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Schmitt-Security: Hausdurchsuchung auch in Düdelingen
Lokales 5 Min. 23.10.2019

Schmitt-Security: Hausdurchsuchung auch in Düdelingen

Im September führte die Polizei eine Hausdurchsuchung bei der Stadt Düdelingen durch. Dabei ging es um Verträge mit Security Service Schmitt bei der Fête de la musique 2019.

Schmitt-Security: Hausdurchsuchung auch in Düdelingen

Im September führte die Polizei eine Hausdurchsuchung bei der Stadt Düdelingen durch. Dabei ging es um Verträge mit Security Service Schmitt bei der Fête de la musique 2019.
Foto: Gerry Huberty / LW-Archiv
Lokales 5 Min. 23.10.2019

Schmitt-Security: Hausdurchsuchung auch in Düdelingen

Die Justiz ermittelt nicht nur wegen mutmaßlich illegaler Wachschutzdienste bei der Schueberfouer, sondern auch im Zusammenhang mit der Fête de la musique in Düdelingen.

(str) -  Das Unternehmen ist als Sicherheitsdienstleister bei Veranstaltungen landbekannt. Doch seit einem Gerichtsverfahren im Jahr 2015 mit anschließender rechtskräftiger Verurteilung stellt sich die Frage, ob Security Service Schmitt sich nicht mit einem Teil ihrer Dienstleistungen in der Illegalität bewegt.

Konkret geht es dabei um Objektschutzaufgaben unter dem Deckmantel des Veranstaltungsschutzes. Für Sicherheitsaufgaben, den Schutz von Mensch und Material, ist nämlich eine Zulassung des Justizministeriums erforderlich – über die Schmitt nicht verfügt.

Am Montag hatte nun eine Hausdurchsuchung bei der hauptstädtischen Stadtverwaltung im Jahr 2018 im Kontext von Ermittlungen wegen illegaler Wachschutzaufträge bei der Schueberfouer für Schlagzeilen gesorgt. Doch die Stadt Luxemburg steht nicht als einzige im Visier der Justiz.

Auf Grauzonen reagiert

Information des „Luxemburger Wort“ zufolge gab es am 11. September 2019 auch eine Hausdurchsuchung im gleichen Zusammenhang bei der Stadtverwaltung in Düdelingen. Konkret ging es dabei um die Aufträge an Security Service Schmitt bei der diesjährigen Fête de la musique.

Dan Biancalana: „Wir haben strikt darauf geachtet, Zugangskontrollen und Objektschutz zu trennen.“
Dan Biancalana: „Wir haben strikt darauf geachtet, Zugangskontrollen und Objektschutz zu trennen.“
Foto: Guy Jallay

Auf den Sachverhalt angesprochen, bestätigte der Düdelinger Bürgermeister Dan Biancalana (LSAP) am Mittwoch die Hausdurchsuchung. Man arbeite seit langen Jahren mit Security Service Schmitt zusammen und das auch bei anderen Veranstaltungen wie etwa Zeltic und Summerstage.

„Als dann vor einigen Jahren die Diskussionen über die Grauzonen im Sicherheitsbereich aufgekommen sind, haben wir reagiert“, unterstreicht Biancalana. „Wir haben zwei Firmen engagiert, Schmitt für Zugangskontrollen und ein anderes Unternehmen für den Objektschutz.“ Ohnehin setze man sich bereits im Vorfeld mit allen Beteiligten in Informationsversammlungen zusammen, wo dann auch gemeinsam mit Polizei und CGDIS die Aufgaben jedes einzelnen abgeklärt würden.

Rachegelüste eines Polizisten?

Aus dem Umfeld des Organisationskomitees der Düdelinger Fête de la musique war nach der Hausdurchsuchung zu vernehmen, diese gründe ausschließlich auf den Rachegelüsten eines einzelnen Polizisten, der von Schmitt einmal schlecht behandelt worden sei.

Eben genau diese Argumentation hatten die Verteidiger von Security Service Schmitt bereits in einem Gerichtsverfahren im Jahr 2015 angeführt. Die Sichtweise wurde aber bereits damals vom Vertreter der Staatsanwaltschaft im Prozess regelrecht niedergeschmettert: Die systematischen Gesetzesverstöße seien erwiesen und es sei nicht von Bedeutung, wer diese feststelle.

Im Auftrag der Justizbehörden

Auch Justizsprecher Henri Eippers, gestern auf die Darstellung angesprochen, wies diese zurück: „Ohne Bezug auf diesem Fall zu nehmen, ist es klar, dass ein Kriminalpolizist nicht auf eigene Faust Ermittlungen betreibt und etwaige Hausdurchsuchungen oder sonstige Maßnahmen durchführt. Dies geschieht ausnahmslos und immer im Auftrag sowie mit der ausdrücklichen Genehmigung der Justizbehörden.“

Die Hausdurchsuchung im Jahr 2018 bei der hauptstädtischen Gemeinde war indes gestern auch Thema beim City Breakfast der Stadt Luxemburg. Auch Bürgermeisterin Lydie Polfer (DP) hatte dabei einen Verantwortlichen für die Hausdurchsuchung ausgemacht: Jemand der nicht froh darüber sei, dass Schmitt den Zuschlag für die lukrativen Aufträge erhalte. Ein klarer Fingerzeig auf die Konkurrenz, die über das Agrément des Justizministeriums verfügt.

Bis zu 130.000 Euro pro Jahr

Das sei auch nachvollziehbar, angesichts der Geldsummen, die im Spiel seien. Polfer zählt auf: Seit 2008 erhalte Security Service Schmitt jährlich Aufträge mit einem Kostenpunkt zwischen 77.000 und 130.000 Euro und das ausschließlich für Aufgaben im Bereich des Evénementiel, des Crowdmanagement – auf Deutsch: der Veranstaltungsbetreuung.


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In diesem Bereich habe die Stadt Luxemburg ein großes Bedürfnis für Sicherheitsbelange. Und dafür greife man auch stets auf mehrere Anbieter zurück – darunter Schmitt. „Es geht aber nicht darum, die einen in ein schlechtes Licht zu rücken und die anderen in ein gutes“, so Lydie Polfer.

Bei jedem Fußballspiel ...

Ebenso sei auch klar, warum man mit Schmitt arbeite. „Die haben eben kein Gardiennage-Agrément und da sie nicht die gleichen Auflagen erfüllen müssen, wie die anderen Unternehmen, können sie preiswertere Angebote machen“, führt Lydie Polfer aus.

Lydie Polfer: „Wir dachten, alles richtig zu machen. Doch dann kam diese Hausdurchsuchung.“
Lydie Polfer: „Wir dachten, alles richtig zu machen. Doch dann kam diese Hausdurchsuchung.“
Foto: Guy Jallay

Außerdem sei diese Firma auch bei jedem Fußballspiel dabei und würde dort die gleichen Aufträge ausführen, wie für die Stadt Luxemburg. Dabei gehe es ganz klar nicht um Wachschutzaufgaben, sondern um das Evénementiel – Veranstaltungsschutz. Und dafür brauche man keine Zulassung des Justizministeriums. Das habe der damalige Justizminister Félix Braz auch 2015 so bestätigt.

Bei der Hausdurchsuchung in der Stadtverwaltung im Jahr 2018 hätte sich die Kriminalpolizei ausschließlich für die Verträge mit Schmitt für die Schueberfouer 2015 und 2016 interessiert. Nicht aber für 2017, wo die Firma ebenfalls für die Stadt gearbeitet habe.

Klare Verträge

In den Verträgen sei klar festgehalten, was die Aufgabe von Schmitt sei: den Zugang zur Baustelle während des Aufbaus der Schueberfouer zu sichern, damit sich keine unbefugte Personen Zutritt verschaffen; die Sicherheit während der Montagephase; und die Veranstaltungssicherheit während der Schueberfouer. Für alles andere habe man eine andere Firma beauftragt.

„Da muss dann aber wohl jemand anderes gesagt haben, dass sie nicht nur das gemacht haben“, betont die Hauptstadtbürgermeisterin. Die Hausdurchsuchung bei der Gemeinde sei daher nur ein ganz normaler Vorgang. „Deswegen sind wir ja auch in einem Rechtsstaat. Und es ist an der Justiz, dem nachzugehen.“

Ein schmaler Grat

Solange wie die Ermittlungen laufen, wird die Stadt im Prinzip auch nicht zwangsläufig darüber informiert, welche Vorwürfe im Raum stehen. In diesem Kontext scheint es aber klar darum zu gehen, dass sowohl in der Hauptstadt wie auch in Düdelingen der Verdacht im Raum steht, dass Schmitt im Auftrag der jeweiligen Stadt nicht nur Veranstaltungsschutz betrieben hat, sondern auch sicherheitsrelevante Aufgaben. Dazu gehört etwa die Bewachung von Infrastrukturen und Material bei den Veranstaltungen.


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„Wir dachten, alles richtigzumachen“, meinte Hauptstadtbürgermeisterin Lydie Polfer beim City Breakfast abschließend. „Und dann kam diese Hausdurchsuchung.“

Was dabei herauskam, wird möglicherweise erst bei einem Prozess ans Licht kommen, wenn es denn zu einer Anklage kommt. Interessant wird dann aber auch sein, wer neben Schmitt auf der Anklagebank sitzt, denn die Verlockung der Grauzonen gibt es im Land wohl so häufig wie Großveranstaltungen.


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