Wählen Sie Ihre Nachrichten​

"Soldaten werden verheizt"
Lokales 14.05.2019

"Soldaten werden verheizt"

Die Generalversammlung des SPAL war gut besucht.

"Soldaten werden verheizt"

Die Generalversammlung des SPAL war gut besucht.
Bild: Frank Weyrich
Lokales 14.05.2019

"Soldaten werden verheizt"

Die Gewerkschaft SPAL geht hart mit der Armeeführung zu Gericht. Ressortminister François Bausch reagiert.

(fwa) - Bei der Generalversammlung der Armeegewerkschaft SPAL (Syndicat Professionnel del’Armée Luxembourgeoise) zeichneten der Vorsitzende Christian Schleck sowie Generalsekretär Jean-Claude Betz ein düsteres Bild der Luxemburger Armee. Wenn die Beschreibung der beiden nur annähernd zutrifft, dann muss es einem als Bürger angst und bange werden. 


Als Seelsorger begleitet Aumônier Nicolas Wenner seit 23 Jahren Soldaten wie Polizisten in ihrem Alltag. Die Armee beschäftigt derzeit rund 1000, die Polizei knapp 2200 Mitarbeiter.
Nicolas Wenner: Ein offenes Ohr für Soldaten
Rund um die Uhr erreichbar, Stütze in schweren Stunden: Aumônier Nicolas Wenner dient den Angehörigen der Armee und der Polizei mit ganzem Herzen, hört zu bei Nöten und spendet Zuspruch. Aber das ist nicht alles.

Dass die Anzahl Soldaten nicht dem vorgeschriebenen Minimum entspricht, ist zwar seit Längerem bekannt. Durch die zusätzlichen Aufgaben, die die Armee übernimmt, wird die Überlastung ihrer Mitglieder immer größer. „Viele unserer Leute werden verheizt“, meinte Präsident Schleck. „Angesichts des Arbeitsrechtsgesetzes arbeiten viele Armeeangehörige in der Illegalität“, fügte er hinzu. 

Die Misere bei der Rekrutierung sei größtenteils auf ungenügende Ausbildungsmöglichkeiten für die freiwilligen Soldaten zurückzuführen, gekoppelt mit mangelnden Berufsaussichten nach dem Militärdienst, so die Analyse der beiden Redner. 

Auch die Hierarchie bekam ihr Fett weg. Von Vorgesetzten, die die Verantwortung scheuen und Verwaltungen, die die Gewerkschaft wenig bis gar nicht informiert, war die Rede. Die Infrastruktur am Schießstand „Bleesdall“ entspräche nicht mehr den Sicherheitsanforderungen, sodass die Mehrheit der erforderlichen Schießübungen ins Ausland verlegt werden müssen, war zu erfahren. Auch bei den Dingo-Fahrzeugen, die das Hauptrückgrat der Mobilität darstellen, seien wichtige Instandhaltungen nicht durchgeführt worden.

Alles in allem sehen die Gewerkschafter die Luxemburger Armee nicht im Stand, die Sicherheit des Landes zu gewährleisten. Die Politik tue das ihre dazu, wenn alle fünf Jahre eine Neuausrichtung der Verteidigungsstrategie festgelegt würde. 

Spontanen Applaus gab es, als Präsident Schleck verkündete, dass der SPAL gerichtlich gegen einen Parteikandidaten vorgehen werde, der sich im Anschluss an die Tragödie von Waldhof auf den sozialen Medien abschätzig über die Armeemitglieder geäußert hatte.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Armeegewerkschafter unter Beschuss
Der Präsident der Armeegewerkschaft soll wegen seiner syndikalistischen Tätigkeit strafversetzt werden. Das prangert die Gewerkschaft der öffentlichen Macht am Donnerstag an.
„Der sichere Kollaps“
Überforderung, Ungerechtigkeiten, Perspektivlosigkeit: Ein eher düsteres Bild des aktuellen Soldatendaseins zeichnete Präsident Christian Schleck am Mittwoch in der Generalversammlung der Armeegewerkschaft SPAL.
Die Aufgaben der Luxemburger Armee werden immer vielfältiger, aber die Reihen der Soldaten werden laut
 Armeegewerkschaft SPAL nicht genügend aufgefüllt.