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Sarrazin im Trifolion: Die Sarrazin-Show
Lokales 8 2 Min. 20.04.2016

Sarrazin im Trifolion: Die Sarrazin-Show

Thilo Sarrazin am Mittwochabend im Trifolion

Sarrazin im Trifolion: Die Sarrazin-Show

Thilo Sarrazin am Mittwochabend im Trifolion
Foto: Gerry Huberty
Lokales 8 2 Min. 20.04.2016

Sarrazin im Trifolion: Die Sarrazin-Show

Michel THIEL
Michel THIEL
Der umstrittene deutsche Autor Thilo Sarrazin war am Mittwochabend im Echternacher Trifolion zu Gast. Während vor der Tür eine Gegendemo lief, ließen sich mehrere hundert zahlende Gäste drinnen die Welt erklären.

Von Michel Thiel

Während vor der Tür noch die Gegenveranstaltung läuft, ändert sich im Auditorium die Atmosphäre schlagartig. Vor fast ausverkauften Saal moderiert Trifolion-Direktor Ralph Britten den Gast des Abends mit den Worten an, dessen Ausführungen hätten „unmittelbar mit Solidarität und Gerechtigkeit zu tun“. Die Demo vor der Tür sei übrigens auch „ein Beispiel für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit“.

Sarrazins Thesen würden „polarisieren“, so Britten, doch müsse man ihm gerade deswegen Gehör schenken. Sarrazins Bücher, „allesamt Bestseller“, seien nach der Lesung im Foyer zu kaufen. Bevor Sarrazin die Bühne betritt noch der Hinweis, die Gäste möchten bitte ihre Tickets behalten, da man „aus Sicherheitsgründen Stichproben machen“ werde. Neben beiden Eingängen sitzen Sicherheitsleute.

Die Griechen und der Euro

Es folgt die erste Hälfte der Veranstaltung. Moderator Manfred Osten gibt Stichwörter, Sarrazin doziert. Er spricht Allgemeinplätze an, ohne all zu sehr ins Detail zu gehen. Eurokrise, Finanz- und Währungspolitik. Wie, wann und was genau passieren werde, „das ist schwer zu sagen“. Nachdenkliches Nicken im Publikum.

Anschließend sind die Griechen dran. Sarrazin witzelt, wie diese im Zweiten Weltkrieg an der simplen Aufgabe gescheitert seien, die Besatzungskosten ordentlich einzutreiben. Das Problem in Griechenland sei „die Art, wie dort alles passiert“. Lacher im Saal.

Die üblichen Verdächtigen

Dann folgt die Weltpolitik. Flüchtlingskrise, die hohe Geburtenrate der Afrikaner, die islamistische Gefahr, das zu befürchtende Kippen der Bevölkerungsanteile. Sarrazin bedient die Erwartungen seiner Leserschaft, Moderator Osten gibt den Takt vor. Richtig zur Sache geht es dann bei der Frage, was gegen den Migrationsstrom zu tun ist. Entwicklungshilfe sei oft eher schädlich als nützlich, so Sarrazin, kein Land habe sich jemals durch äußere Einflüsse positiv entwickelt.

Dann das Stichwort europäische Außengrenzen: „Diese Flüchtlingswelle können wir nur stoppen, wenn wir die Einwanderung nach Europa unmöglich machen“, erklärt Sarrazin. Notfalls durch mehr Europa, aber diesmal richtig, anstatt sich auf „die Leute in Athen und Palermo zu verlassen“.

Kaum kritische Fragen

Nach einer kurzen Pause folgt die Publikumsdiskussion. Der Eindruck, dass Sarrazin überwiegend vor einem geneigten Publikum spricht, bleibt. Die längere Ausführung eines Zuschauers wird mit Pfiffen und Zwischenrufen niedergemacht, nachdem klar wird, dass dieser vor allem darauf abzielt, Sarrazin zu diskreditieren.

Die meisten übrigen Fragen sind eher seicht, die Antworten ebenso. Ein Gast sorgt schlussendlich doch für Kopfschütteln und entsetzte Blicke nach dessen (offenbar ernst gemeinter) Frage, ob man denn Entwicklungshilfe nach Afrika nicht an „erzwungene Geburtenkontrolle“ koppeln müsse.

Sarrazin weicht geschickt aus, indem er eine verbesserte Schulbildung für afrikanische Frauen vorschlägt. Im Foyer liegen seine Bücher zum Verkauf. Signieren wird er auch, hört man.

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