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Showdown an der Aire de Victory
Lokales 3 Min. 15.03.2012 Aus unserem online-Archiv

Showdown an der Aire de Victory

Showdown: Der Täter erblickt den Streifenwagen und rennt weg.

Showdown an der Aire de Victory

Showdown: Der Täter erblickt den Streifenwagen und rennt weg.
Screenshots/wort.lu
Lokales 3 Min. 15.03.2012 Aus unserem online-Archiv

Showdown an der Aire de Victory

Eine spektakuläre Verfolgungsjagd mitten in der Nacht, die in Belgien endete und per Zufall zur Verhaftung des damals meistgesuchten Luxemburger Verbrechers, Carlo Fett, führte: Daran inspiriert sich ein Kurzfilm, den die Polizei anlässlich der 25-Jahr-Feier der Unterzeichnung des Schengen Abkommens gedreht hat.

(str) - Eine spektakuläre Verfolgungsjagd mitten in der Nacht, die in Belgien endete und per Zufall zur Verhaftung des damals meistgesuchten Luxemburger Verbrechers, Carlo Fett, führte: Daran inspiriert sich ein Kurzfilm, den die Polizei anlässlich der 25-Jahr-Feier der Unterzeichnung des Schengen Abkommens gedreht hat.

Es ist der 8. Juni 1995, 3.30 Uhr am Morgen: In Hollerich bezieht ein Streifenwagen der hauptstädtischen Polizei in der Nähe des Salzhaff Stellung. Plötzlich nähert sich ein dunkler Wagen mit hoher Geschwindigkeit. Mit Blaulicht und Sirene nehmen die Beamten die Verfolgung auf.

Der Fahrer des Kleinwagens ignoriert jegliche Haltezeichen, gibt Vollgas und flüchtet in Richtung Autobahn – zunächst auf die A4 in Richtung Esch/Alzette, dann auf die A6 in Richtung Arlon. Eine Überprüfung über Funk ergibt, dass der Wagen mit den amtlichen Kennzeichen RB 724, laut dem Schengen-Informationssystem – kurz SIS - als gestohlen gemeldet ist.

Mit halsbrecherischer Geschwindigkeit wird der Wagen in Richtung Belgien gesteuert. Die Beamten des Pollux13, so der Rufnahme der Streife, beantragen, den Wagen über die belgische Grenze hinaus verfolgen zu dürfen. Die Leitstelle der Polizei, RIFO, steht bereits in Kontakt mit den belgischen Behörden. Die Genehmigung zur grenzüberschreitenden Verfolgung wird erteilt.

Strafverfolgung in einer neuen Dimension

Dies ist damals absolutes Neuland in der Polizeiarbeit. Bis dahin war nämlich an den Landesgrenzen Schluss für die Sicherheitskräfte. Zwei Monat vor dem Zwischenfall, am 26. März 1995, ist das Schengener Abkommen in Kraft getreten - nachdem es bereits am 19. Juni 1990 unterzeichnet worden war.

Das Abkommen sah die Abschaffung der Personenkontrollen an den Landesgrenzen innerhalb der Mitgliedstaaten vor. Als Ausgleich wurde der Informationsaustausch erleichtert, gemeinsame Streifen im Binnengrenzraum und die Möglichkeiten der grenzüberschreitenden Observation oder Verfolgung von Straftätern geschaffen.

Zurück zur Verfolgungsjagd auf der A6: Um 3.45 Uhr überquert Pollux13 als erste Luxemburger Patrouille in Sterpenich die belgische Grenze. Pech für die Beamten: Wenige Kilometer später verlieren sie den flüchtenden Wagen aus den Augen. Die Polizisten wollen sich auf der beglischen Autobahnraststätte “Aire de Victory” mit den anderen an der Verfolgung beteiligten Patrouillen treffen.

Polizist von sechsfachem Mörder niedergestochen

Als die Polizisten den Parkplatz erreichen, steht dort in der Dunkelheit ein Mann. Beim Anblick der Polizisten rennt er los. Die Beamten zögern nicht lange und verfolgen den Verdächtigen. Einer der Polizisten versucht den Mann zu überwältigen, doch dieser dreht sich um und rammt dem Polizeibeamten ein Messer in den Bauch. Im Fall zieht der schwerverletzte Beamte seine Waffe und feuert einen Schuss auf den Angreifer, bevor er zu Boden sinkt.

Einer zweiten Patrouille gelingt es, den Täter zu überwältigen und ihm Handschellen anzulegen. Schnell zeigt sich, dass sie einen großen Fang gemacht haben. Bei dem Festgenommenen handelt es sich um den zehn Tage zuvor aus der Haftanstalt Schrassig ausgebrochenen sechsfachen Mörder Carlo Fett. Der Ausbrecher wird der belgischen Polizei übergeben, die ihn tagsdrauf an die Luxemburger Justiz ausliefert. Mit dem gestohlenen Wagen, der am Ursprung der Verfolgungsjagd stand, hatte Fett nichts zu tun. Der mit dem Messer verletzte Beamte konnte nach einer mehrmonatigen Genesungszeit den Dienst wieder aufnehmen. Fett wurde wegen versuchten Totschlags der Prozess gemacht.

Fünf Jahre zuvor war er bereits wegen zahlreicher Raubüberfälle in den Jahren 1983 bis 1985 sowie wegen sechs Morden und mehrerer Mordversuche zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden. So war Fett unter anderem an dem skrupellosen Überfall auf die damalige BIL-Zentrale am Boulevard Royal im Oktober 1985 beteiligt, bei dem der Polizeibeamte Patrice Conrardy erschossen wurde.

Am 9. Januar 2003 starb Carlo Fett überraschend in seiner Gefängniszelle. Er war einem Herzleiden erlegen.


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