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Seiteneinstieg der besonderen Art: Vom Mikrofon an die Metzgertheke
Lokales 3 Min. 18.01.2015

Seiteneinstieg der besonderen Art: Vom Mikrofon an die Metzgertheke

Energiegeladen und resolut: Anne Kaiffer ist glücklich über ihre Entscheidung, den Familienbetrieb übernommen zu haben.

Seiteneinstieg der besonderen Art: Vom Mikrofon an die Metzgertheke

Energiegeladen und resolut: Anne Kaiffer ist glücklich über ihre Entscheidung, den Familienbetrieb übernommen zu haben.
Foto: Guy Jallay
Lokales 3 Min. 18.01.2015

Seiteneinstieg der besonderen Art: Vom Mikrofon an die Metzgertheke

Nach Studien in Frankreich, Belgien und Großbritannien war für Anne Kaiffer eine Karriere im Journalismus eigentlich vorgezeichnet. Doch der Ruf der familieneigenen Metzgerei in der Hauptstadt war stärker.

(rr) - Nach Studien in Frankreich, Belgien und Großbritannien war für Anne Kaiffer eine Karriere im Journalismus eigentlich vorgezeichnet. Ein Beruf, in dem sie nur wenige Jahre tätig war, denn der Ruf der familieneigenen Metzgerei war stärker.

Mit 16 Jahren wollte Anne Kaiffer eine Metzgerlehre machen, ihr Vater riet ihr, erst mal ihr Abitur zu machen. Seine Tochter sollte ein geregelteres Leben führen. Nach einigen Jahren im Journalismus steht die junge Frau nun mit 34 Jahren an der Spitze des Familienbetriebs und ist glücklich über ihre späte Entscheidung.

„Mit 16 wollte ich schon eine Metzgerlehre machen. Mein Vater überzeugte mich, einen Beruf zu erlernen, in dem ich geregelte Arbeitszeiten habe. Letzten Endes hat man diese aber auch im Journalismus nicht“, lacht Anne Kaiffer.

Schon als Studentin war sie für RTL tätig, stieg dann aber erst 2009 hauptberuflich bei dem Medienunternehmen auf Freelance-Basis ein. Hier war die Journalistin vornehmlich beim Radio aktiv, eine Arbeit, die ihr viel Spaß bereitete.

Das Meisterdiplom
 in der Tasche

Vor vier Jahren, als der Wunsch in der Lebensmittelbranche zu arbeiten sehr groß war, unterschrieb die sympathische junge Frau fast einen Mietvertrag für Räumlichkeiten, in denen sie ein Restaurant betreiben wollte. Schließlich wurde sie im Familienbetrieb aktiv. Das Metzger-Meisterdiplom hat sie seit Juli 2014 in der Tasche, seit dem 1. September 2014 leitet sie den Betrieb mit 14 Angestellten in der hauptstädtischen Grand-Rue.

Der Vater ist im Vorruhestand, greift seiner Tochter aber noch regelmäßig mit Rat und Tat unter die Arme, eine Hilfe, welche die Tochter gerne annimmt. Der Arbeitstag von Anne Kaiffer beginnt meist um 6 Uhr in der Früh und endet gegen 18.30 Uhr. Zunächst bestimmt die Chefin mit ihren Angestellten, was und wie viel produziert werden muss für diesen Tag. Um 8 Uhr öffnet der Metzgerladen seine Türen und dann sollen die Auslagen gefüllt sein. Nach einer kurzen Mittagspause fällt mittags meist administrative Arbeit an.

Die Chefin, die übrigens Fleisch lieber mag als Fisch, ist auch häufig im Verkaufsladen anzutreffen. „Es ist gut, wenn die Kunden sehen, dass der Chef präsent ist“, betont Anne Kaiffer, die jedes angebotene Produkt auch selbst herstellen kann. Und: „Der Kunde verlangt Qualität. Er will wissen, wo die Ware herkommt und er will bei einer Vertrauensperson einkaufen.“ „Ich bin gerne in der Produktion und gerne im Laden“, sagt die 34-Jährige. Nach eigenem Bekunden, kommt sie sehr gut mit ihren Angestellten aus, auch wenn die Situation anfangs schon speziell war: „Es war komisch, weil mich das Personal sonst duzte. Viele haben mich aufwachsen sehen und plötzlich bin ich ihr Chef.“ Probleme habe es keine gegeben, helfen tue ihr jeder.

Schon Pläne 
für den Traditionsbetrieb

Obwohl erst wenige Monate auf dem Chefposten, hat die junge Frau schon Pläne für die Zukunft des Familienbetriebs, der im Jahr 1910 von ihrem Urgroßvater in Wormeldingen gegründet wurde. Ihr Onkel eröffnete dann 1952 den Laden auf Nummer 77 in der hauptstädtischen Grand-Rue. Das Angebot ein Fertiggerichten soll erweitert, in die Produktionsmaschinen investiert und der Verkaufsladen umgestaltet werden.

Im Gespräch mit Anne Kaiffer wird eines schnell klar: Sie ist eine Macherin, quirlig und geradeheraus. Sie hat eine Meinung und hält damit nicht hinterm Berg. Bedauern tut sie, dass nicht genug junge Menschen ein Handwerk erlernen und dass das Handwerk
in Luxemburg nicht genug gefördert werde. Um Abhilfe zu schaffen, hat sie sich im Vorstand 
des Metzgermeisterverbandes engagiert. „Die Arbeit in einer Metzgerei ist heute nicht mehr so schwer wie früher. Dies hat damit zu tun, dass die Tiere nicht mehr in großen Teilen angeliefert werden.“

Nach getaner Arbeit entspannt Anne Kaiffer in ihrer Familie. Hauptperson ist zurzeit ihre 14 Monate alte Tochter. Dass die junge Frau ihre Entscheidung nicht bereut, das Mikrofon an den Nagel gehängt zu haben, sieht man ihr an, und sie fasst es auch in Worte: „Ich bin glücklich über meine Entscheidung.“