Seltenes astronomisches Phänomen: Luxemburg im Mondschatten
(mth) - Vielen Einwohnern Luxemburgs dürfte die totale Sonnenfinsternis vom 11. August 1999 noch in Erinnerung sein. Obschon das Wetter damals nicht mitspielte und eine meist durchgehende Wolkendecke eine richtige Beobachtung in den meisten Region schwierig, wenn nicht unmöglich machte, war die knapp anderthalbminütige Verdunkelung an jenem Mittwochmorgen doch äußerst beeindruckend.
Am kommenden Freitag wird eine totale Sonnenfinsternis nur innerhalb eines 400 Kilometer breiten Streifens über dem Nordatlantik zu beobachten sein. Wer jedoch den weiten Weg zu den Färöer-Inseln nicht zurücklegen kann oder will, der kann sich in Luxemburg an einer recht weitgehenden Teilfinsternis von immerhin fast 76 Prozent erfreuen – die Sonnenscheibe wird am Maximum der Überlappung nur noch als schmale Sichel zu sehen sein.
Ein Bild, das sich allerdings nur demjenigen bieten wird, der die Sonne durch eine geeignete Filterbrille, eine spezielle Folie oder indirekt auf einer Projektionsfläche, also mit einer „Camera obscura“, beobachtet. Denn selbst die schmale Sonnensichel strahlt noch so hell, dass bei einer ungeschützten Beobachtung schwere Augenschäden bis zum Erblinden drohen.
Wie bei jeder Sonnenfinsternis ist es wichtig, daran zu erinnern, dass improvisierte Sonnenfilter (Filmstreifen, geschwärzte Glasplatten, CDs) oder normale Sonnenbrillen zur Beobachtung nicht nur ungeeignet, sondern äußerst gefährlich sind. Brillen und Folien sind normalerweise im Astronomiefachhandel, via Internet oder in Optikerfachgeschäften erhältlich. Wer allerdings noch vor Freitag eine Spezialbrille kaufen möchte, muss sich auf Probleme gefasst machen. „Wir haben unseren gesamten Lagerbestand verkauft. Die Nachfrage war groß“, erklärt Florian Dervisi, der in einem hauptstädtischen Optikerladen arbeitet.
Öffentliche Beobachtung im Kulturzentrum „Neimënster“
Der Beginn der Finsternis findet in Luxemburg um 9.27 Uhr statt. Gegen 10.34 Uhr ist das Maximum erreicht, und der Mond gibt die Sonnenscheibe langsam wieder frei, bis das Phänomen um 11.46 Uhr schließlich beendet ist. Die maximale Überlappung wird etwa zwei Minuten dauern.
Der Verein „Astronomes Amateurs du Luxembourg“ (AAL) wird selbst keine öffentliche Beobachtung veranstalten, wie der Vereinsvorsitzende Nic Feierstein auf Nachfrage bestätigt: „Wir haben das in der Vergangenheit gemacht, aber aus Mangel an Interesse irgendwann nicht mehr. Der Zeitpunkt der Finsternis am Freitag ist zudem nicht besonders günstig, da die meisten Menschen auf der Arbeit sein werden.“ Mitglieder des AAL werden allerdings zwei Events unterstützen: In Düdelingen wird in der Schule „Strutzbierg“ eine Beobachtung für Schüler stattfinden, und in der Hauptstadt organisiert das „Musée national d'histoire naturelle“ (MNHN) eine öffentliche Beobachtung im Hof des Kulturzentrums „Neimënster“. Spezialbrillen in begrenzter Anzahl und ein Teleskop mit besonderem Filter werden dort zur Verfügung stehen, um das einzigartige Naturphänomen gefahrlos zu genießen. Die Veranstaltung ist kostenlos und beginnt um 9.15 Uhr.
Wer das seltene Ereignis am Freitag verpasst, muss übrigens viel Geduld haben, um eine vergleichbare Finsternis in Luxemburg beobachten zu können: Die nächste partielle Finsternis, während der die Sonne zu 90 Prozent vom Mond verdeckt werden wird, findet erst am 12. August 2026 statt. Die nächste totale Sonnenfinsternis, die in unseren Breiten zu beobachten ist, werden die meisten unter uns nicht mehr erleben, da diese erst am 3. September 2081 stattfinden wird.
Live-Stream auf wort.lu
Wer am Freitagmorgen nicht die Möglichkeit hat, die partielle Sonnenfinsternis im Freien zu beobachten, oder keine geeignete Spezialbrille erwerben konnte, der kann das Naturphänomen ab 9.30 Uhr live im Video- Stream auf unserem Nachrichtenportal wort.lu verfolgen. Wir übertragen das Naturspektakel dank einer Kamera, die mit einem speziellen Sonnenfilter ausgestattet ist, in Echtzeit.