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Service local de l'emploi Düdelingen: Der andere Weg
Lokales 4 Min. 19.12.2015 Aus unserem online-Archiv

Service local de l'emploi Düdelingen: Der andere Weg

Richard Marx berät und orientiert im „Service local de l'emploi“ in Düdlingen Arbeitssuchende.

Service local de l'emploi Düdelingen: Der andere Weg

Richard Marx berät und orientiert im „Service local de l'emploi“ in Düdlingen Arbeitssuchende.
Foto: Christophe Olinger
Lokales 4 Min. 19.12.2015 Aus unserem online-Archiv

Service local de l'emploi Düdelingen: Der andere Weg

Wer Arbeit sucht und keine findet geht gewöhnlich zum Arbeitsamt. In größeren Gemeinden ist aber oft auch eine ganzheitliche Beratung und Betreuung möglich, durch Netzwerke innerhalb der Gemeinde. Düdelingen hat dafür vor Jahren den "Service local de l'emploi" eingerichtet.

(dho) - Im Oktober 2015 waren in Luxemburg 17 530 Menschen arbeitslos. 5 385 profitieren von einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, die ihnen danach jedoch keinen festen Vertrag garantiert. Viele größeren Gemeinden stehen Arbeitsuchenden zur Seite. In Differdingen gibt es innerhalb des Sozialamtes ein „Job Center“, in Esch/Alzette unterstützt die Gemeinde Initiativen wie „Zarabina“ oder „Initiativ rëm schaffen“, die beraten und beim Wiedereintritt ins Berufsleben helfen.

Der „Service de l'emploi“ in Düdelingen aber ist in seiner Art landesweit der einzige. Vom Nutzen dieses Angebotes ist man in der Südgemeinde überzeugt: Proximität ist wichtig. Auf lokaler Ebene möchte man näher am Bürger sein und die sozialen Netzwerke der Gemeinde nutzen. Zu direkten Ansprechpartnern zählen dabei das Sozialamt, die regionale Agentur der Adem (Agence pour le développement de l'emploi oder Arbeitsamt), die lokale Niederlassung der „Action locale pour 
jeunes“, Foyer Pro Familia, der Schulsektor und viele mehr.

In der fast 20 000-EinwohnerStadt Düdelingen suchten dieses Jahr über 700 Frauen und Männer einen Weg aus der Arbeitslosigkeit. Mehr als jeder Zweite von ihnen passierte beim lokalen Beschäftigungsdienst. Durchschnittlich werden hier 380 Leute im Jahr beraten.

Arbeitsuchend in der Gemeinde

Gründe, weswegen Menschen eine Arbeit suchen, gibt es viele. Da sind die jungen Schulabbrecher mit unzureichender oder falscher Qualifikation. Frauen, die nach der Geburt ihres Kindes wieder einen Job annehmen möchten. Leute, die auf ihrem Arbeitsplatz unzufrieden sind. Aber auch die klassischen Langzeitarbeitslosen zählen zu der Zielgruppe dieser Gemeindedienststelle.

Richard Marx gehört als Sozialarbeiter zum Team des „Service local de l'emploi“. Er erzählt von einer alleinerziehenden Mutter, die zwei Kinder hat und weder Arbeitslosengeld noch Unterhaltszahlung von ihrem Mann erhält. Morgens putzt sie in einer Schule, abends in einer Bank. Dazwischen kümmert sie sich mit viel Engagement um die Kinder. Ihr hilft der Beschäftigungsdienst, ihre beruflichen, aber auch generell ihre Lebensbedingungen zu verbessern.

Berufliche Bedingungen können auf unterschiedliche Weisen verbessert werden. In einer individuellen Beratung werden dem Betroffenen seine Möglichkeiten aufgezeigt. Bei der alleinerziehenden Mutter z. B. wird bei Bedarf nach einer Kindertagesstätte gesucht, oder über andere Arbeitsmöglichkeiten nachgedacht. Zunächst wird allerdings versucht, die prekäre Lebenssituation zu lösen, in der sich viele befinden. Die Betroffenen werden motiviert, und es wird ihnen geholfen, ihre Fähigkeiten besser einzuschätzen. Unter anderem werden sie unterstützt, um ihren Lebenslauf und ihr Motivationsschreiben zu verfassen.

Unterschied zum Arbeitsamt

Der Unterschied zum nationalen Beschäftigungsdienst, der Adem, ist in der Gemeinde eine ganzheitliche Betreuung möglich ist. „Arbeitslosigkeit ist für die allermeisten Betroffenen eine Katastrophe. Sie führt oft zum sozialen Abstieg wegen fehlender finanzieller Mittel, kann aber auch zu psychischen Problemen und familiären Konflikten führen“. Der „Service de l'emploi“ hat die Möglichkeit, die Arbeitsuchenden an andere Institutionen in der Gemeinde weiterzuleiten. Durch die richtige Beratung, Motivationsarbeit und Formationsmöglichkeiten soll den Arbeitsuchenden geholfen werden, ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen.

Ein Projekt der Beratungsstelle ist eine Beschäftigungsinitiative innerhalb der Gemeindeverwaltung. 35 Leute konnten dieses Jahr hier beschäftigt werden u. a. für Garten-, Mechanik- und Putzarbeit. Richard Marx betont jedoch, dass nicht alle 380 Leute, die sich jährlich hier melden, auch einen Arbeitsvertrag bei der Gemeinde erhalten. Die meisten werden auf den „normalen“ Arbeitsmarkt orientiert, in Eigeninitiative oder in enger Zusammenarbeit mit der Adem. Sie haben dann jedoch bessere Startvoraussetzungen, dank einer effizienteren Vorbereitung auf die Jobsuche durch den „Service de l’emploi“.

Lokale Arbeit, regionale Ziele

So wird auf lokaler Ebene Vorarbeit für die Adem geleistet, denn „auf lokaler Ebene ist man näher an seinen Bürgern“. Auf die Frage, wieso seine Arbeit für den Zusammenhalt der Gesellschaft so wichtig sei, antwortet Richard Marx, dass Konflikte oft dort entstehen, wo es an sozialer Gerechtigkeit mangelt. „Die soziale Solidarität in der Gesellschaft ist dort stark, wo es den Menschen gut geht.“

Der Beschäftigungsdienst soll Türen öffnen und den Menschen Zugang zu einem Netzwerk schaffen, das sie im Hinblick auf eine bessere Zukunft auf dem Arbeitsmarkt berät. Gezielte Weiterbildung gehört da dazu. Hauptproblem für viele Arbeitsuchenden ist laut Richard Marx nämlich ihre mangelnde oder nicht den Anforderungen entsprechende Ausbildung. Im Hinblick auf den wachsenden Dienstleistungssektor in Luxemburg ist das ein echtes Problem.

Die Entstehungsgeschichte

Vor 18 Jahren, 1997, gründen der damalige Düdelinger Bürgermeister Mars Di Bartolomeo und der Gemeindesekretär Jos Schmit den „Service de l’emploi“. Jos Schmit arbeitete davor bei der Adem und hatte die Idee einer lokalen Beschäftigungsdienststelle bereits im Ausland kennengelernt. Das Ziel der Gründung war, näher an den Bürgern zu sein. Damals war das Projekt noch eine europäische Kofinanzierung. Heute ist der Dienst ein eigenständiger Gemeindedienst mit drei fest angestellten Mitarbeitern.


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