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Sechs Freunde schnappen Einbrecher
Lokales 4 Min. 02.01.2019 Aus unserem online-Archiv

Sechs Freunde schnappen Einbrecher

Der Einbrecher hatte auf der Rückseite ein Fenster der Veranda eingeschlagen. Die Bewohner haben die Öffnung kurzfristig mit einer Holzplatte verschlossen.

Sechs Freunde schnappen Einbrecher

Der Einbrecher hatte auf der Rückseite ein Fenster der Veranda eingeschlagen. Die Bewohner haben die Öffnung kurzfristig mit einer Holzplatte verschlossen.
Foto: Privat
Lokales 4 Min. 02.01.2019 Aus unserem online-Archiv

Sechs Freunde schnappen Einbrecher

Gilles SIEBENALER
Gilles SIEBENALER
Der Start ins neue Jahr hat für eine junge Familie aus Ellingen eine böse Überraschung parat. Als die ersten Silvesterraketen aufsteigen, macht sich ein Einbrecher an ihrem Haus zu schaffen. Es ist eine Begegnung, auf die sie gerne verzichtet hätten. Der Einbrecher aber wohl auch.

31. Dezember 2018, kurz nach 23.30 Uhr. In Luxemburg wird Silvester gefeiert. Auch in Elvingen, im Südosten des Landes. Dort sitzt, wie jedes Jahr, eine Gruppe Freunde beisammen. Die Stimmung ist gut, man kennt sich von Kindesbeinen an.

Das Essen hat gemundet, auch die Getränke schmecken und so langsam macht man sich bereit, um gemeinsam auf das neue Jahr anzustoßen. Auf einmal aber klingelt das Telefon von David Bollendorff, einem der Gäste – und der Abend nimmt eine unvorhergesehene Wendung.

Am anderen Ende der Leitung ist nämlich sein Nachbar mit einer unerfreulichen Nachricht: An Davids Haus im nahe gelegenen Ellingen mache sich offenbar ein Einbrecher zu schaffen. Die Lebensgefährtin des Nachbarn habe beim Gassigehen mit dem Hund Geräusche gehört und einen Schatten im Garten gesehen.

„Er kommt!“

Binnen Sekunden kippt die Stimmung bei der Silvestergesellschaft. David springt vom Stuhl auf, eilt nach draußen zu seinem Auto und macht sich damit auf den Weg nach Ellingen. Er ist nicht allein. Fünf Freunde begleiten ihn. In zwei Fahrzeugen geht es recht zügig zum Nachbarort.

Dort angekommen, parkt die Gruppe die Autos und geht Richtung Haus. Während die einen hinten herum durch den Garten schleichen, nähern sich David und ein Kumpel von vorn. Der 36-Jährige will gerade durch die Garage sein Haus betreten, als jemand ruft: „Er kommt!“

Dann geht alles ganz schnell. Vom Garten hinter dem Haus spurtet eine dunkle Gestalt durch eine schmale Passage nach vorn und läuft auf die Straße vor dem Haus. Mit einigen schnellen Schritten gelingt es David, zu dem Mann aufzuschließen und ihn zu Fall zu bringen. Er stürzt in eine Wiese auf der gegenüberliegenden Straßenseite.

Dort findet seine Flucht ein jähes Ende. Der Mann ist umzingelt. Die Freunde halten ihn fest. Einer zieht seinen Gürtel von der Hose und fesselt ihn an den Beinen. Ein anderer ruft die Polizei.


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Die staunt nicht schlecht, als sie vor Ort eintrifft und den gefesselten Einbrecher sieht. Dieser, ein Mann Anfang 30, zeigt wenig Gegenwehr, bittet nur immer wieder auf Französisch um Entschuldigung und erklärt, er habe Hunger gehabt. Die Beamten nehmen den Rumänen fest. Im Haus nimmt die Spurensicherung ihre Arbeit auf. Die Ermittler machen sich ein Bild des Tatorts.

Der Fremde im Vertrauten

Wie die Nachbarin richtig beobachtet hatte, war der Täter durch den Garten auf das Grundstück vorgedrungen. Sein Auto hatte er einige Meter weiter am Rand eines Bauernhofs abgestellt.

An der Rückseite des Hauses hatte er wohl zunächst versucht, ein Fenster an der Veranda auszuhebeln. Da ihm dies aber offenbar nicht gelang, schlug er die Scheibe ein. Eine für ihn glückliche Fügung, blieb doch so – anders als beim Aufhebeln des Fensters – die Alarmanlage stumm.

Bevor er die Scheibe zertrümmerte, muss der Täter versucht haben, das Fenster aufzuhebeln, was ihm aber misslang.
Bevor er die Scheibe zertrümmerte, muss der Täter versucht haben, das Fenster aufzuhebeln, was ihm aber misslang.
Foto: Privat

Im Innern durchwühlte er das Erdgeschoss. Im Wohnzimmer räumte er unter anderem den Schrank mit den Spirituosen aus, in der Küche leerte er den Kühlschrank und zerlegte die Kaffeemaschine in Einzelteile.

Was er sonst fand – Fotoapparat, externe Festplatte, Geldmünzen – packte er in eine Mülleimertüte. Eine vollgestopfte Tüte entdeckte die Polizei später im hinteren Teil des Gartens. Zum Glück für die Bewohner beschränkte sich der Täter auf die Suche nach Diebesgut, mutwillig zerstört hat er im Haus offensichtlich nichts. Dennoch hinterlässt der Vorfall Spuren.


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„Dein Zuhause fühlt sich nicht mehr wie zu Hause an“, beschreibt es Davids Lebensgefährtin Tania Scharpantgen. Immerhin sei da ein Fremder gewesen, sei überall hingetreten, habe alles angefasst.

Glücklicherweise sei der Täter aber nicht bis ins Obergeschoss vorgedrungen, ins Schlafzimmer und das Zimmer des kleinen Sohnes. Das Erdgeschoss hat Tania bereits einmal gründlich geputzt. Sie wird es ein weiteres Mal tun. Vielleicht auch noch mehrere Male.

Wut, aber auch Dankbarkeit

Man spürt die Hilflosigkeit, die ein solcher Eingriff in die Privatsphäre bei den Betroffenen hervorruft. Sie stellen sich Fragen, was sie hätten anders machen können, wie sie den Einbruch hätten verhindern können. Und man spürt die Wut. Die Wut darüber, wie jemand einfach so, ohne Skrupel, in das Heim einer jungen Familie eindringen kann.


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Der Vorfall wird auch Tania und David wohl noch lange beschäftigen. Doch sie geben sich kämpferisch, wollen sich nicht zu Hause einigeln: „Das ist und bleibt unser Heim, wir sperren uns hier jetzt nicht ein“, betont der 36-jährige Eisenbahner.

Auch wollen die jungen Eltern versuchen, vor allem das Positive an der ganzen Geschichte zu sehen. Sie sind dankbar, dass sie den Täter gefasst haben – wer kann das schon von sich behaupten – und sie noch ihre persönlichen Habseligkeiten haben.

Vor allem aber sind sie dankbar, Nachbarn und Freunde zu haben, auf die sie sich im Notfall verlassen können.


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