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Schutz vor Infektion: HIV-Schnelltests und Prophylaxe könnten bald erstattet werden
Lokales 09.01.2017

Schutz vor Infektion: HIV-Schnelltests und Prophylaxe könnten bald erstattet werden

Das prophylaktische antiretrovirale Medikament Truvada ist seit August 2016 auch in Europa zugelassen.

Schutz vor Infektion: HIV-Schnelltests und Prophylaxe könnten bald erstattet werden

Das prophylaktische antiretrovirale Medikament Truvada ist seit August 2016 auch in Europa zugelassen.
Foto: AP/LW-Archiv
Lokales 09.01.2017

Schutz vor Infektion: HIV-Schnelltests und Prophylaxe könnten bald erstattet werden

Michel THIEL
Michel THIEL
Das Gesundheitsministerium will eine Kosten-Nutzen-Analyse durchführen, um die Machbarkeit einer vorsorglichen Behandlung gegen HIV-Infektionen zu ermitteln.

(mth) - Schnelltests für HIV, die von Privatpersonen selbst durchgeführt werden können sowie die so genannte Präexpositionsprophylaxe (Prep) könnten bald von der Gesundheitskasse erstattet werden, wie der Antwort von Gesundheitsministerin Lydia Mutsch auf eine parlamentarische Anfrage der DP-Fraktion zu entnehmen ist.

Demnach stellt die Gesundheitsverwaltung derzeit ein Pilotprojekt auf die Beine, in dessen Rahmen die Machbarkeit sowie der Kostenpunkt einer solchen Maßnahme ermittelt werden sollen. Dank einer Prep-Therapie können sich HIV-negative Personen durch die Einnahme antiretroviraler Medikamente präventiv gegen eine Infektion mit dem HIV-Virus schützen.

Schützende Pille seit kurzem in Europa zugelassen

Erste Wirkstoffe, die bei regelmäßiger Einnahme einen 50 bis 90-prozentigen Schutz vor einer Ansteckung mit HIV gewährleisten können, sind seit 2014 in den USA auf dem Markt. Seit dem 22. August 2016 ist das Prep-Medikament Truvada auch in der EU zugelassen. Die Kosten für eine Behandlung sind allerdings noch sehr hoch: 30 Tabletten kosten über 800 Euro. Eine Prophylaxe gilt allerdings bei Personen mit HIV-infizierten Sexualpartnern oder Mitgliedern von Risikogruppen als sinnvoll und wirksam.

Auch HIV-Schnelltests, die bequem und schnell von medizinischen Laien selbst durchgeführt werden können, könnten bald in Luxemburg frei erhältlich sein – so wie es bereits in Belgien, Frankreich oder Italien der Fall ist. In Luxemburg bieten bereits verschiedene Stellen kostenlose HIV-Tests mit Blutentnahme an, darunter mehrere Krankenhäuser, das nationale Gesundheitslaboratorium, die HIV-Beratungsstelle des Roten Kreuzes, sowie der mobile Beratungsdienst „Dimps“.

Von Privatpersonen schnell durchführbare Tests gelten bei richtiger Anwendung als zuverlässig und senken laut Studien die Hemmschwelle vor einem Test. Gemäß einer Schätzung des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) gibt es derzeit unter den 810 000 HIV-infizierten Personen in Europa 122 000, die nicht wissen, dass sie den Virus in sich tragen – ein Umstand, der lebensgefährlich sein kann, da HIV-Infizierte heutzutage gut behandelt werden können, falls sie rechtzeitig medizinisch betreut werden. HIV-Schnelltests können also unter Umständen Leben retten. In Luxemburg wurden 2016 93 Neuinfektionen mit HIV festgestellt.


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