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Spirituelle Fundamente der Nächstenhilfe: Zwischen Flucht und Geborgenheit
Lokales 6 Min. 24.12.2015

Spirituelle Fundamente der Nächstenhilfe: Zwischen Flucht und Geborgenheit

Unser jeweiliger Glaube mahnt uns zu bedenken, dass wir alle Wandernde auf dieser Erde sind, hoffnungsvoll gemeinsam unterwegs.

Spirituelle Fundamente der Nächstenhilfe: Zwischen Flucht und Geborgenheit

Unser jeweiliger Glaube mahnt uns zu bedenken, dass wir alle Wandernde auf dieser Erde sind, hoffnungsvoll gemeinsam unterwegs.
Lokales 6 Min. 24.12.2015

Spirituelle Fundamente der Nächstenhilfe: Zwischen Flucht und Geborgenheit

Neben großer Anteilnahme und Hilfeleistung, haben sich in den Durchgangs- und Aufnahmeländern auf verschiedensten Ebenen erschreckende Abgründe aufgetan. Daneben erheben u. a. Vertretende verschiedener Glaubensgemeinschaften ihre Stimmen, um daran zu erinnern, warum das Gebot – der Stunde – Hilfe und nicht Unterlassung heißt.

Hilf deinem „Nächsten“

(AC) - In den Weihnachtsseiten des vergangenen Jahres ging es schon um Flüchtlingshilfe, hauptsächlich um die Aufnahme der Flüchtlinge und deren neues Leben in Luxemburg. Die CVX (Communauté de vie chrétienne)* in Luxemburg gehörte damals schon zu den vereinzelten Gruppierungen, die auf die Notlage der betroffenen Menschen aufmerksam machten, praktische Hilfe leisteten und vor einer Eskalierung warnten.

Ein Jahr später hat uns die Realität längst eingeholt, darüber hinaus seit einigen Monaten weltweit ganz neue Ausmaße angenommen und ist zum gesamtgesellschaftlichen Phänomen geworden. Neben großer Anteilnahme und Hilfeleistung, haben sich in den Durchgangs- und Aufnahmeländern auf verschiedensten Ebenen erschreckende Abgründe aufgetan, die von xenophobischen und populistischen Diskursen – auch in der Politik – bis zu Handlungen mit tödlichem Ausgang reichen.

Daneben erheben u. a. Vertreter verschiedener Glaubensgemeinschaften ihre Stimmen, um daran zu erinnern, warum das Gebot – der Stunde – Hilfe und nicht Unterlassung heißt, wie in ihrem Glauben diese Fürsorge begründet wird und was sie ausmacht.

Hier Statements aus Luxemburg.

* christliche Gemeinschaft von Laien


Gastfreundschaft gilt allen

Im Mittelpunkt meines Glaubens stehen die Erfahrungen von Menschen, die auf der Flucht waren und erlebt haben, was es heißt, fremd oder anders zu sein: Abraham, Moses, Israel, Jesus, Paulus. Ich selber war zum Glück nie auf der Flucht, aber ich habe die Erfahrung, fremd zu sein, auf meinem beruflichen Weg selbst immer wieder gemacht. Ich habe viel an Hilfe, Unterstützung, Offenheit und Gastfreundschaft erfahren, und dafür bin ich sehr dankbar.

Mein Glaube und meine Erfahrung legen mir unmissverständlich nahe, dass Gastfreundschaft ein zentraler Wert ist, ohne den ich mir mein Leben als Christ nicht vorstellen kann. Ich behandle Menschen auf der Flucht, wie ich selbst behandelt werden möchte. Gastfreundschaft, Offenheit und Hilfestellung sind mir wichtig, und ich versuche als Leitungsverantwortlicher meiner Glaubensgemeinschaft andere dazu zu bewegen, sich ebenso zu verhalten.

Mit vielen anderen Christinnen und Christen, die Verantwortung in ihren Kirchen und Gemeinden tragen, teile ich die Überzeugung, dass wir den Fremden gastfreundlich aufnehmen müssen.

Mein Glaube – nicht mein Studium – lehrt mich, dass Mitgefühl, Barmherzigkeit, Liebe und Gastfreundschaft allen Menschen gelten. Ich sehe es als eine besondere Verantwortung, mir selbst immer wieder bewusst zu machen und die Mitglieder meiner Gemeinschaft daran zu erinnern, dass wir alle irgendwo als „Fremde“ gelten, dass wir den Fremden in unserer Gemeinschaft so begegnen sollten, wie wir wünschen, dass man uns und unseren Kindern begegnet, und ich werde, wo sie mir begegnen, engstirnigem und abgrenzendem Denken sowie Intoleranz widersprechen.

Der Aufruf, „Fremde aufzunehmen“, ihnen also Schutz und Gastfreundschaft zu gewähren, und Fremde oder Angehörige anderer Glaubensrichtungen zu achten und als gleichwertig zu behandeln, ist in fast allen Religionen verwurzelt. Die Zahl der Flüchtlinge weltweit bewegt sich im zweistelligen Millionenbereich.

Unser jeweiliger Glaube mahnt uns, zu bedenken, dass wir alle Wandernde auf dieser Erde sind, hoffnungsvoll gemeinsam unterwegs.

Volker Strauß, Titularpastor der Protestantischen Kirche von Luxemburg


Auswege aus der Hoffnungslosigkeit

„In jenen Tagen erließ Kaiser Augustus den Befehl, ... .“ (Lk 2, 1) Ganz sachlich beginnt Lukas seine Erzählung: Es sind die politischen Geschehnisse, die den Alltag der Menschen bestimmen und deshalb müssen sich auch Maria Josef auf den Weg machen.

An jenem Tag, dem 29 Juni 2014, proklamierten die Isis-Kämpfer die Wiederherstellung des Kalifats in großen Teilen Iraks und Syriens. Tausende und aber Tausende fliehen vor Tod und Gewalt, erleben unvorstellbare Grausamkeiten.

In Luxemburg sowie in vielen anderen Ländern engagieren sich Menschen an der Seite der Flüchtlinge und suchen mit ihnen Wege in ein friedvolles Leben – weit weg von ihrem zu Hause. Jedes Weihnachten feiern wir, dass Gottes Güte und Menschenfreundlichkeit in Jesus erschienen ist; Gott wird Mensch, Seine Liebe wird greifbar. Dieser tiefe Sinn der Weihnacht gibt mir Antrieb und Kraft für meine Arbeit bei „Reech eng Hand – Reech deng Hand“.

Gott in meinem Herzen Raum geben, sodass Er Mensch werden kann und Seine Liebe zu den Menschen tragen, das bedeutet auch Weihnachten feiern. Dass ich dabei auch an meine Grenzen stoße, ist mir bewusst. Aber, so wie die Hirten sich gemeinsam auf den Weg zur Krippe gemacht haben, so weiß auch ich mich verbunden und gestützt durch die „Reech eng Hand – Reech deng Hand“-Gruppe sowie durch die CVX („Communauté de vie chrétienne“), der ich angehöre.

Die Geburt Jesu hat nicht unter idealen Bedingungen stattgefunden: Maria und Josef waren auf fremde Hilfe angewiesen, die Hirten standen ihnen ganz selbstverständlich zur Seite. Und mit dem tiefen Blick des Glaubens haben die Hirten erkannt: Gott ist zugegen, der Retter ist geboren. Wenig später flieht die Familie Jesu nach Ägypten, um den Schergen des Herodes zu entkommen.

Von Anfang an steht Jesus auf der Seite der Menschen, die Leid und Unheil erfahren. Gott leidet mit den Menschen und zeigt Auswege aus der Hoffnungslosigkeit. Machen wir es Gott doch gleich und geben seiner Menschenfreundlichkeit ein Gesicht.

Möge der Friede des Kindes von Bethlehem alle Menschen begleiten und leiten!

Marie-Christine Ries, Bischöfliche Delegierte, Projektverantwortliche des Flüchtlingsprojekts „Reech eng Hand – Reech deng Hand“


Frères en humanité

Le mouvement de masse des réfugiés et migrants consécutif aux guerres en Syrie et en Irak, et à toutes les violences qui tourmentent plusieurs régions du monde, met l’Europe face à un défi historique qui touche à sa politique de défense et de sécurité, l'interroge au sujet de sa conception de son identité et de ses frontières.

Derrière les statistiques et les chiffres, gardons à l’esprit que ce sont des êtres humains qui sont en souffrance, qui fuient des situations intolérables et qui cherchent par tous les moyens à survivre et à protéger leurs familles. Pour les croyants que nous sommes, cette catastrophe humanitaire vient nous rappeler que nous sommes membres d’une même famille, la famille humaine. Nous ne pouvons donc qu’éprouver de l’empathie pour ces frères et sœurs en souffrance et nous questionner sur notre responsabilité et notre devoir de solidarité.

Dieu réside dans le cœur des hommes et en développant des relations de cœur à cœur avec nos frères humains nous nous rapprochons de Lui.

Esther Nau-Zana, membre d'AGIR (Action Groupe Inter-Religions)


Anglican faith and social action

Whether it is welcoming refugees, or working with drug addicts, the Anglican social action is not just concerned with helping individuals, important though that is. It also consistently works for social inclusion: nobody should feel rejected by our society, and society should be at peace with itself.

After years of conflict, in the 19th century the Anglican Church began offer support to all sorts of political positions, from the left as well as the right. The report „Faith in the City“ in 1985, was seen as a strong criticism of the policies of the Thatcher government at that time.

For over 100 years there has been a movement within the Church to get rid of its status as the “Established Church”. A new report by the Commission on Religion and Belief in British Public Life has called for Christianity to be given a smaller place in British public life. Some leaders, including Rowan Williams, the former Archbishop of Canterbury, have encouraged this. Many Anglicans embrace secularism and work to create space for a plurality of faith and non-faith cultures. They believe that letting go of privilege will help the Church to create a more inclusive society, where every individual, whatever their belief or ethnicity, can feel secure and valued.

Rev’d Chris Lyon, Chaplain of the Anglican Church of Luxembourg.