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Spiritualität und Leitungsauftrag
Lokales 4 Min. 17.10.2015 Aus unserem online-Archiv
Versammlung der Generaloberinnen vom 22. bis zum 26. Oktober bei den Franziskanerinnen

Spiritualität und Leitungsauftrag

Sr. Franziska Bruckner, Generaloberin der Schulschwestern vom III. Orden des hl. Franziskus und Vize-Präsidentin der Vereinigung der Frauenorden Österreichs
Versammlung der Generaloberinnen vom 22. bis zum 26. Oktober bei den Franziskanerinnen

Spiritualität und Leitungsauftrag

Sr. Franziska Bruckner, Generaloberin der Schulschwestern vom III. Orden des hl. Franziskus und Vize-Präsidentin der Vereinigung der Frauenorden Österreichs
Lokales 4 Min. 17.10.2015 Aus unserem online-Archiv
Versammlung der Generaloberinnen vom 22. bis zum 26. Oktober bei den Franziskanerinnen

Spiritualität und Leitungsauftrag

In Luxemburg findet Ende November die Versammlung der Generaloberinnen aus dem deutschsprachigen Raum statt. Im Vorfeld haben wir mit zwei der Teilnehmerinnen über die Herausforderungen des Ordenslebens heutzutage gesprochen.


Sr. Dr. Anneliese Herzig MSsR (Missionsschwestern vom Heiligsten Erlöser)
Sr. Dr. Anneliese Herzig MSsR (Missionsschwestern vom Heiligsten Erlöser)

In Luxemburg findet Ende November die Versammlung der Generaloberinnen aus dem deutschsprachigen Raum statt. Im Vorfeld haben wir mit Sr. Franziska Bruckner, Generaloberin der Schulschwestern vom III. Orden des hl. Franziskus und Vize-Präsidentin der Vereinigung der Frauenorden Österreichs und Sr. Dr. Anneliese Herzig MSsR (Missionsschwestern vom Heiligsten Erlöser) gesprochen.

Worum geht es bei diesem Treffen?

Sr. Anneliese: Thema dieses Treffens ist Leitungsamt und Spiritualität, und ich bin dort als Referentin eingeladen. Es geht mir vor allem darum mit meinen Impulsen, einen Raum zu eröffnen, damit die Schwestern miteinander ins Gespräch kommen und auch Zeit haben über ihre Erfahrung im Leitungsamt zu reflektieren. Wie kann Leitung auch Räume der Hoffnung eröffnen. Wie befruchtet Spiritualität meine Weise der Leitung? Was trägt mich? Welche Spannungsfelder gibt es z. B. zwischen Effizienz und Barmherzigkeit. Ich weiß aus meiner vorherigen Leitungszeit als Generaloberin, dass man in diesem Zeitraum bestimmt ist zu „tragen“. Diesen Aspekt werde ich auch thematisieren, sozusagen unter dem Stichwort einer „Biblischen Esels-Spiritualität“.

Sr. Franziska: Es geht darum, wie wir unseren Dienst nicht nur auf der strukturellen, sondern auch auf der geistlichen Ebene verstehen, dass wir unser Leitungsamt gut erfüllen und uns diesbezüglich austauschen und unterstützen. Des Weiteren ist man ja in einer Leitungsposition, aber gleichzeitig bleibt man ja eine Schwester. Thematisiert werden auch ganz banale Fragen, wie z. B., wie gestalte ich den Alltag mit den neuen Strukturen, die sich ergeben haben und ergeben werden.

Die Treffen gehen von der Internationalen Vereinigung von Generaloberinnen (Unione Internazionale Superiore Generali, UISG) aus ...

Sr. Franziska: Die Generaloberinnen sind weltweit in der UISG organisiert. Alle anderthalb Jahre gibt es sogenannte Konstellationsstreffen, die nach Sprachräumen organisiert sind, und zum deutschsprachigen Raum gehört auch Luxemburg. Alle drei Jahre gibt es eine Generalvollversammlung in Rom. Es geht um die Vernetzung der Frauengemeinschaften weltweit, die uns ganz andere Möglichkeiten als es früher der Fall war, eröffnet hat. Durch diese Organisation ist die Zusammenarbeit in den großen Fragen besser geworden. Wir haben z. B. ein großes ordensübergreifendes Projekt für Kinder und gegen den Frauenhandel. Und in Lampedusa entsteht eine Gemeinschaft, die sich um die Flüchtlinge kümmert. Auch dort arbeiten Schwestern zusammen, die aus verschiedenen Orden weltweit kommen.

Sr. Anneliese: Die UISG wurde im Zuge des Zweiten Vatikanischen Konzils gegründet, damit die Orden miteinander ins Gespräch kommen, früher lebten die Gemeinschaften oft für sich selbst. Wir haben weiter gelernt uns gegenseitig zu stärken und über den Tellerrand hinauszuschauen. Wir versuchen auch mit den Männerorden zusammenzuarbeiten und mit einer Stimme zu sprechen, auch innerhalb der Kirche.

Was hat sich geändert für die Orden seitdem Zweiten Vatikanum?

Sr. Franziska: Die Orden sind offener geworden. Es gibt viel mehr Herausforderungen als früher und wir gehen anders um mit der Welt und haben mehr Kontakt mit den Menschen und wachsen mehr mit ihnen zusammen, sei es wie bei uns in der Schule oder in den Krankenhäusern, oder wo auch immer die Schwestern arbeiten. Dies ist auch eine Frucht des Zweiten Vatikanums, dass dies ermöglicht wurde und gute Formen annimmt.

Wie gehen Sie mit dem Rückgang der Berufungen um?

Sr. Anneliese: Der Rückgang der Berufungen beschäftigt mich sehr. Wir müssen uns noch stärker auf neue Situationen einstellen und unser Profil schärfen. Man muss auch sehen, dass es in der Kirchengeschichte nie zuvor so viele Ordensleute gegeben hat wie um 1950 herum. Und es entstehen immer wieder neue Orden. Diese Lebensform in der Kirche wird nicht verschwinden, aber zumindest bei uns werden es in den nächsten Jahre keine so großen Zahlen sein.

Was hat das Jahr der Orden gebracht?

Sr. Franziska: Das Jahr der Orden hat ein gutes Echo in den Medien gebracht. Wir werden jetzt anders wahrgenommen, wir sind bekannter geworden.

Sr. Anneliese: Wir haben im Jahr der Orden vieles versucht, auch an Öffentlichkeitsarbeit, ich bin mir aber nicht sicher, ob es in der Kirche und beim Kirchenvolk in den Pfarren angekommen ist. Wir Ordensfrauen haben nicht immer eine gute Lobby.

Was muss sich ändern?

Sr. Franziska: Es müsste mehr Frauen in Leitungspositionen geben. Sie lösen beispielsweise Konflikte anders. Es wäre wichtig, dass auch diese Eigenschaften in der Kirche zum Tragen kommen. Eigentlich ist für mich das Priesterinnentum kein Thema, das strebe ich nicht an, dennoch denke ich, dass es nicht unmöglich sein wird, aber es wird wohl noch einige Zeit dauern, bis es soweit ist.

Sr. Anneliese: Vieles ist gewachsen, aber gleichzeitig gibt es noch Punkte, die schmerzen, im Bereich der Liturgie, der Predigt und insbesondere sollten Frauen mehr an Entscheidungen „mit Sitz und Stimme“ mitwirken können.

Was erwarten Sie von der Familiensynode in Rom?

Sr. Anneliese: Ich glaube es geht darum, nicht alle Ideale preiszugeben, dennoch hoffe ich, dass es eine pastorale Lösung gibt, und dass es nicht nur um die heißen Themen geht, sondern auch beispielsweise um die Armut oder Migration. Was bedeuten diese Situationen für Familien?

Sr. Franziska: Ich hoffe auf einen anderen Umgang mit den Menschen, die in gescheiterten Beziehungen leben. Eine pastorale Lösung wäre ein guter Ansatz. Es wird auf jeden Fall viel Zeit brauchen für weitere Entwicklungen, auch wenn das Gespräch weitergeht.

Interview: Anne Chevalier

Mehr zur Familiensynode in Rom in unserem Dossier Weltbischofssynode.