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Spezialeinheit USP: „Entscheidungen in Sekundenbruchteilen“
Lokales 1 2 Min. 22.04.2013

Spezialeinheit USP: „Entscheidungen in Sekundenbruchteilen“

In mehreren europäischen Ländern ist es zu Massengeiselnahmen gekommen. So lautet das Szenario, der „Atlas“-Übung, die vergangene Woche in mehreren europäischen Städten stattfand. wort.lu  hat mit dem Kommandanten der Luxemburger Polizei-Spezialeinheit darüber gesprochen.

(str) - Es ist eine Bedrohungslage, wie es sie noch nie gab: In mehreren europäischen Ländern ist es zu Massengeiselnahmen gekommen. Schiffe, Züge, Schulen und ein Flugzeug wurden von Terroristen gekapert. So lautet das Szenario der „Atlas“-Übung, die vergangene Woche in neun Ländern (Österreich, Belgien, Irland, Italien, Lettland, Slowakei, Spanien, Schweden und Rumänien) gleichzeitig stattfand. Die größte Anti-Terror-Übung, die es in Europa je gab.

Kein Land kann mit einer solchen Bedrohung alleine zurecht kommen. Zudem kennen Terroristen keine Landesgrenzen. Deshalb wurde bereits im Jahr 2002 „Atlas“ gegründet, die internationale Koordinierungsstelle für Spezialeinheiten.

An der Übung mit dem Titel „Gemeinsame Herausforderung“ nahmen insgesamt 2 250 Polizisten und 36 Sonderkommandos teil. So wurden etwa deutsche, österreichische und tschechische Einsatzkräfte mit einer Geiselnahme in einer Schule konfrontiert. Die Luxemburger „Unité Spéciale de la Police“ – kurz USP – kam gemeinsam mit den französischen RAID und GIGN sowie der belgischen CGSU in Brüssel zum Einsatz.

Geiselnahme im Schnellzug

Die Ausgangslage: Auf der Strecke von Paris nach Brüssel war ein Hochgeschwindigkeits-Zug von Terroristen eingenommen worden. Der Zug wurde kurz vor der belgischen Hauptstadt in einen Rangierbahnhof umgeleitet und dort gestoppt. „Wir sind früh morgens alarmiert worden“, erklärt Christian Krettels, der Kommandant der Luxemburger Spezialeinheit, im Video-Interview mit dem „Wort“. Ein Verbindungsoffizier brach sogleich nach Brüssel auf. Ein Einsatzkommando sowie Scharfschützen, Bombenentschärfer und Techniker zogen nach.

Laut Szenario waren alle Verhandlungen gescheitert. Der Zug musste gestürmt werden. Den Luxemburgern wurde dabei ein Abschnitt zugeteilt, so dass auf der gesamten Länge gleichzeitig zugeschlagen werden konnte.

Mit den eigenen Mitteln schnell am Ende“

„Alle europäischen Spezialeinheiten sind europaweit auf einem Niveau, was die nationale Bedrohungslage wie etwa Geiselnahmen im öffentlichen Transport angeht“, unterstreicht Christian Krettels. „Bei einem so großen Einsatzgebiet wie einem Schnellzug ist man jedoch mit den eigenen Mitteln schnell am Ende.“ Hier übernehme eine gemeinsame Leitstruktur das Kommando und den Informationsaustausch, bringt die Einheiten in Stellung und gibt das Zugriffskommando. „Dann läuft die Maschinerie“, so Krettels.

Wenn die Tür bis geöffnet wurde, ist vor allem der erste Mann in der Reihe der Einsatzkräfte gefordert. „Er steht an vorderster Front, muss binnen Sekundenbruchteilen Geiseln von Geiselnehmern unterscheiden und auf Sprengfallen achten“, erklärt der USP-Kommandant. „Wir nehmen dann den Zug auf voller Länge ein. Erst wenn die Lage gesichert ist, werden die Zuginsassen evakuiert und Täter von Geiseln getrennt.“

Luxemburger USP ist vorbereitet

Ziel der Übung sei neben der Einsatzpraxis auch der Erfahrungsaustausch zwischen den Einheiten. „Wir haben natürlich unsere Kontakte in dieser kleinen Welt der Spezialeinheiten“, meint Christian Krettels. „Wenn es auf internationaler Ebene zu einem Zwischenfall kommt, ist es klar, dass die beteiligten Einheiten den Einsatz mit ihren Kollegen aus dem Ausland bis ins Detail besprechen. Da gibt es dann auch in der Regel eine sehr ehrliche Resonanz. Ziel ist es natürlich, dass jeder sich auf eine ähnliche Situation im eigenen Land vorbereiten kann. Es kann davon ausgegangen werden, dass sämtliche größere Szenarien aus den vergangenen zehn bis 15 Jahren, die im nahen europäischen Ausland aufkamen, auch in die Luxemburger Techniken und Taktiken eingeflossen sind.“


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