Sicherheit in öffentlichen Verkehrsmitteln

Nicht mit uns

Wieder mobil: Wie bislang dürfen auch weiterhin jene Rollifahrer, deren Rollstuhl keine Kopfstütze hat, in Busse einsteigen.
Wieder mobil: Wie bislang dürfen auch weiterhin jene Rollifahrer, deren Rollstuhl keine Kopfstütze hat, in Busse einsteigen.
Foto: Lex Kleren

(che) - Die erst vor sechs Wochen veröffentlichte Änderung einer großherzoglichen Verordnung, wonach nur noch Rollstühle mit Kopfstütze in Bussen zugelassen waren, hatte gleich nach Inkrafttreten zu Problemen geführt.

In der Praxis hatte der Erlass beispielsweise zur Folge, dass eine Rollstuhlfahrerin von einem Busfahrer zurückgewiesen wurde – der Fahrer begründete das mit der fehlenden Kopfstütze. Die Frau, bis dahin ohne Schwierigkeiten im öffentlichen Nahverkehr unterwegs, beschwerte sich bei „Info-Handicap“.

Auch dort zeigten sich die Mitarbeiter überrascht, von einer solchen Regelung war niemand etwas bekannt. „Normalerweise beziehen die Ministerien uns in solche Entscheidungen ein, doch hierbei wurden wir im Unklaren gelassen“, beklagt Olivier Grüneisen, Direktor von „Info-Handicap“.

Auch das Familienministerium, dem „Info-Handicap“ zugeordnet ist, habe nichts von dieser neuen Regelung gewusst, so Grüneisen weiter. Kurz nach der ersten Beschwerde folgte prompt eine weitere. Und auch in sozialen Netzwerken machten zahlreiche Betroffene ihrem Zorn Luft, sie fühlten sich bevormundet. Luciano Fratini ist einer von ihnen.

Völlig realitätsfremde Regelung

Er sitzt selbst seit 32 Jahren im Rollstuhl, führt ein Spezialgeschäft für Rollstühle und kennt sich mit dem Thema aus: „An einen herkömmlichen Rollstuhl kann man keine Kopfstütze montieren. Wäre diese Verordnung weiterhin in Kraft geblieben, hätten sich quasi alle Rollstuhlfahrer einen eigens für Schwerbehinderte angefertigten Rollstuhl zulegen müssen.“

Auch Oliver Grüneisen sieht in dieser Verordnung absolut keinen Sinn: „Die Sitzplätze in den öffentlichen Bussen haben ja auch keine Kopfstützen. Die Entscheidung war einfach nicht nachvollziehbar.“

Bei „Info-Handicap“ hatte man bereits den Plan gefasst, gemeinsam mit der „Association des victimes de la route“ (AVR) einen Beschwerdebrief zu formulieren. Doch dann kam das zuständige Ministerium den Organisationen zuvor.

Am vergangenen Freitag wurde den Busfahrern mitgeteilt, dass alles nun wieder beim Alten sei. „Die zuständige Abteilung war der Meinung, dass diese Regelung für mehr Sicherheit sorgen würde. Man ist dabei wohl leider etwas über das Ziel hinausgeschossen“, erklärt Dany Frank, Sprecherin des Ministeriums für nachhaltige Entwicklung und Infrastruktur die Entstehungsgeschichte.

Dass das Ministerium für Familie davon nichts wusste, sei ebenfalls auf die gut gemeinte Intention der Abteilung für Öffentlichen Transport zurückzuführen, so Dany Frank. Die Betroffenen zeigen sich ebenso wie die Beratungsstelle angesichts des Erreichten zufrieden und erleichtert.

Doch warum eine solche in ihren Augen völlig unsinnige Verordnung erlassen wird, aber kaum am Aktionsplan zur Umsetzung der UN- Behindertenrechtskonvention in Luxemburg, der bereits Ende 2017 auslaufen wird, gearbeitet wird - das können Olivier Grüneisen und Luciano Fratini nicht verstehen.