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Sekundenbruchteile mit Folgen
Bei dem Unfall am Samstagmorgen verstarb ein Polizist noch an der 
Unfallstelle. Seine Kollegin kämpft weiter um ihr Leben.

Sekundenbruchteile mit Folgen

Foto: Pierre Matgé
Bei dem Unfall am Samstagmorgen verstarb ein Polizist noch an der 
Unfallstelle. Seine Kollegin kämpft weiter um ihr Leben.
Lokales 5 Min. 16.04.2018

Sekundenbruchteile mit Folgen

Steve REMESCH
Steve REMESCH
Der tragische Unfall am Samstagmorgen ist mehr als nur eine Verkettung unglücklicher Umstände. Doch von einer Verurteilung des mutmaßlichen Verantwortlichen ist die Justiz noch weit entfernt.

Es war nur ein Bruchteil eines Augenblicks, der in der Nacht zum Samstag entscheidend war, doch die dramatischen Folgen ziehen weite Kreise. Ein Mensch ist tot, ein zweiter ist noch immer in akuter Lebensgefahr und ein dritter sitzt in Untersuchungshaft.

Es ist aber auch ein Fall, in dem noch viele Fragen offen stehen. Das Leid, das er hervorgebracht hat, wird ohnehin unbegreiflich bleiben. Das, was nach dem Unfall passiert ist, gilt es erst zu erklären und zu verstehen. Es bleibt der Versuch einer Rekonstruktion.

Ein blauer Audi S5 flieht

Kurz vor 2 Uhr führt die Polizei eine größere Kontrolle auf der N7 in Weiswampach durch – eine Alkoholkontrolle im Umfeld einer Tanzveranstaltung. Aus der Ferne sehen die Polizisten einen Wagen, der wendet, und sich mit hoher Geschwindigkeit entfernt. Die Beamten sind sich sicher, der Fahrer versucht sich der Kontrolle zu entziehen. Es ist ein dunkelblauer Audi S5 Sportback.

Zwei Polizisten springen in einen Dienstwagen und nehmen die Verfolgung auf. Der flüchtende Wagen ist jedoch bereits nach wenigen Augenblicken aus dem Blickfeld verschwunden. Die Polizisten folgen der N7 in Richtung Heinerscheid. Es gilt den fliehenden Fahrer anzuhalten und zu kontrollieren. Wie immer in solchen Situationen ist nicht ersichtlich, warum er die Flucht ergriffen hat.

Inzwischen hat auch ein zweiter Dienstwagen die Verfolgung aufgenommen. Ein Polizeibus mit dem Vernehmen nach zwei Polizisten und drei Polizeischülern an Bord.

Skoda in Lausdorn gestoppt

Kurz vor der Kreuzung in Lausdorn nähern sich die beiden Polizisten im Streifenwagen einem vor ihnen fahrenden blauen Auto. Es ist nicht das Fluchtfahrzeug, aber die Beamten entscheiden sich, den Wagen trotzdem anzuhalten.

Sie wollen von den Insassen wissen, ob sie von einem Wagen überholt wurden und erhoffen sich möglicherweise auch mehr Informationen zum Fahrzeug. Der oder die Fahrerin verneint die Frage. Es scheint demnach klar, dass der geflohene Fahrer irgendwo auf der Strecke in einen Feldweg eingebogen ist.

Die genauen Umstände sind noch Gegenstand von Ermittlungen. Aber es scheint klar, dass der Fahrer des Streifenwagens dann ansetzt, den Einsatzwagen auf der Kreuzung in Lausdorn zu wenden, um in Richtung Weiswampach zurückzukehren. Genau in diesem Sekundenbruchteil braust der Polizeibus wie aus dem Nichts heran und erfasst den Streifenwagen mit voller Wucht.

Der Fahrer des Streifenwagens erliegt noch an der Unfallstelle seinen schweren Verletzungen. Das Leben der Beifahrerin, einer jungen Mutter von zwei kleinen Kindern, hängt auch drei Tage nach dem Unfall noch immer am seidenen Faden.  

Falscher Fahrer unter Verdacht

Am Samstag nimmt die Inspection générale de la police die Ermittlungen auf. Im Laufe des Nachmittags gibt es erste Hinweise auf den möglichen Flüchtigen aus der Nacht zuvor. Denn scheinbar gibt es nur wenige Audi, die genau der Beschreibung entsprechen und der Verdächtige lebt in unmittelbarer Nähe des Geschehens.



Bei dem Unfall nach einer Verfolgungsjagd kam ein Polizist ums Leben, eine Beamtin wurde schwer verletzt, drei weitere Polizisten leicht.
Polizist stirbt bei Verfolgungsjagd: Fluchtfahrer wegen fahrlässiger Tötung angeklagt
Am Samstag endete eine Verfolgungsjagd für einen Polizisten tödlich. Gegen den mutmaßlichen Fluchtfahrer wird nun unter anderem Anklage wegen fahrlässiger Tötung erhoben.

Zwei Beamte in Uniform suchen den Verdächtigen gegen 14 Uhr an seinem Arbeitsplatz in der Metzgerei eines örtlichen Einkaufszentrums auf. Er wird zum Ausgang begleitet, ihm wird erklärt, er sei der Hauptverdächtige im Zusammenhang mit dem tödlichen Unfall aus der Nacht, der inzwischen längst die Runde gemacht hat. Dann werden ihm Handschellen angelegt und die Rechte verlesen. „Ein Beamter sagt am Telefon, ,mir hunn en‘“, erzählt der Mann dem „Luxemburger Wort“.

Es folgt eine Hausdurchsuchung, ein Drogen- und ein Alkoholtest – alles negativ. Beamte der Kripo aus Diekirch machen Fotos des Wagens in der Garage. Der Verdächtige wird bearbeitet. „Gidd et zou, et ass Ären Auto, Dir wart et“, zitiert er die Ermittler. Er beschwört, er sei zu Hause gewesen.

Nach dem zweieinhalbstündigen Verhör telefoniert einer der Polizisten, sagt „Et geet net duer.“ Die Handschellen werden abgenommen, die Polizisten gehen.

Am Abend wird die Festnahme eines anderen Mannes bekannt. Ihm gehört der zweite Audi S5 Sportback in navarrablau im ganzen Norden des Landes. Dieser Mann wird am Sonntag beim Untersuchungsrichter gestehen, der Fluchtfahrer zu sein. Der Untersuchungsrichter beschuldigt ihn der fahrlässigen Tötung.



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