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Schüler gegen Ausweisung
Lokales 2 Min. 03.08.2017 Aus unserem online-Archiv
Familie aus Albanien

Schüler gegen Ausweisung

Viele Schüler und Lehrer des LGE wollen die drohende Ausweisung nicht einfach so hinnehmen.
Familie aus Albanien

Schüler gegen Ausweisung

Viele Schüler und Lehrer des LGE wollen die drohende Ausweisung nicht einfach so hinnehmen.
Foto: Lex Kleren
Lokales 2 Min. 03.08.2017 Aus unserem online-Archiv
Familie aus Albanien

Schüler gegen Ausweisung

Jacques GANSER
Jacques GANSER
Im Escher LGE sollen zwei albanische Geschwister in ihre Heimat abgeschoben werden. Das Schülerkomitee wehrt sich vehement gegen diese drohende Ausweisung. Immigrationsminister Jean Asselborn spricht von einem komplexen Dossier.

Von Jacques Ganser

Es ist nur ein weiteres Drama in einer langen Reihe von Geschichten, die Ausweisungen und erzwungene Rückkehr schreiben: Zwei albanische Geschwister, beide aus dem Escher LGE, sollen zurück in ihre Heimat geschickt werden

Die Entscheidung sorgt für Aufruhr unter den Schülern des Lyzeums. Eine Petition, die sich gegen die Ausweisung richtet, wurde von rund 60 der insgesamt 100 Lyzeumslehrer unterzeichnet.

Perfekt integrierte Schüler

In einem Schreiben des Schülerkomitees des LGE wird die Annullierung des negativen Asylbescheides verlangt. Die Familie war vor fünf Jahren aus Albanien nach Luxemburg gezogen, sie habe sich in Zwischenzeit sehr gut integriert, die Geschwister seien exzellente Schüler und würden die drei offiziellen Sprachen unseres Landes beherrschen.

Die Familie habe Albanien aus Sicherheitsgründen verlassen, so der Wortlaut der Mitteilung. Die Eltern, die beide als Rechtsanwälte gearbeitet hätten, wären von kriminellen Banden in Albanien bedroht worden. 

Um ihre finanzielle Existenz in Luxemburg abzusichern und niemandem zur Last zu fallen, sei der Vater per Touristen-Visa regelmäßig nach Albanien zurückgefahren, um dort seiner Arbeit nach zu gehen. Er habe deshalb auch keinen Antrag auf Asyl gestellt.

Immigrationsminister Jean Asselborn: Ein komplexer Fall

Auf Nachfrage hin erklärte Außen- und Immigrationsminister Jean Asselborn, dass er sich nicht zu einzelnen Fällen äußern könne. In diesem speziellen Fall sei die Familie bereits zweimal von der Justiz aufgefordert worden, das Land zu verlassen. 

"Wir sind bereit, die Familie noch einmal im Ministerium zu empfangen, aber zum jetzigen Zeitpunkt weiß niemand, wo sie sich aufhält", so Asselborn. Laut dem Minister sei der Hintergrund der Affäre auch komplexer und schwieriger, als in der Öffentlichkeit dargestellt. " Ich habe aber vollstes Verständnis für die Sorgen und den Einsatz der Mitschüler im LGE ", so Asselborn. 

Die Wochenzeitung "Woxx" hatte vor zwei Wochen bereits von diesem Fall berichtet. Ein Lehrer der beiden albanischen Geschwister habe sich besonders für die Kinder eingesetzt. Im LGE sei eine Petitionsliste veröffentlicht worden, der Lehrer habe zudem das Gespräch mit den Immigrationsbehörden gesucht, er sei dort aber darauf hingewiesen worden, dass man nicht "allen Geschichten Glauben schenken sollte". Auch ein persönlicher Brief an die Großherzogin sei nur mit dem Hinweis beantwortet worden, man werde  das Schreiben an das Außenministerium weiterreichen.       

Vater tot aufgefunden

Im Juni dieses Jahres sei der Vater der Familie in Albanien tot in einem Hotelzimmer aufgefunden worden. Die albanische Polizei untersuche zurzeit den "verdächtigen" Todesfall. 

Es sei klar, dass die Rückkehr der Familie nach Albanien ein enormes Risiko nach sich ziehe. Ein normales Leben in Albanien sei nicht mehr möglich, so das Schülerkomitee. Momentan hat die Familie eine letzte Einspruchsmöglichkeit vor dem Verwaltungsgericht, danach droht die definitive Ausweisung.

Albanien gilt für die EU offiziell als sicheres Herkunftsland. Der Asylantrag eines Asylbewerbers aus einem solchen Land wird meist als "unbegründet" zurückgewiesen. Auch die luxemburgischen Immigrationsbehörden haben in der Vergangenheit bei Asylanträgen aus Albanien systematisch die rote Karte gezeigt.  

   


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