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Sommer im Zeichen der Kirchen: Alle Sinne ansprechen
Lokales 5 Min. 03.07.2020

Sommer im Zeichen der Kirchen: Alle Sinne ansprechen

Auch die Kirche in Tüntingen beteiligt sich an der Aktion.

Sommer im Zeichen der Kirchen: Alle Sinne ansprechen

Auch die Kirche in Tüntingen beteiligt sich an der Aktion.
Foto: Jim Wanderscheid
Lokales 5 Min. 03.07.2020

Sommer im Zeichen der Kirchen: Alle Sinne ansprechen

Sarah SCHÖTT
Sarah SCHÖTT
Der "Summer vun den oppene Kierchen" soll das Interesse für sakrale Räume wecken und gleichzeitig Kirchen im Großherzogtum vorstellen.

Wer eine Kirche betritt, kann das aus verschiedenen Gründen tun. Der eine sucht vielleicht einen Platz für ein stilles Gebet, ein anderer genießt einfach die Ruhe und die friedliche Atmosphäre des Raums, wieder andere sind vor allem an der Architektur oder den kunsthistorischen Schätzen interessiert, die viele Kirchen zu bieten haben. 

Egal aus welchem Grund man ein Gotteshaus nun aufsucht, beim "Summer vun den oppene Kierchen" ist für jeden etwas dabei. Die Idee entstand, wie so vieles in der Corona-Krise, recht spontan, wie Christiane Kremer-Hoffmann von der Luxembourg School of Religion and Society (LSRS) erklärt. "Angesichts der Situation kam der Vorschlag auf, das Wochenende der offenen Kirchen, das Anfang Juni stattgefunden hat, einfach zu verlängern und einen Sommer der offenen Kirchen daraus zu machen."

Eine neue Wichtigkeit der Kirchenräume 

Organisiert wird das Ganze von der "Arbeitsgruppe oppe Kierchen", die von Laure Simon von der ErwuesseBildung koordiniert wird. "Zu dieser Gruppe gehören verschiedene Menschen aus der zivilen Gesellschaft, denen die Erhaltung der Kirchen als Erbgut wichtig ist, aber auch Vertreter aus dem kirchlichen Bereich", erklärt Theologin Kremer-Hoffmann. 

Bis Ende September werden ausgewählte Kirchen vorgestellt.
Bis Ende September werden ausgewählte Kirchen vorgestellt.
Foto: Veranstalter

Von der Idee, das ursprüngliche Wochenende in den Sommer zu verlängern, sei sie sofort begeistert gewesen. Denn während des Lockdown habe sie beobachtet, dass Kirchen eine neue Wichtigkeit in ihrem Umfeld erhalten hätten. "Auf der einen Seite konnten Menschen nicht am Gottesdienst teilnehmen, nur via Medien. Auf der anderen Seite aber konnten sie die Kirchenräume aufsuchen. Ich habe öfters Spaziergänge durch Öslinger Dörfer gemacht und schöne Überraschungen erlebt. Eine angelehnte Kirchentür, ein freundliches Wort, das zum Eintreten einlädt, leise Musik, ein frisch gepflückter Blumenstrauß, brennende Kerzen. Ich war jedes Mal sehr dankbar für diesen warmen Empfang. Man fühlte sich geborgen und in Gemeinschaft obwohl man alleine war."

Ursprünglich sei die Idee gewesen, jede Woche eine Kirche vorzustellen – mit Informationen, Dokumenten und kleinen Videos. "In der Zwischenzeit hat sich aber herausgestellt, dass sehr viele Kirchen offen sind, die Pfarreien sorgen dafür. Da sind Freiwillige, die sich kümmern. Deshalb haben wir dann entschieden, zusätzlich zu den Vorstellungen eine Liste mit allen offenen Kirchen zu machen."

In einem Kirchenraum werden alle Sinne angesprochen.

Christiane Kremer-Hoffmann, Theologin

Grundsätzlich, so sollte man meinen, liegt es in der Natur von Kirchenräumen, dass sie offen sind. Allerdings kann dies nicht immer gewährleistet werden, wie Christiane Kremer-Hoffmann erklärt: "Von ihrem Wesen her sind Kirchen öffentliche Gebäude, die jedem zugänglich sind. Manche sind aber abgesperrt. Der Grund dafür ist, dass man schlechte Erfahrungen mit Vandalismus gemacht hat oder dass Freiwillige fehlen, die sich um das Auf- und Absperren kümmern. Das ist sehr schade, weil die Kirchen dann ihre erste Funktion – für die Menschen da zu sein – verlieren." Viele Pfarreien hielten ihre Kirchen aber auch sehr bewusst offen – oft durch eine gute Seele aus der Nachbarschaft, die den Schlüsseldienst übernimmt. 

Die Stille genießen, die im Alltag oft fehlt 

Für die Theologin drückt sich die Faszination der sakralen Räume in ihrer Geschichte aus. "Oft sind Kirchenräume Gebäude, die schon in früheren Jahrhunderten gebaut wurden. Dort haben schon viele Generationen gesungen, gebetet, schwere Stunden und frohe Stunden dort erlebt. Schon alleine deswegen haben sie eine besondere Atmosphäre. Dazu kommt, dass es Orte der Stille, der Schönheit sind. Es gibt eine heilige Atmosphäre, die auch in der säkularisierten Gesellschaft fasziniert. Es ist etwas sinnliches, der Geruch des Weihrauchs, die Formen der Architektur, die Kunstwerke, die Skulpturen. In einem Kirchenraum werden alle Sinne angesprochen."


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Und das gilt längst nicht nur für gläubige Menschen, da ist sich Christiane Kremer-Hoffmann sicher. Die Erfahrung zeige, dass etwa auch im Bereich des Tourismus eine Art spiritueller Tourismus zu erkennen sei. "Menschen sind auf Pilgerwegen unterwegs oder verbringen eine Zeit in Klöstern. Gerade im Urlaub setzten sich die Leute oft in eine Kirche, wenn sie daran vorbeikommen. Denn sie genießen die Stille, da das im normalen Alltag oft nicht möglich ist."

Den Raum auch auf eigene Faust erkunden 

Zum Sommer der offenen Kirchen soll nun bis Ende September jede Woche eine Kirche vorgestellt werden – mit Videos, Texten und Fotos, erarbeitet vom Arbeitskreis und von Ehrenamtlichen aus den Pfarreien. Daneben steht eine Liste mit allen offenen Kirchen auch unter www.cathol.lu zur Verfügung (siehe Infokasten). Für viele Kirchenräume gibt es auch Informationen im Internet oder kleine Hefte vor Ort, die alles Wissenswerte über den Raum erklären. Und falls es zu einem Gebäude einmal keine Informationen geben sollte, ist sich Christiane Kremer-Hoffmann sicher: "Man braucht auch nicht immer Dokumente, man kann sich Kirchen natürlich auch auf eigene Faust anschauen."

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