Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Schwanger in Pandemie-Zeiten
Lokales 4 Min. 24.03.2020

Schwanger in Pandemie-Zeiten

Bisher wurden keinerlei Probleme bei Corona-Infektionen während der Schwangerschaft festgestellt.

Schwanger in Pandemie-Zeiten

Bisher wurden keinerlei Probleme bei Corona-Infektionen während der Schwangerschaft festgestellt.
dpa
Lokales 4 Min. 24.03.2020

Schwanger in Pandemie-Zeiten

Jacques GANSER
Jacques GANSER
Viele werdende Mütter sind in Zeiten der Corona-Pandemie besorgt. Die Stationen haben sich zwar umorganisiert, eine direkte Gefahr für das Neugeborene stellt das Virus aber nicht dar.

Eine aufregende Zeit ist eine Schwangerschaft ohnehin, kommt dann noch ein sanitäres Krisenszenario wie die Corona-Pandemie hinzu, steigt natürlich der Besorgnisgrad der werdenden Mütter. So auch bei Aline R., die wir vor wenigen Tagen sprachen und die zu dem Zeitpunkt kurz vor dem Geburtstermin ihres ersten Kindes stand. "Es ist sicherlich eine zusätzliche Belastung, aber grundsätzlich bin ich zuversichtlich. Das einzige, das ein bisschen auf die Moral drückt, ist der Umstand, dass der Vater bei der Geburt eventuell nicht dabei sein kann. Doch da schauen wir von Tag zu Tag, wie sich die Situation entwickelt." Doch welche speziellen Maßnahmen wurden jetzt in den Geburtskliniken getroffen, um alle Risiken von den Betroffenen fernzuhalten?

Stationen umorganisiert 

Laut Dr. Pit Duschinger, Präsident der "Société luxembourgeoise de gynécologie-obstétrique" (SLGO) und Gynäkologe im Centre hospitalier du Nord CHdN hätten sich die vier Geburtskliniken in Luxemburg in der Maternité Grande-Duchesse Charlotte, in der Clinique Bohler, im Escher CHEM und im CHdN die gleichen Standards gesetzt: "Wir haben die Geburtsstationen so umorganisiert, dass eine Trennung zwischen Corona-Infizierten schwangeren Frauen und den Nicht-Infizierten erfolgen kann. Aber jede schwangere Frau kann ganz normal die Geburtskliniken besuchen, der Empfang ist der gleiche wie vor vier Monaten. Verdächtige Patienten oder solche, die bereits positiv auf Covid-19 getestet wurden, werden sofort in den Teil geschleust, der für sie vorgesehen ist."


Lokales,Armee errichtet Unterkünfte in Strassen. hier: CHL Strassen.Foto: Gerry Huberty/Luxemburger Wort
Armee errichtet provisorisches Krankenhaus neben dem CHL
Das provisorische Krankenhaus in Strassen, direkt neben dem CHL, soll über 100 Betten verfügen und mit Beatmungsgeräten ausgestattet werden.

Laut Duschinger gilt dies auch für die Station, auf denen Mutter und Kind im Anschluss an die Geburt betreut werden. Wie der Gynäkologe weiter erklärt, bestehen zurzeit nur ein paar kleine Unterschiede in der Handhabung, die allerdings emotional von Bedeutung sein können: In der Clinique Bohler in Kirchberg sind Besuche der Väter nach der Geburt später auf der Station nicht zugelassen. "Wir hier im CHdN lassen die Väter in den Kreißsaal, aber nicht in den Operationssaal im Falle eines Kaiserschnittes. Wir gestatten auch später Besuch, allerdings nur von den Vätern. Onkel, Tanten und Großväter sind tabu.“  

Dr. Laurent Juncker, Directeur médical du Pôle femme, mère, enfant des Hôpitaux Robert Schuman bestätigt diese Aussage. "Wir lassen die Väter während der Geburt in den Kreißsaal, aber um die Infektionsgefahr im Krankenhaus auf ein Minimum zu reduzieren sind jegliche Besuche danach nicht mehr möglich."  Eine Praxis, die übrigens in Zwischenzeit auch im Escher CHEM angewendet. Wie die dortige Stationsleiterin Virginie Otto bestätigt, sind Väter bei der Geburt zugelassen. Besuche auf der Station waren bis vor kurzem noch zugelassen, sind jetzt allerdings angesichts der sich weiter entwickelnden Lage tabu. Am besten sollte man sich bei seinem Gynäkologen darüber informieren, welche Regel aktuell in welchem Krankenhaus angewendet wird. 

Keine speziellen Risiken

Spezielle Risiken für das Kind bestehen bei einer Corona-Infektion der schwangeren Mutter nicht. "Die Statistiken sind da bis zu diesem Zeitpunkt glasklar, So Dr. Pit Duschinger. "Es gibt keinen Grund eine infizierte Schwangere oder den Fötus als Risikopatienten einzustufen. Seltsamerweise sind die Infektionsverläufe bei Schwangeren sogar weniger aggressiv als bei anderen Frauen. Wir wissen aber nicht warum. Zudem ist nur ein einziger Fall aus China bekannt, bei dem ein Neugeborenes positiv war. Wir gehen aber davon aus, dass es während der Geburt infiziert wurde. Die Gebärmutter scheint also als Barriere zu funktionieren."

Dies bestätigt auch Dr. Didier Van Wymersch, medizinischer Direktor der Maternité des Centre hospitalier de Luxembourg CHL. "Wir haben uns in dem Sinne vorbereitet, dass sämtliche nicht dringenden Untersuchungen und Termine verlegt wurden. Zudem haben wir die Station komplett in einen Bereich für Corona-Patienten und einen für die restlichen Patienten aufgeteilt. Dies gilt auch für die Kreißsäle. Des Weiteren haben wir die Anzahl der permanent anwesenden diensthabenden Gynäkologen auf zwei verdoppelt. Es stehen zwei weitere Gynäkologen auf Abruf bereit. Durch die Doppelung wird verhindert, dass ein Arzt, der mit einer infizierten Frau in Kontakt war, später andere Patienten behandelt."

In der Maternité sind Väter übrigens weiterhin bei der Geburt und beim Besuch auf der Station zugelassen. Aber nur die Väter dürfen dabei sein. Und auch das kann sich, je nach Entwicklung der Lage, noch ändern. Laut Van Wymersch habe man bisher noch keinen Fall einer infizierten Schwangeren beobachtet, angesichts der Zunahme der Fälle dürfte dies aber früher oder später eintreffen. Auch Van Wymersch ist formell: "Das Corona-Virus stellt kein Problem für den Fötus dar. Er verursacht keine Fehlbildungen, keinen Kindstod im Bauch der Mutter, keine Hirnblutungen oder andere Hirnschädigungen. Auch das Stillen ist, bisher jedenfalls, unbedenklich."

Gerüchte aus der Welt schaffen

Laut dem Gynäkologen lasse man im Prinzip das Neugeborene einer infizierten Frau bei der Mutter, allerdings müsse man enorm aufpassen, dass sie das Kind nicht infiziert. Die einzige wirkliche Problematik entsteht, wenn die Schwangere wegen der Infektion eine Lungenentzündung entwickelt und Atemprobleme bekommt. "Wegen des Bauchumfanges wir es dann etwas schwieriger, die Lunge mit Sauerstoff zu versorgen", so Van Wymersch. "Auch im Falle von Fieber sollte die Betroffene unbedingt Paracetamol einnehmen, um die Körpertemperatur zu senken und ihr Kind zu schützen. Und vor allem sollte man dabei das Gerücht, dass Paracetamol Autismus verursacht, unbedingt aus der Welt schaffen. Das stimmt einfach nicht."

Mittlerweile hat Aline R. es übrigens geschafft. Um 2 Uhr in der Nacht vom Sonntag auf Montag brachte sie im Escher CHEM einen gesunden Jungen zur Welt. Der Vater durfte bei der Geburt dabei sein. 

Folgen Sie uns auf Facebook und Twitter und abonnieren Sie unseren Newsletter.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Lenert: "Die Situation ist stabil"
798 Infizierte und keine weiteren Verstorbenen - Gesundheitsministerin Paulette Lenert konnte am Sonntag positive Nachrichten überbringen. Die Vorbereitungen laufen weiter auf Hochtouren.
Armee errichtet Unterkünfte in Strassen, CHL, Foto: Lex Kleren/Luxemburger Wort
Lust auf noch mehr Wort?
Lust auf noch mehr Wort?
7 Tage gratis testen
E-Mail-Adresse eingeben und alle Inhalte auf wort.lu lesen.
Fast fertig...
Um die Anmeldung abzuschließen, klicken Sie bitte auf den Link in der E-Mail, die wir Ihnen gerade gesendet haben.