Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Schrassig-Ausbrecher vor Gericht
Lokales 3 Min. 04.10.2012 Aus unserem online-Archiv

Schrassig-Ausbrecher vor Gericht

David Sciutti auf einem Fahndungsfoto aus dem Jahr 2003.

Schrassig-Ausbrecher vor Gericht

David Sciutti auf einem Fahndungsfoto aus dem Jahr 2003.
Lokales 3 Min. 04.10.2012 Aus unserem online-Archiv

Schrassig-Ausbrecher vor Gericht

David Sciutti war 2003 spektakulär dem aus Gefängnis in Schrassig ausgebrochen. 1999 soll er die Sparkasse in Rodange überfallen und später den Filialleiter entführt haben.

(gs/str) - Angespannter als üblich war am Donnerstagnachmittag die Atmosphäre auf den Fluren des Bezirksgerichts Luxemburg. Grund war der Prozess gegen einen 43-jährigen Franzosen, der der Justiz und auch der Öffentlichkeit kein Unbekannter ist.

Die Rede ist von David Sciutti, der sich hierzulande nicht nur durch schwer bewaffnete Überfälle auf Geldtransporter im Jahre 2001, sondern auch durch einen spektakulären Ausbruch aus der Strafanstalt Schrassig im März 2003 einen (negativen) Namen machte. Scuitti galt als der Anführer jener brutalen Räuberbande der auch der Schwerverbrecher Gilles Lousada angehörte.

Erst 2008 in Frankreich wieder aufgegriffen und dort eine 15-jährige Haftstrafe wegen der Geldtransporter-Überfälle absitzend, muss sich David Sciutti seit Donnerstag vor der Kriminalkammer Luxemburger wegen einem Überfall auf die Sparkasse in Rodange im Februar 1999 sowie einem Home-Jacking im Dezember des gleichen Jahres in Petingen, genauer im Haus des damaligen Leiters der Rodanger Sparkassenfiliale, verantworten.

Besagte Fälle konnten erst jetzt aufgrund sichergestellter DNA-Spuren mit dem Beschuldigten in Verbindung gebracht werden. Dieser streitet allerdings ab, etwas mit diesen Verbrechen zu tun zu haben.

Mit Maschinengewehren und Handgranaten bewaffnet

Laut Anklage soll David Sciutti aber am Morgen des 25. Februar 1999 gemeinsam mit einem oder mehreren maskierten Komplizen, mit Pistolen, Maschinengewehren und Handgranaten bewaffnet, in die Sparkassen-Filiale in der Route de Longwy in Rodange eingedrungen sein. Die Mitarbeiter der Bank, Filialleiter sowie drei weitere Angestellte, sollen die Täter nicht nur bedroht, sondern auch eingesperrt haben, ehe sie mit der Beute von rund 7,5 Millionen Luxemburger Franken und dem Auto einer Bankangestellten die Flucht ergriffen.

Knapp neun Monate später, nämlich in der Nacht zum 10. Dezember 1999, soll sich Sciutti wiederum mit zwei, möglichwereise drei, vermummten Komplizen und abermals schwer bewaffnet – Pistolen, Maschinengewehre, Schrotflinten – Zugang zu einem Privathaus in Petingen verschafft haben. Besagtes Haus bewohnte der damalige Leiter der zuvor überfallenen Rodanger Sparkassenfiliale und auf deren Tresore hatten es die Täter auch dieses Mal wieder abgesehen.

In jener Nacht sollen sie deshalb nicht nur den Filialleiter und dessen Familie bedroht haben, sondern auch Frau und Kinder des Bankers in einem Raum im Haus der Familie eingesperrt haben, bis sie ihr Ziel erreichten und der Mann mit den Tätern zur Sparkasse fuhr. Dort erbeuteten sie in jener Nacht nochmals rund 7 Millionen Luxemburger Franken.

Gefängnisausbruch mithilfe von Leiter und Lieferwagen

Im März 2003 war David Sciutti gemeinsam mit einem anderen Häftling sowie der Hilfe von zwei schwer bewaffneten Komplizen außerhalb der Gefängnismauern aus der Strafanstalt Schrassig ausgebrochen. Die beiden Komplizen hatten damals mit einem gestohlenen Lieferwagen die Umzäunung der Anstalt durchbrochen und hatten den beiden Insassen mithilfe einer Leiter über die Gefängnismauern geholfen.

Während der andere Ausbrecher, Abdellatif Bekhti, ein verurteilter Terrorhelfer der al-Qaida im Jahr 2008 in Marokko festgenommen werden konnte, wurde David S. in Frankreich aufgegriffen und in Nancy wegen der Geldtransport-Überfälle (2001 in Luxemburg) zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt. Für die Dauer des am Donnerstag vor der Kriminalkammer Luxemburg angelaufenen Verfahrens wurde Sciutti ans Großherzogtums ausgeliefert.

Erhöhte Sicherheitsvorkehrungen am Gericht

Aufgrund der bestehenden Fluchtgefahr und der Möglichkeit eines Befreiungsversuchs herrschten am Donnerstag am Gericht erhöhte Sicherheitsvorkehrungen. Nicht nur waren vor dem Sitzungssaal Metalldetektoren installiert, auch wurden Taschen und Kleidung von Zeugen, Pressevertretern und Zuschauern auf Waffen u.ä. untersucht. Zudem wurden die Zugangswege zum Gericht sowie der Gefangenentransport von schwer bewaffneten Spezialeinheiten der Polizei sowie dem Polizeihubschrauber gesichert.

Der Prozess vor der Kriminalkammer Luxemburg ist auf fünf Verhandlungstage angesetzt. Am Donnerstag versuchte während des Großteils der Sitzung der Anwalt des Angeklagten mehrere Rechtsmittel einzureichen, um u.a. die Sicherstellung einiger Beweismittel für unrechtmäßig erklären zu lassen. Das Verfahren wird am Montag kommender Woche fortgesetzt.