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Sonic Visions: Funke übergesprungen
Skurril und gut: Reptile & Retard.

Sonic Visions: Funke übergesprungen

Foto: Julie Gatto
Skurril und gut: Reptile & Retard.
Lokales 4 Min. 15.03.2012

Sonic Visions: Funke übergesprungen

Und wieder stand am Wochenende an der Avenue du Rock'n'Roll in Esch/Alzette der Künstler im Mittelpunkt: Die Rockhal hatte mit dem „Centre de ressources“ zum „Sonic Visions Festival“ geladen und alle waren sie gekommen. Musiker, Produzenten, Journalisten und natürlich auch die Fans.

(ham) - Und wieder stand am Wochenende an der Avenue du Rock'n'Roll in Esch/Alzette der Künstler im Mittelpunkt: Die Rockhal hatte mit dem „Centre de ressources“ zum „Sonic Visions Festival“ geladen und alle waren sie gekommen. Musiker, Produzenten, Journalisten und natürlich auch die Fans. Letztere sahen tolle Konzerte und interessante Bands aus dem In- und Ausland, während die Profis sich in den Konferenzen und Panels austauschen konnten. Ein Konzept, das immer mehr aufgeht.

Das „Sonic Visions“ wächst. Und das ist auch gut so. Mit den modernen Kommunikationsmöglichkeiten und der ständig wachsenden Zahl an Bands, wird es für junge Künstler immer schwieriger, sich Gehör zu schaffen – im wahrsten Sinne des Wortes. Natürlich eröffnen Myspace, Facebook, Twitter und Soundcloud neue Möglichkeiten. Doch verliert man unter der Masse an Informationen schnell den Blick für das, was wirklich zählt. „Sonic Visions will bring you back to the essentials“, hatte die Rockhal im Vorfeld des Events versprochen.

Das vermeintliche Schlaraffenland verkomme immer mehr zum Labyrinth: Man könne sich nicht auf sämtliche Möglichkeiten stürzen, sondern man müsse ein präzises Ziel vor Augen haben und herausfinden, wie man dorthin gelangt. „Sonic Visions“ wolle in dieser Hinsicht die richtigen Fragen stellen und Starthilfe geben. „Die Konferenzen richten sich gezielt an Musiker aus Luxemburg und der Großregion, aber vor allem auch an die Bands, die bei dem Festival auftreten“, erklärte Rockhal-Sprecher Thomas Roscheck. So gesehen sei das „Sonic Visions“ auch eine Kontaktbörse und Austauschplattform für diese Künstler.

Deshalb habe man nicht nur Großkaliber für die Bühne verpflichten wollen, sondern vor allem Produzenten und Musikprofis, die am regionalen Markt interessiert seien. Als Keynote-Speaker konnten dieses Jahr z.B. Moses Schneider (Beatsteaks, Tocotronic, Turbostaat) und Gareth Jones (Mogwai, Interpol, Goldfrapp) gewonnen werden, die bei ihren Vorträgen vor allem auf ihre Rolle als Produzenten in der musikalischen Förderung der Künstler eingingen.

Rang und Namen

Entsprechend gut besucht waren nicht nur die Keynote-Speeches sondern auch die Konferenzen und Panels im Allgemeinen. Am Wochenende tummelte sich in der Rockhal, was in der Luxemburger Szene Rang und Namen hatte – ob die Künstler und Profis nun selbst vorsprachen oder den Vorträgen lediglich beiwohnten. Ginge es allein schon um den Austausch, dürfte man das „Sonic Visions“ als vollen Erfolg bezeichnen.

Doch trumpften bei dem Festival auch die nationalen und internationalen Bands auf. Während auf nationalem Plan am Freitagabend die Jungs von Mutiny on the Bounty sowohl bei ihrem gemütlichen Rundtischgespräch mit ihrem Produzenten Matt Bayles als auch bei dem späteren Auftritt mehr als überzeugten, dürfte das Konzert von Metronomy zu den musikalischen Höhepunkten des ersten Tages gerechnet werden. Doch konnten auf Sun Glitters aus Luxemburg, Katzenjammer aus Norwegen und Reptile & Retard aus Dänemark eine beachtliche Zuhörerschar vor ihre jeweiligen Bühnen locken.

Gleich zwei Mal im Einsatz war Claudine Muno. Stand die Singer-Songwriterin am Freitag noch mit ihren „Luna Boots“ auf der Bühne, entführte sie die Anwesenden am Samstag zusammen mit DJ Chook in andere Klangwelten. Quasi aus dem Nichts tauchten Monophona vor einigen Wochen im Rampenlicht auf, doch konnte das Projekt auf Anhieb überzeugen. So stehen Muno und Chook nicht nur in der zweiten Runde der „Découvertes du Printemps de Bourges“, sondern wurden sie als bislang einzige Luxemburger Künstler auch zum neuen Glimps-Festival in Gent (B) eingeladen.

Ein ähnlicher Andrang wie am Freitag stellte sich auch am zweiten Festivaltag ein, wobei dieses Mal wieder die Bands aus Luxemburg (Birdbones, Monophona, Angel at my Table), French Films und Rubik aus dem Partnerland Finnland sowie The Drums aus Brooklyn im Mittelpunkt standen.

Publikumserfolg: „Dies war das beste Sonic Visions überhaupt"

Mit rund 1 200 Besuchern (allein für die Konzerte) am Freitag sowie bis zu 1 000 verkaufte Tickets am Samstag dürften die Rockhal-Verantwortlichen nicht ganz unzufrieden über die vierte Auflage des Festivals sein. Dabei war der Anfang alles andere als leicht. Trotz solidem Konzept blieb der erhoffte Publikumserfolg in den ersten Jahren aus.

Doch die Rockhal um Direktor Olivier Toth hielt an ihrem Konzept fest, feilte etwas an den Panels und Konferenzen und richtete das Angebot noch stärker auf die Bedürfnisse der Künstler aus. „Dies war das beste Sonic Visions überhaupt. Die Panels waren richtig interessant. Waren die Themen in den vergangenen Jahren etwas vage, konnten die Vorträge und Diskussionsrunden mich dieses Jahr richtig überzeugen“, betonte z.B. Tom Gatti (Bassist, Eternal Tango) im Anschluss an das Festival.

Entsprechend zufrieden waren denn auch die Gesichter der Organisatoren, allen voran Direktor Olivier Toth. Für ihn und seine Mitarbeiter ist das Sonic Visions eine Herzensangelegenheit. Und das merkt man nicht nur an der Arbeit, die in die Ausarbeitung des Konferenzprogrammes geflossen ist, sondern auch am Line-up des Festivals selbst.

Sind Bands wie French Films, Katzenjammer oder Reptiles & Retards doch nicht unbedingt die kommerziellen Kassenschlager, konnten sie doch allesamt ein beachtliches Publikum anziehen. Und auch die Luxemburger Bands konnten sich nicht über mangelndes Interesse beklagen. Fazit: Nur weiter so!