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SMS: Das Ende einer Ära?
SMS, Handy (Foto: Shutterstock)

SMS: Das Ende einer Ära?

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SMS, Handy (Foto: Shutterstock)
Lokales 3 Min. 25.01.2015

SMS: Das Ende einer Ära?

Weltweit werden jeden Monat über 350 Milliarden SMS verschickt. Seit den Anfängen im Jahr 1992 galt der „Short Message Service“ als größter Umsatzbringer der Mobilfunkanbieter. Das war einmal.

(ld) - Weltweit werden jeden Monat über 350 Milliarden SMS verschickt. Seit den Anfängen im Jahr 1992 galt der „Short Message Service“ als größter Umsatzbringer der Mobilfunkanbieter. Doch das hat sich spätestens mit bezahlbaren Datentarifen, Smartphones und Messenger-Diensten geändert. Allein die Anzahl an Neujahrs-SMS-Botschaften ging, den luxemburgischen Mobilfunkanbietern zufolge, im Vergleich zum letzten Jahr zurück – und wurde vom mobilen Datenverkehr überholt.

Die erste SMS verschickt der Ingenieur Neil Papworth am 3. Dezember 1992 von einem PC auf ein Mobiltelefon im britischen Vodafone-Netz. Mit der Botschaft „Merry Christmas“ bringt er den Stein ins Rollen.

Die Kurznachricht in 160 Zeichen – 20 mehr als Twitter heute zulässt – löst eine Abkürzungskultur aus, die unseren Sprachgebrauch nachhaltig prägen sollte. Doch neben Abkürzungen wie „LOL“ (Laughing Out Loud) oder „KA“ (Keine Ahnung) werden auch Emoticons und Smileys in der Zwischenzeit so oft verwendet, dass viele davon in modernen Mobiltelefonen vorgespeichert sind.

Messenger-Dienste 
als günstige Variante

Bis dato größte Umsatzbringer der Mobilfunkanbieter, müssen die SMS-Botschaften sich seit einigen Jahren jedoch ihrer bisher bedeutendsten Konkurrenz stellen. Instant-Messaging- und Social-Media-Anwendungen wie WhatsApp, iMessage, Threema oder Skype erfreuen sich zunehmender Beliebtheit und werden weltweit von Millionen Nutzern verwendet – und das nicht zuletzt, weil die Messenger-Dienste deutlich preisgünstiger sind und etwa Bilderversand ermöglichen. Heute überholt der Versand von mobilen Daten die Anzahl an SMS-Botschaften.

Diese Entwicklung zeigt sich auch in Luxemburg. Die Post verzeichnet am Silvesterabend 3,3 Millionen SMS-Nachrichten – zwölf Prozent weniger als im Jahr davor. Die Anzahl an MMS-Botschaften geht um 22 Prozent zurück. Gleichzeitig steigt der mobile Datenverkehr im Vergleich zum Vorjahr um 117 Prozent.

Ähnlich verhält es sich bei den Mobilfunkanbietern Tango und Orange. Während auf dem Mobilfunknetz Tango zum Jahreswechsel 3,4 Millionen SMS versendet wurden, handelt es sich dieses Jahr nur noch um 3,1 Millionen. Orange gibt in Bezug auf Heiligabend und die Silvesternacht einen Rückgang von 3,3 Prozent an.

Dem Direktor für Marketing und Kommunikation bei Orange Luxemburg, Thierry Iafrate, zufolge, kann in Luxemburg der globale SMS-Rückfall verzögert werden. Fast alle Orange-Mobilfunkverträge bieten zum Beispiel eine unbegrenzte Anzahl an ausgehenden SMS an.

Die Nutzer neigen also weniger dazu, auf Messenger-Dienste umzusteigen. Trotzdem steigt bei Orange der Datenversand im Jahr 2014 um 797 Prozent.

Der Trend, auf soziale Netzwerke und Messenger-Dienste zu wechseln, macht sich auch weltweit bemerkbar und kostet allein im Jahr 2013 Mobilfunkanbieter 32,5 Milliarden Dollar. Während die halbe Twittergemeinschaft nun auch mobil zwitschert, verwenden ein Drittel der Facebook-Nutzer die Facebook-Mobile-App.

Steter Rückgang von 7,8 Billionen auf 19 Milliarden SMS

Der internationale SMS-Verkehr erreicht 2012 mit 7,8 Billionen Nachrichten seine Spitze. Danach geht es stetig bergab. Ende 2012 werden beispielsweise im selben Zeitraum 19 Milliarden Nachrichten via WhatsApp und Co. und „nur“ 17,6 Milliarden SMS verzeichnet. Während die Zahl der versandten SMS jedes Jahr weiter zurückgeht, gewinnen Konkurrenten wie WhatsApp oder Threema Tag für Tag neue Nutzer.

Diese Entwicklung bedeutet jedoch nicht das Ende einer Ära. Obwohl jeden Tag weltweit Millionen von Nachrichten über Messenger-Systeme abgeschickt werden, nimmt der SMS-Dienst im Bereich des E-Banking einen immer höheren Stellenwert ein. Außerdem haben SMS-Botschaften eine höhere Trefferquote und können – ohne davor eine App herunterzuladen – von allen Mobiltelefonen gesendet und auch empfangen werden.


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