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Schiefergas bleibt vorerst im Boden
Sollte es irgendwann ein ökologisch verträgliches Verfahren geben, sollte über einen Abbau zumindest diskutiert werden könne, so Minister Schneider.

Schiefergas bleibt vorerst im Boden

Darstellung: Romain Meyer
Sollte es irgendwann ein ökologisch verträgliches Verfahren geben, sollte über einen Abbau zumindest diskutiert werden könne, so Minister Schneider.
Lokales 3 Min. 21.11.2012

Schiefergas bleibt vorerst im Boden

Mit breiter Mehrheit erteilte das Parlament am Dienstag den Gesetzvorlagen 6367 (Beihilfen zum adäquaten Lärmschutz) und 6419 (Einführung eines Umweltlabels) grünes Licht. Eine Rote Karte gab es indes für die Förderung von Schiefergas.

(mas) - Mit breiter Mehrheit erteilte das Parlament am Dienstag den Gesetzvorlagen 6367 (Beihilfen zum adäquaten Lärmschutz) und 6419 (Einführung eines Umweltlabels) grünes Licht. Eine Rote Karte gab es indes für die Förderung von Schiefergas.

Sowohl Energieminister Etienne Schneider als auch LSAP-Sprecher Roger Negri betonten, dass Luxemburgs Energiepolitik auf der Förderung von Effizienz und erneuerbaren Energien beruhe – und widersprachen damit ihrem Parteikollegen Robert Goebbels. Der ehemalige Energieminister und heutige Europaabgeordnete hatte vor Monatsfrist im Rahmen einer von der Uni Luxemburg organisierten Konferenz für Probebohrungen im Süden des Landes plädiert.

Zum jetzigen Zeitpunkt sei eine Förderung von Schiefergas „extrem bedenklich“, so Minister Schneider, der sich dennoch eine Hintertür einen Spalt breit aufhielt: Sollte es irgendwann ein ökologisch verträgliches Verfahren geben, sollte über einen Abbau zumindest diskutiert werden können. Beim Schiefergas handelt es sich um in Gesteinsformationen gebundenes Methangas, das durch das sogenannte „Fracking“ zutage gefördert werden kann. Dabei wird ein Sand-Wasser-Gemisch, angereichert mit Chemikalien, unter hohem Druck in den Boden gepresst, wodurch die Steine aufgebrochen und Gase freigesetzt werden. 

„Fracking“ nicht durchführbar

In Luxemburg haben Studien Schiefergasvorkommen zwischen Bettemburg und Petingen ausgemacht; es ruht allerdings zu nahe an der Oberfläche (und in dicht besiedeltem Gebiet), so dass das „Fracking“ nicht durchführbar ist. Mit Ausnahme der ADR, die „nicht prinzipiell Nein“ sagt, sprachen sich alle im Parlament vertretenen Parteien gegen die Nutzung von Schiefergas hierzulande aus. Diane Adehm (CSV) beispielsweise wies auf die nachhaltige Energiepolitik hin, der sich ihre Partei verschrieben habe und die keine Gefährdung von Gesundheit und Umwelt dulde.

Eugène Berger (DP) seinerseits verwies an die riesigen Grundwasserreserven, mit denen neben der Trinkwasserversorgung auch der „sëffege Secret“ gewährleistet werde. Auch erinnerte der frühere Staatssekretär im Umweltministerium daran, dass sich die Abgeordnetenkammer unlämgst in einem Antrag gegen die CO2-Speicherung ausgesprochen habe.

Folglich sollte auch davon abgesehen werden, Gas aus der Erde zu fördern, was wiederum die CO2-Bilanz belasten würde. Einzig vonseiten der Grünen wurde auch die europäische Dimension angesprochen. Henri Kox appellierte an die Regierung und die luxemburgischen Europadeputierten, sich dafür einzusetzen, dass auf EU-Ebene, wo das „Fracking“ durchaus auf Unterstützung stößt, von der Förderung einer neuen fossilen Energiequelle abgesehen werde.

Auch bedauerte Kox, dass die Uni Luxemburg mit ihrem Konferenzabend „Schiefergas – eine Lösung für Europas Energieprobleme?“ die Thematik nach seinem Dafürhalten einseitig angegangen sei. Schon im Vorfeld dieser Konferenz hatte der Europaparlamentarier von Déi Gréng, Claude Turmes, lautstark gegen die thematische Ausrichtung dieser Konferenz protestiert – und daraufhin einen eigenen Vortrag mit Romain Meyer, Wissenschaftler an der Universität Bergen, organisiert.

Fragestunde an die Regierung

In der Fragestunde an die Regierung erteilten die Minister Aufschluss zu folgenden Punkten:

  • die Laufbahnen von Kriminalpolizei und Sondereinheiten der Polizei sollen durch eine 30-Punkte-Aufwertung attraktiver gestaltet werden;
  • am 5. und 6. Dezember findet, nach April 2012, eine zweite groß angelegte Cattenom-Ernstfallübung statt, bei der die Evakuierung im Vordergrund steht;
  • das Audit zur Arbeitsmedizin liegt dem Ressortminister vor und soll den implizierten Instanzen in absehbarer Zeit präsentiert werden;
  • Blutvergiftungen soll in erster Linie durch eine gezielte Aufklärungs- und Sensibilisierungsarbeit in den Krankenhäusern vorgebeugt werden;
  • die ab März 2013 gegenüber Drittstaaten geplante CO2-Regelung für die Luftfahrt soll bis Herbst 2013 ausgesetzt werden, bis dahin sollen Empfehlungen in ein globales Abkommen münden;
  • etwaigem Missbrauch bei den Studienbeihilfen soll durch regelmäßige Kontrollen am Ende des ersten Semesters entgegengewirkt werden (fiktiver Wohnsitz, Arbeitslosengeld, Einkommen, schulischer Misserfolg).


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