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Spendeorgane in Luxemburg: Vergebliches Warten
Bei Krankheiten wie etwa dem Nierenversagen bleibt vielen Patienten nur die Hoffnung auf eine Organspende oder der regelmäßige Gang zum Krankenhaus – um dort mindestens dreimal die Woche eine Dialyse zu machen.

Spendeorgane in Luxemburg: Vergebliches Warten

Foto: Pierre Matgé
Bei Krankheiten wie etwa dem Nierenversagen bleibt vielen Patienten nur die Hoffnung auf eine Organspende oder der regelmäßige Gang zum Krankenhaus – um dort mindestens dreimal die Woche eine Dialyse zu machen.
Lokales 3 Min. 22.03.2019

Spendeorgane in Luxemburg: Vergebliches Warten

Sandra SCHMIT
Sandra SCHMIT
Wenn wegen Krankheit Herz, Lunge oder Niere versagen, kann eine Organspende Leben retten. Im vergangenen Jahr starben in Luxemburg vier Menschen, weil nicht rechtzeitig ein passendes Organ gefunden wurde.

Vier Menschen mussten im verganenen Jahr in Luxemburg sterben, weil nicht rechtzeitig ein rettendes Spendeorgan gefunden wurde – das berichtet die Organisation Protransplant.lu am Freitag Vormittag auf einer Pressekonferenz.

Und das obwohl in Luxemburg eigentlich jeder Organspender ist – sofern dem nie ausdrücklich wiedersprochen wurde. Das hält ein Gesetz im Großherzogtum seit 1982 so fest. Heißt: Wer nach dem Tod auf keinen Fall Herz, Lunge oder Niere spenden will, muss das dem nahen Umfeld zu Lebzeiten mitteilen. Oder einen Organspendeausweis bei sich tragen und auf dessen Rückseite ein Kreuz vor den Satz “Je ne suis pas donneur d’organes” setzen. 

Organspende nur nach Hirntod möglich

Statistisch gesehen gibt es in Luxemburger Krankenhäusern nur 30 Mal pro Jahr den Fall, dass Organe überhaupt entnommen werden können, so der Präsident von Protransplant.lu Jos Bourg: nämlich dann, wenn der Hirntod noch vor dem Herzstillstand eintritt. In der Praxis werden allerdings nur in den wenigsten Fällen Organe entnommen. Im vergangenen Jahr wurden in Luxemburg nur sieben Menschen zum Organspender, weniger als noch im Vorjahr: Im Jahr 2017 waren es nämlich neun.

Die geringe Spendenbereitschaft im Großherzogtum hat verschiedene Gründe: Manche Menschen wollen es einfach nicht und haben das zu Lebzeiten auch klar festgehalten. Manchmal spricht die medizinische Verfassung des Verstorbenen dagegen – zum Beispiel nach einer Krankheit, wenn die Organe von Krebsmetastasen befallen sind.

Kein Eingriff ohne Zustimmung der Familie

Oft liegt es aber auch daran, dass Ärzte in Luxemburg vor dem Eingriff immer zuerst die Zustimmung der Familie einholen. Besteht dann nur der geringste Zweifel – weil die Angehörigen sich unsicher über den Willen des Verstorbenen sind – werden keine Organe entnommen. “Wir wissen sogar von einem Fall, in dem keine Operation durchgeführt wurde, weil die Frau des Verstorbenen dagegen war - und das obwohl der Mann einen Spendenausweis hatte, mit dem er sich zur Organspende bereit erklärt hatte”, berichtet Jos Bourg.


Wenn Menschen einen Organspendeausweis besitzen und mit ihren Verwandten über das Thema gesprochen haben, weiß das Krankenhauspersonal in Todesfällen besser, ob es Organe entnehmen soll – oder nicht.
Ein Herz für andere
Insgesamt 67 Patienten warten in Luxemburg derzeit auf ein Herz, eine Niere oder eine Lunge, die ihnen das Leben retten – oder zumindest erleichtern könnte.

Die Gesetzgebung wird also nicht wirklich beachtet, und das muss sich ändern, verlangt Protransplant.lu. So, dass dann der Wille des Verstorbenen zählt und nicht der der Hinterbliebenen: „Wenn das Gesetz eingehalten werden würde, könnten jedes Jahr mehrere Leben gerettet werden. Der bestehende Gesetzestext ist gut, doch er bringt nichts, wenn sich keiner daran hält.” Dabei drohen bei Nichteinhaltung Geldstrafen und bis zu drei Jahre Gefängnis – so hält es zumindest der Gesetzestext von 1982 fest.

Dieser wurde im vergangenen Jahr durch eine großherzogliche Verordnung überarbeitet. An der übt Protransplant.lu nun Kritik: Die Verordnung sieht nämlich vor, dass jedes Krankenhaus einen sogenannten Referenten haben muss, der sich um die Organspenden vor Ort kümmert und potenzielle Organspender identifiziert. Dabei wurde allerdings versäumt, festzuhalten, von wem diese Verantwortlichen überhaupt ernannt werden und was passiert, wenn ein Krankenhaus keinen solchen hat. Tatsächlich ist das nämlich in vielen Spitälern der Fall, bedauert Jos Bourg und sieht nun die Politik in der Verantwortung.

Organspender werden

Wer die eigene Haltung zum Thema Organspende zum Ausdruck bringen will, tut das am besten mit einem Passeport de vie. Auf der Rückseite des violetten Ausweises kann der Besitzer angeben, ob er beispielsweise Herz, Lunge, Niere spenden will – oder eben nicht. Aktuelle Zahlen belegen, dass 61 Prozent der Luxemburger keinen solchen Pass haben. Den kostenlosen Organspendeausweis bekommt man in Apotheken, beim Hausarzt oder bei der eigenen Gemeinde.

Man kann diesen aber auch online bestellen oder sich einfach die kostenlose App Passeport de vie auf das Handy laden. Außerdem besteht die Möglichkeit, sich am Samstag, dem 30. März, einfach einen Ausweis in Luxemburg-Stadt abzuholen – dann wird die Organisation Protransplant.lu nämlich zwischen 9 und 18 Uhr mit einem Informationsstand auf der Place d'Armes stehen, um über die Organspende zu informieren und kostenlose Pässe zu verteilen.


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