne kein Archiv, das nicht umfangreich ist.

Ein ausführliches Interview mit Charles Hoffmann lesen Sie in der Dienstagsausgabe des „Luxemburger Wort“.


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