Sichtung in Leudelingen

Wahrscheinlich ein Wolf

Dieses Foto hatte ein Landwirt am späten Mittwochabend geschossen.
Dieses Foto hatte ein Landwirt am späten Mittwochabend geschossen.
Foto: Gaston Origer /SIP

Von Jacques Ganser

Was bereits seit einiger Zeit vermutet wurde, scheint sich jetzt zu bestätigen: der Wolf könnte zurück in Luxemburg sein. Am vergangenen Mittwoch gegen 23.30 Uhr wurde das Tier laut Umweltministerium von einem Landwirt in der Nähe von Leudelingen gesichtet.

Der Mann konnte das Tier im Scheinwerferlicht seines Traktors fotografieren.  Nach Auswertung durch Fachleute wurde bestätigt, dass es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um einen Wolf handeln könnte. Eine 100-prozentige Bestätigung ist allerdings nur durch Analyse von Haaren oder Kot möglich. Die geschützten Tiere sind seit Jahren wieder in unseren Regionen heimisch, Sichtungen gab es unter anderem in Rheinland-Pfalz und in Lothringen.

Eindeutiger Nachweis fehlt

Laurent Schley von der Naturverwaltung war nach der Sichtung vor Ort. „Leider hatte es nachts geregnet, deshalb war es nicht mehr möglich, Kot oder Pelzhaare zu finden. Per DNA-Analyse wäre die Bestimmung dann wissenschaftlich möglich. Für Schley bleibt es vorläufig bei einer C3 Bestimmung. Dies bedeutet, dass alles darauf hindeutet, dass es ein Wolf sein könnte, aber verschiedene Merkmale nicht eindeutig bestimmt werden konnten.“ Ich habe vier ausländischen Experten das Foto vorgelegt, sie stimmen mit mir überein dass es sich höchstwahrscheinlich um einen Wolf handelt, so Schley."

Es gab in der Vergangenheit öfters Verwechslungsfälle, besonders mit Hunderassen wie Saarlooss oder Tschechoslowakischer Wolfshund. Für Schley sprechen aber vor allem Körperbau, Ohrenform, die weiße Maske rund ums Maul und der Farbunterschied zwischen Rücken und Bauch. „Leider ist auf dem Foto die für Wölfe typische schwarze Schwanzspitze schlecht zu erkenn, dies wäre ein weiteres Erkennunsgmerkmal gewesen“, so Schley.

Für den Menschen ungefährlich

 Luxemburg hat sich in den letzten Jahren bereits auf die mögliche Rückkehr des Wolfs vorbereitet, um von vorne herein den Umgang mit dieser Tierart zu definieren. Dies geschieht im Aktions- und Managementplan für den Umgang mit Wölfen in Luxemburg, der zusammen mit allen Akteuren aus der Landwirtschaft, der Wissenschaft, dem Naturschutz, den Privatwaldbesitzern und der Jagd erstellt und der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Jegliche Sichtung sollte der Naturverwaltung gemeldet werden. (wolf@anf.etat.lu)

"Wir haben unserer Hausaufgaben gemacht und sind auf den Rückkehrer vorbereitet", so Camille Gira, Staatsekretär im Umweltministerium. Dazu gehören auch Entschädigungszahlungen für den Fall, dass ein Haustier gerissen wird.

Wölfe meiden in der Regel den direkten Kontakt zum Menschen. Begegnungen zwischen Mensch und Wolf sind daher äußerst selten, aber nicht unmöglich. In der Regel ziehen sich Wölfe zurück, sobald sie einen Menschen bemerken, können aber durchaus auch neugierig sein und den Menschen vor dem Rückzug erst einmal genauer mustern. Am besten soll man sie durch Schreie und Gestikulieren vertreiben. Meldungen über Zwischenfälle zwischen Mensch und Wolf gibt es in Europa so gut wie keine. 

In der Broschüre „Wölfe in Luxemburg?“ findet man neben vielen anderen Informationen über den Wolf auch Verhaltensregeln, die man im Falle einer Begegnung mit dem Wolf einhalten sollte.