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Schule: Zwangspause ist kein Urlaub
Lokales 4 Min. 21.03.2020

Schule: Zwangspause ist kein Urlaub

Informatiklehrer Marc Ludwig hat seinen Unterricht bestmöglich über das Internet organisiert. Er kann seine Schüler, sofern diese das wollen, sehen und ihnen Dokumente zeigen sowie Aufgaben zukommen lassen.

Schule: Zwangspause ist kein Urlaub

Informatiklehrer Marc Ludwig hat seinen Unterricht bestmöglich über das Internet organisiert. Er kann seine Schüler, sofern diese das wollen, sehen und ihnen Dokumente zeigen sowie Aufgaben zukommen lassen.
Foto: Privat
Lokales 4 Min. 21.03.2020

Schule: Zwangspause ist kein Urlaub

Diana HOFFMANN
Diana HOFFMANN
Wie die Lehrer aus dem Lycée Guillaume Kroll in Esch/Alzette den Heimunterricht bislang bewerten.

Seit Montag sind die Schulgebäude wegen der Ansteckungsgefahr mit dem Corona-Virus geschlossen. Nur sehr kurz hatte das Lehrpersonal Zeit, sich auf die neue Situation einzustellen. Landesweit versuchen jetzt die Lehrer, das Beste daraus zu machen. So auch die des Lycée Guillaume Kroll in Esch. Schließlich soll aus der Zwangspause kein Urlaub werden.

Bereits am letzten Tag vor der Schließung wurde sich in der Schule, in der 1 800 Schüler von 216 Lehrern betreut werden, so gut es ging vorbereitet. „Ich habe mit meiner Klasse getestet, ob die verwendeten Tools bei jedem funktionieren“, erklärt Informatiklehrer Marc Ludwig. Darüber hinaus hat die Schule einen Fragebogen herausgegeben, bei dem erfragt wurde, wer über einen Computer oder ein Tablet mit Internet verfügt. 140 Schüler gaben jedoch an, nicht über einen Computer oder ein Tablet zu verfügen.

„Viele Schüler gehören den iPad-Klassen an und bekommen so ein Tablet von der Schule gestellt. Diejenigen, die ein Fachdiplom absolvieren, haben oft einen Computer ihres Arbeitgebers“, unterstreicht Ludwig. Die Schüler ohne Computer zu erreichen, sei aber schwierig.

Bislang seien die Schüler des Lycée Guillaume Kroll motiviert gewesen, sagen die Lehrer.
Bislang seien die Schüler des Lycée Guillaume Kroll motiviert gewesen, sagen die Lehrer.
Foto: Privat

Die iPad-Klassen als Segen 

Derweil organisiert sich beim Lehrpersonal jeder ein bisschen auf seine Weise. „Ich nutze für meinen Unterricht ein Tool, bei dem ich eine Art Videokonferenz abhalte. So kann ich die Schüler sehen und sie mich. Darüber hinaus kann ich ihnen aber auch Dokumente einblenden“, erklärt Marc Ludwig. Auch greife er auf erklärende YouTube-Videos zurück, die sich die Schüler zur Wiederholung des Stoffes anschauen können. 

Andere Kollegen nutzen andere Methoden. Besonders die Lehrer, die eine sogenannte iPad-Klasse haben, wie etwa eine Englischlehrerin. Sie nutzt eine Applikation für Tablets, bei der sie sehen kann, ob die Schüler ihre Aufgaben machen und wo sie Fehler machen. Auch Tests in Multiple-Choice-Manier können über Applikationen gemacht werden, sowie kleine Spiele, bei denen es darum geht, durch richtige Antworten Punkte zu sammeln. Ein anderer Lehrer, der Elektrotechnik unterrichtet, hat dagegen selbst zehnminütige Videos aufgenommen und veröffentlicht diese für seine Schüler auf YouTube. 

Sehr gute Disziplin der Schüler


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Aber auch mit der Nationalbibliothek arbeitet das Lycée Guillaume Kroll zusammen. Sie stellt digitales Material zur Verfügung, von Online-Büchern über Filme bis hin zu Videokursen. „Jeder Lehrer ist gezwungen, einen Weg zu finden und macht das auch“, unterstreicht Marc Ludwig. Dies sei sehr positiv zu bewerten. Aber auch die Disziplin seiner Schüler sei belobigend hervorzuheben.

Am Dienstag unterrichtete er in insgesamt sieben Stunden drei Klassen von seinem Büro zu Hause aus. Seine größte Klasse besteht aus 18 Schülern, die um die 20 Jahre alt sind. „Die Schüler konnten ihre Fragen stellen oder sie mir per Chat zuschicken. Darüber hinaus konnte ich ihnen praktische Aufgaben geben, die sie lösen mussten“, betont der Informatiklehrer.

Seine Erkenntnis nach dem ersten Unterricht aus der Distanz: „Mit der richtigen Ausrüstung ist es möglich.“ Der Aufwand, um die Kurse vorzubereiten, sei jedoch größer, da immer überlegt werden muss, welches Tool man am besten zum Stellen der Aufgaben nutzt. Und auch den Kurs zu halten, sei anstrengender, da man nicht mit jedem Schüler visuellen Kontakt hat. So sei nicht zu erkennen, ob noch Fragen offenstehen oder es Probleme gibt. Auch wenn ein Schüler sich mal aus der Unterhaltung „ausklinke“, ist bei einer hohen Anzahl von Kursteilnehmern nicht unbedingt zu erkennen.

Schüler könnten überfordert sein 

Weitere Nachteile, die die Lehrer bislang beim Unterricht zu Hause ermitteln konnten, sind, dass manche Schüler aufgrund der Nutzung der vielen verschiedenen Tools überfordert sein könnten. Falls ein Schüler nicht an dem Unterricht teilnehme, sei auch eine direkte Handhabe schwierig. In solchen Fällen nimmt die Direktion per Telefon oder SMS Kontakt mit den Eltern auf. 

Der Unterricht auf Distanz stellt für alle eine Umstellung dar, auch für die Lehrer. Für jene, die selbst Kinder haben, ist es eine Doppelbelastung.
Der Unterricht auf Distanz stellt für alle eine Umstellung dar, auch für die Lehrer. Für jene, die selbst Kinder haben, ist es eine Doppelbelastung.
Foto: Privat

Darüber hinaus ergeben sich für die Lehrer aber noch ganz andere Probleme. Etwa für die Mathematiklehrerin Marie Degée. Da sie selbst zwei Kinder hat, muss sie nicht nur ihren Unterricht von zu Hause aus vorbereiten und abhalten, sondern auch für ihre Sprösslinge sorgen.

Auf die Dauer wird es nun ankommen

Um die Mitarbeiter des Lycée Guillaume Kroll bestmöglich zu unterstützen, wurde ein Helpdesk für sie eingerichtet. Dies, falls sie Probleme mit ihrem Computer haben. Trotz scheinbar bester Absichten: Der Heimunterricht hat Grenzen. „Neuen Stoff aufzuarbeiten, dauert über diesen Weg länger“, meint Marc Ludwig. „Die Schüler riskieren, einen unterschiedlichen Wissensstand zu haben, da die einen zu Hause unterstützt werden können und die anderen nicht.“ Wie gut alles funktioniert, hängt also auch von der Zusammenarbeit mit den Eltern ab.


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Ein weiterer großer Nachteil ist, dass die praktischen Kurse der Schüler, die ein Fachdiplom anstreben, nicht stattfinden können. Das größte Problem wird am Ende die Dauer sein. Die Lehrer befürchten, dass sie das nötige Pensum mit ihren Schülern nicht bis zum Ende des Schuljahres schaffen. Die Schließung der Schulen wird mindestens bis nach den Osterferien dauern. Somit werden die kommenden Tage und Wochen sowohl für die Schüler als auch für die Lehrer eine Herausforderung bleiben. 

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