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Schäden im Müllerthal fast komplett behoben
Landstraße zwischen Berdorf und Echternach: Einfallstor für viele Touristen.

Schäden im Müllerthal fast komplett behoben

Foto: Gerry Huberty
Landstraße zwischen Berdorf und Echternach: Einfallstor für viele Touristen.
Lokales 2 Min. 12.06.2019

Schäden im Müllerthal fast komplett behoben

Volker BINGENHEIMER
Volker BINGENHEIMER
Ein Jahr nach der Sturzflut sind die Schäden im Müllerthal fast verschwunden. Eine Landkarte soll nun helfen, für jedes Haus das Überschwemmungsrisiko zu bestimmen.

Ein Jahr nach den verheerenden Überschwemmungen sind die Schäden im Müllerthal fast verschwunden. Bis auf wenige Ausnahmen sind Straßen, Wasserläufe, Waldwege und Brücken repariert und erneuert, lautete am Mittwoch die Bilanz des Umweltministeriums und mehrerer Verwaltungen.

Bei den Baumaßnahmen hatten Naturverwaltung, Straßenbauverwaltung und Wasserwirtschaftsamt Wert darauf gelegt, die Infrastruktur gegen eine erneute Sturzflut zu wappnen. Sollte Starkregen in den nächsten Jahren wieder die Bäche anschwellen lassen, werden die Schäden in der Region also voraussichtlich nicht mehr so gravierend ausfallen.

Dass die Menschen im Müllerthal auch in Zukunft mit Starkregen und Überschwemmungen rechnen müssen, machte Umweltministerin Carole Dieschbourg klar: „Der Klimawandel ist da und er bringt extreme und unberechenbare Wetterphänomene mit sich. Wir müssen daraus lernen.“

Predigtstuhl bei Berdorf: Der weggeschwemmte Boden wurde in Terrassenform wieder aufgebracht.
Predigtstuhl bei Berdorf: Der weggeschwemmte Boden wurde in Terrassenform wieder aufgebracht.
Foto: Gerry Huberty

Viele rote Punkte

Wie groß die Zerstörungen durch die Wassermassen nach dem 1. Juni des vorigen Jahres waren, zeigen die Listen und Landkarten der Verwaltungen. Teilweise waren sie übersät mit roten Punkten, von denen jeder für beschädigte Straßen, Wege und Brücken steht. Besonders unheimlich war das Bild auf dem CR 364 zwischen Berdorf und Echternach. „Am Tag nach den Überschwemmungen waren dort nur kleine Risse im Belag zu erkennen“, sagte Marc Ries, Divisionschef der Straßenbauverwaltung. „Nach und nach rutschte der Hang immer weiter ab, insgesamt waren es 15 000 Kubikmeter Erde.“ An einem weiteren neuralgischen Punkt, unterhalb des Felsens Predigtstuhl bei Berdorf, wurde der weggeschwemmte Boden eingesammelt, gereinigt und mit einer Armierung durch Geogitter wieder eingebaut.

Insgesamt war das Straßennetz an 23 Stellen beschädigt, davon sind nur noch drei Baustellen in Betrieb, der Rest ist erledigt. Die Arbeiten kosteten 11 Millionen Euro, die vom Hochkommissariat für Nationale Sicherheit erstattet wurden.


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Viel Arbeit gab es auch für die Natur- und Forstverwaltung, die allein im Müllerthal 16 Kilometer Waldwege instand zu setzen hatte. Um künftig Schäden zu vermeiden, wurden Querrinnen für das Regenwasser angelegt und Brücken für Wanderer wo möglich durch Trittsteine ersetzt, sagte Jean-Pierre Arend von der Naturverwaltung. Rund 80 Holzbrücken waren bei dem Unwetter geborsten oder wurden weggerissen.

Schlamm, Geröll und Treibholz erschwerten die Bauarbeiten auch an anderer Stelle, nämlich in den Flüssen und Bachläufen. Das Wasserwirtschaftsamt musste Tausende Tonnen Schlamm und Steine beseitigen. „Wir haben darauf Wert gelegt, so viel wie möglich davon wiederzuverwerten“, sagte Philippe Lutty vom Wasserwirtschaftsamt. Nicht mehr zu gebrauchen waren die 5000 Kilo Plastik, die sich ebenfalls in den Überschwemmungsgebieten fanden – zum größten Teil waren es Campingmöbel und -zubehör.

Karte kommt nächstes Jahr

Um das Risiko künftiger Extremwetterlagen besser einschätzen zu können, arbeitet das Wasserwirtschaftsamt derzeit an einer Starkregenkarte für das ganze Land. Auf einem Raster von zwei mal zwei Metern kann damit die Gefahr von Überschwemmungen für jedes Haus in Luxemburg bestimmt werden. Eine erste Version der Karte wird noch vor dem Sommer fertig. Sie soll durch weitere Daten komplettiert und im kommenden Jahr veröffentlicht werden. In den Folgejahren wird das Kartenwerk weiter verfeinert. Verwaltungen, Gemeinden und Privatleute könnten so Präventionsmaßnahmen besser planen, sagte Umweltministerin Dieschbourg.

Über die malerische Landstraße Berdorf-Echternach, wo seit einer Woche der Verkehr wieder rollt, gelangen viele Touristen ins Müllerthal.


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