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Sechs Radargeschichten, die für Schlagzeilen sorgten
Lokales 4 Min. 16.09.2016 Aus unserem online-Archiv
Ein halbes Jahr mit den Blitzern

Sechs Radargeschichten, die für Schlagzeilen sorgten

Vandalismus, Fehlmessungen und ein falscher „Rekord“: Die Radare sorgten in den letzten Monaten für Schlagzeilen.
Ein halbes Jahr mit den Blitzern

Sechs Radargeschichten, die für Schlagzeilen sorgten

Vandalismus, Fehlmessungen und ein falscher „Rekord“: Die Radare sorgten in den letzten Monaten für Schlagzeilen.
Foto: Chris Karaba
Lokales 4 Min. 16.09.2016 Aus unserem online-Archiv
Ein halbes Jahr mit den Blitzern

Sechs Radargeschichten, die für Schlagzeilen sorgten

Diane LECORSAIS
Diane LECORSAIS
Seit genau sechs Monaten wird auf Luxemburgs Straßen geblitzt. Seitdem haben die Geräte immer wieder für Aufregung gesorgt – in der Politik sowie bei den (geblitzten) Fahrern. Wie viele es mittlerweile sind, darüber hüllen sich Ministerium und Polizei allerdings in Schweigen.

(DL) - Der 16. März dieses Jahres dürfte vielen Verkehrsteilnehmern in Erinnerung geblieben sein. Denn an jenem Mittwoch, um Punkt 9 Uhr, ging es los: Nach und nach wurden die ersten zehn fixen Radare auf Luxemburgs Straßen in Betrieb genommen. Die ernüchternde Bilanz nach nur 24 Stunden: 1 887 geblitzte Fahrer. Nach einem Monat waren es bereits über 40 000. Am 9. Mai wurden zehn weitere Geräte in Betrieb genommen. Auch sechs mobile Radare sind inzwischen im Einsatz.

Wie sieht die Bilanz nach sechs Monaten aus? Nun, Infrastrukturministerium und Polizei wollten partout keine Informationen über den jetzigen „Stand der Dinge“ preisgeben. Aktuelle Zahlen können wir unseren Lesern an dieser Stelle somit nicht liefern – dafür aber sechs Aufreger, die in diesen sechs Monaten für Schlagzeilen gesorgt haben.

Startschwierigkeiten auf der N3

Da ist der große Tag endlich da – und nichts passiert: Als am 16. März die ersten zehn Geräte in Betrieb genommen werden, will 
eines nicht so recht. Wie sich herausstellen sollte, ließ sich das Gerät am „Schlammesté“ nicht aus der Entfernung einschalten, sodass ein Techniker den Radar per Hand starten musste. Der Blitzer wurde mit einer leichten Verzögerung in Betrieb genommen.

Verwirrung in Gonderingen

Tag eins in Gonderingen. Ein Fahrer wird geblitzt. Als er den Strafzettel erhält und die darauf vermerkte Uhrzeit mit den Angaben seines GPS-Geräts vergleicht, stellt er fest: Zu dem Zeitpunkt, der auf dem Protokoll vermerkt ist, befand er sich sieben Kilometer von dem Radar entfernt. Auf eine 
diesbezügliche parlamentarische Anfrage der CSV-Abgeordneten Martine Hansen erklären die 
Minister François Bausch und 
Etienne Schneider später, dass es am besagten Vormittag tatsächlich eine Verschiebung von fünf Minuten gegeben habe – um Punkt 12.49 Uhr sei das Gerät jedoch richtig eingestellt worden.

Zehn Mal an einem Tag?

Es war eine Nachricht, die einschlug „wie der Blitz“: Sage und schreibe zehn Mal sei ein Fahrer an einem einzigen Tag geblitzt worden. Dies verkündete der Minister für Innere Sicherheit, Etienne Schneider, jedenfalls im April im Parlament. Nachdem der CSV-Abgeordnete Michel Wolter sich anschließend gleich zwei Mal in Form einer parlamentarischen Anfrage über diesen besonders krassen Fall erkundigt hatte, korrigierte der Minister: Es hätten zwar sehr wohl einige Fahrer es geschafft, bis Mitte April zehn Mal wegen Geschwindigkeitsüberschreitungen aufzufallen – der „Rekord“ habe aber „nur“ bei drei Mal geblitzt an einem Tag gelegen.

Last- oder Lieferwagen?

Last- oder Lieferwagen? Dies ist für den Blitzer offenbar nicht immer klar. Auf eine entsprechende parlamentarische Anfrage der DP-Abgeordneten André Bauler und Max Hahn antwortet Minister François Bausch, dass die Geräte technisch nicht in der Lage seien, sämtliche Fahrzeugkategorien voneinander zu unterscheiden. So könne es vorkommen, dass ein Lieferwagen wegen seines Aufbaus fälschlicherweise als Lastwagen identifiziert wird – die strikteren Geschwindigkeitsregeln unterliegen. Im Zweifelsfall würden die Bilder von den zuständigen Beamten überprüft. Erhält jemand zu Unrecht Post von der Polizei, so könne er mittels seiner „Carte grise“ die Fahrzeugkategorie nachweisen – und der Strafzettel wird annulliert.

Böller vs. Blitzer

In der Nacht zum 14. August kommt es bei Lipperscheid zu einem Zwischenfall. Unbekannte setzen Böller ein, um den Blitzer auf der N7 „außer Gefecht“ zu setzen. Mit nur mäßigem Erfolg: Das Gerät wurde nach Angaben der Polizei nur leicht beschädigt und konnte weiter blitzen. Es ist nicht das erste Mal, dass eines der neuen Radargeräte mutwillig zerstört wird: Bereits im Januar hatten Unbekannte ein Gerät in Beckerich beschädigt.

Die Sache mit der Toleranz

Der Toleranzwert bei den Radargeräten liegt bei drei Prozent – zu niedrig, beklagten von Anfang an diverse Kritiker. Einer von ihnen forderte daher in einer öffentlichen Petition, dass der Wert erhöht wird – auf ganze zehn Prozent. Vom 6. Mai bis zum 18. Juni konnten Gleichgesinnte die Petition unterzeichnen. Deren scheint es letztendlich aber doch nicht so viele zu geben: Nur 680 Personen unterzeichneten das Schriftstück – die Mindestzahl von 4 500 Unterschriften wurde also bei weitem nicht erreicht.


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In knapp einem Monat wurden bereits 40.000 Fahrer mit überhöhter Geschwindigkeit geblitzt.