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„Security Service Schmitt“ auf der Anklagebank: Ruhe an der Zapfsäulendiskothek
Lokales 3 Min. 13.05.2015 Aus unserem online-Archiv

„Security Service Schmitt“ auf der Anklagebank: Ruhe an der Zapfsäulendiskothek

Grauzone „Evènementiel“? Laut Verteidigung beschränkt sich das Unternehmen lediglich auf Gästeempfang und Abschreckung. Demnach bietet es in Luxemburg keinen Objekt- oder Personenschutz an.

„Security Service Schmitt“ auf der Anklagebank: Ruhe an der Zapfsäulendiskothek

Grauzone „Evènementiel“? Laut Verteidigung beschränkt sich das Unternehmen lediglich auf Gästeempfang und Abschreckung. Demnach bietet es in Luxemburg keinen Objekt- oder Personenschutz an.
Foto: Julie Gatto
Lokales 3 Min. 13.05.2015 Aus unserem online-Archiv

„Security Service Schmitt“ auf der Anklagebank: Ruhe an der Zapfsäulendiskothek

„Security Service Schmitt“ macht keinen Objektschutz, keinen Personenschutz und greift auch bei Vorfällen selbst nicht ein. Die privaten Sicherheitsleute dienen nur zur Abschreckung. So die Anwälte der Firmenverantwortlichen am Dienstag in einem Strafprozess.

(str) - „Security Service Schmitt“ macht keinen Objektschutz, keinen Personenschutz und greift auch bei Vorfällen selbst nicht ein. Das erklärten die drei Anwälte der Firma und der Geschäftsführer am Dienstag vor dem Bezirksgericht Luxemburg. Es geht um die Frage, ob das Unternehmen in Luxemburg illegal Wachdienstaufgaben übernimmt – ein Tätigkeitsbereich, der strengen Auflagen unterliegt.

Im Prozess geht es um den Einsatz zweier „Schmitt“-Leute an einer Tankstelle in Leudelingen. Laut Staatsanwaltschaft haben die privaten Sicherheitsleute dort sowohl Objektschutz- als auch Personenschutzaufgaben übernommen. Das ist ein Problem, denn ein Wachdienst unterliegt in Luxemburg strengen Regeln: Unter anderem müssen die Betreiber ein Ehrenhaftigkeitszeugnis vorlegen und die Angestellten dürfen nicht vorbestraft sein.

Gestützt wird die Staatsanwaltschaft in diesem Strafverfahren durch die Aussagen des Tankstellenbetreibers. Dieser hatte die Sicherheitsfirma dazu verpflichtet, „für Ordnung zu sorgen“, Schlägereien zu unterbinden, „zu laute Kunden“ zurückzupfeifen und „darauf zu achten, dass nicht zu viel gestohlen wird“. Für die Staatsanwaltschaft handelt es sich bei diese Aufgaben ganz klar um Personen- und Objektschutz.

Kassiererinnen angepöbelt

Die Zusammenarbeit mit „Schmitt“ sei schließlich beendet worden, weil die Kassiererinnen mehr von den Sicherheitsleuten als von betrunkenen Kunden angepöbelt worden seien. Sie hätten Brötchen an der Theke gefuttert, während sich Diebe großzügig im Tankstellenshop bedienten. Außerdem störte sich der Tankstellenbetreiber daran, dass sich die Sicherheitsleute allzu sehr mit ihren Diskothekenbekanntschaften, sprich, den betrunkenen Kunden, verbrüdert hätten.

Die drei Verteidiger des Unternehmens sowie der Aufsichtsratsmitglieder sahen das am Dienstag anders. Die Tankstelle sei ein Veranstaltungsort, wie eine Diskothek auch. Außerdem gebe es einen großen Unterschied zwischen dem Auftrag an den Dienstleister und dem, was tatsächlich gemacht worden sei. Nur letzteres sei relevant. 

Tankstelle als Kulturveranstaltung

Die „Schmitt“-Leute seien nur zur Abschreckung da gewesen und hätten auch niemals bei Vorfällen eingegriffen. Das stehe ihnen ohnehin nicht zu. Das sei Aufgabe der Polizei. Außerdem sei die Grenze zwischen „Gardiennage“ (Wachschutz) und „Evènementiel“ (Veranstaltungsschutz) eine gesetzliche Grauzone. Die Staatsanwaltschaft ließ das nicht gelten.

Es stimme zwar wohl, dass der Veranstaltungsschutz nicht klar definiert sei. „Aber es kann nicht einfach als 'Evènementiel' bezeichnet werden, was der Gesetzgeber als 'Gardiennage' definiert hat“, so Substitut Marc Schiltz. Angeklagt sind übrigens neben dem Geschäftsführer Konstantin R. auch die beiden Trierer Bordellbetreiber Hermann S. und Wolfgang S. – Vater und Sohn, beide beigeordnete Verwaltungsratsmitglieder. Im Prozess geht es ausschließlich um den Fall der Tankstelle und darum, dass die Firma seit ihrer Gründung in Wasserbillig im Jahr 2011 keine Bilanzen eingereicht hatte. Eine Verurteilung könnte jedoch einen Schneeballeffekt auf viele andere Tätigkeiten der Firma haben. 

Die liebe Gesundheit

Interessantes Detail: Der Angeklagte Hermann S. war weder seiner Vorladung zur Polizei noch jener zur Gerichtsverhandlung nachgekommen. Am Dienstag entschuldigte ihn sein Sohn. Der Vater sei gerade im Krankenhaus, er werde wegen eines Augenleidens behandelt.

Der Vertreter der Staatsanwaltschaft hatte allerdings eine andere Erklärung: Hermann S. ist Freigänger. Er wurde vorzeitig aus der Haft entlassen und zu den Bewährungsauflagen gehört, dass er Deutschland nicht ohne Sondergenehmigung verlassen darf. Diese Erlaubnis würde ihm wohl sicher erteilt, meinte Marc Schiltz, aber die Tatsache, dass in Luxemburg ein Strafverfahren läuft, könne sich sehr wohl auf die Bewährung auswirken. Man werde aber Sorge tragen, dass diese Information an die deutschen Behörden weitergeleitet werde.

Unausgesprochen blieb, dass Hermann S. noch bis 2018 in Wittlich eine Haftstrafe wegen Steuerhinterziehung abzusitzen hat.

Das Urteil im Prozess um den Wachdienst an der Leudelinger Tankstelle ergeht am 28. Mai.


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