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Schüler stellen Fragen an Holocaust-Überlebende
Lokales 15 2 Min. 19.10.2019

Schüler stellen Fragen an Holocaust-Überlebende

Zeitzeugin Ginette Kolinka erzählt vor den Schülern des Lycée Michel-Lucius und des Lycée de garçons von ihren Erlebnissen während der Zeit des Nationalsozialismus.

Schüler stellen Fragen an Holocaust-Überlebende

Zeitzeugin Ginette Kolinka erzählt vor den Schülern des Lycée Michel-Lucius und des Lycée de garçons von ihren Erlebnissen während der Zeit des Nationalsozialismus.
Foto: Anouk Antony
Lokales 15 2 Min. 19.10.2019

Schüler stellen Fragen an Holocaust-Überlebende

Jeff WILTZIUS
Jeff WILTZIUS
Sie überlebte 1944-1945 das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau. Ginette Kolinka berichtet Schülern aus dem Lycée Michel-Lucius und dem Lycée de garçons aus der Zeit des Nationalsozialismus.

Wie man es schafft, unter diesen tragischen Umständen stark zu bleiben, fragt Virginie (17) die Holocaust-Überlebende Ginette Kolinka. „Ich war wie ein Roboter im eigenen Körper, eine leere Hülle – und hatte Glück“, antwortet die Zeitzeugin. 

Es ist eine Lernstunde der ungeschönten Art im Lycée Michel-Lucius. 

Ginette Kolinka (94) erzählt dem jungen Publikum von ihren Erlebnissen im Konzentrationslager (KZ) Auschwitz-Birkenau. Ruhig, konzentriert und mit geschlossenen Augen spricht Sie von der Nazi-Vergangenheit in Frankreich. Sie berichtet von ihrer Inhaftierung, der Verschleppung ihrer Familie und dem Tod des Vaters und Bruders in der Gaskammer. 

Die 190 Schüler des Cycle supérieur hören den Schilderungen gebannt zu. 

Mit Fotos bebilderte Ginette Kolinka ihre Erzählungen.
Mit Fotos bebilderte Ginette Kolinka ihre Erzählungen.
Foto: Anouk Antony

Wie Ginette Kolinka diese Erlebnisse verarbeitet hat, fragt Lea (17), und ob das Sprechen darüber helfe, fügt Nelly (16) hinzu. Die unverblümte Antwort der ehemaligen KZ-Insassin: „Warum hätte ich es meiner Familie oder Freunden erzählen sollen? Wie sollte ich darüber sprechen, über die Torturen, den Tod.“ 

Ihre persönliche Geschichte erzähle sie nur bei Vorträgen oder offiziellen Anlässen: „Ich hoffe, ihr glaubt mir.“ 

Erschreckende Einblicke 

„Das KZ Auschwitz-Birkenau ist heutzutage reine Dekoration“, kritisiert Ginette Kolinka. „Dort, wo heute perfekt geschnittener Rasen die renovierten Hütten umgibt, gab es damals nur knöchelhohen Schlamm.“ 

Ihre Erinnerungen seien geprägt von üblem Gestank, den baufälligen, zugigen Baracken und der permanenten Todesangst. Der Gedanke an die Sanitäranlagen beschämt sie noch heute. „Stellen Sie sich vor, ein langer Holzbalken mit Löchern, Hintern an Hintern sitzend.“ Doch es wäre wichtig, diese Orte des Antisemitismus und des Menschenhasses zu besuchen, fügt sie hinzu. 

Die Schüler reagieren betroffen auf die Schilderungen. „Es ist schwer, sich vorzustellen, dass dies nicht mal 100 Jahre her ist“, so David (17). „Und, dass die Menschen nichts daraus gelernt haben. Wir wollen nicht, dass so etwas noch einmal passiert“, fügt Tessy (16) hinzu. 

Die Zeit mit Ginette Kolinka sei zu schnell vorbei gewesen, so die Studenten einer 3e. 

Tragische Lebensgeschichte 

Geboren 1925, verbrachte Ginette Kolinka ihre Kindheit bei Paris. Die jüdische Familie wurde 1944 denunziert. Nach der Inhaftierung im berüchtigten Sammellager Drancy brachte sie ein Zug nach Auschwitz-Birkenau. 


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Bei der Ankunft wurden Kolinkas Vater und Bruder vergast; die damals 19-Jährige kam ins Frauenlager. 

Die Befreiung kam im Mai 1945. Alliierte Soldaten brachten die junge Frau nach Lyon, bevor sie im Juni 1945 nach Paris reiste, um ihre Angehörigen zu treffen. Ihre Mutter und Schwestern überlebten ebenfalls den Holocaust.

Lange Zeit der Scham

Vierzig Jahren lang betrieben Ginette Kolinka und ihr Ehemann ein kleines Wirk- und Strickwarengeschäft auf dem Markt von Aubervilliers. Lange Zeit blieb das Thema Holocaust Tabu – aus Scham.

Anfang der 2000er Jahre schloss sie sich jedoch als Witwe einem Verein von ehemaligen Deportierten an. Seither erzählt sie Schülern und Studenten ihre Erinnerung an den Holocaust.

Eine weitere Etappe in Luxemburg war ebenfalls ein Besuch im Lycée des garçons in Luxemburg, wo ebenfalls zahlreiche Schüler anwesend waren.

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