Sag mir, was du isst
Pestizideinsatz, Landschaftsverbrauch, Boden- und Gewässerbelastung, Bienensterben oder Artenschwund: Intensive landwirtschaftliche Aktivitäten hinterlassen ihre Spuren und verdeutlichen die Schieflage, in der sich dieser Produktionssektor heute befindet. Doch die Landwirte pauschal als Sündenböcke und einzig Verantwortliche darzustellen, greift oft zu kurz. Wer Klimawandel, Bodenerosion und Nährstoffüberschüsse in den Gewässern verhindern will, muss auch die Nachfrageseite bzw. das Konsumentenverhalten in Betracht ziehen.
Studie über drei Jahre
Es ist dies der Ausgangspunkt für die groß angelegte Studie SustEATable, die gestern im Nachhaltigkeitsministerium offiziell gestartet wurde. Teilnehmer sind das Institut für Biologesch Landwirtschaft an Agrikultur Luxemburg IBLA, das Forschungsinstitut für biologischen Landbau, das Luxembourg Institute of Health sowie die Universität Luxemburg. Finanziert wird das über drei Jahre laufende Projekt vom Nachhaltigkeitsministerium sowie von der Oeuvre nationale de secours Grande-Duchesse Charlotte. „Wir versuchen, einer Reihe von Fragen auf den Grund zu gehen“, so Projektleiterin Evelyne Stoll.
„Welche landwirtschaftlichen Praktiken werden aktuell in Luxemburg angewendet und welche Auswirkungen haben sie? Wie wirkt sich diese Wirtschaftsweise in sozialer, wirtschaftlicher und ökologischer Hinsicht aus? Wie wirken sich die Ernährungsgewohnheiten auf die ökologische Nachhaltigkeit aus? Schließlich wollen wir herausfinden, welche praktischen Empfehlungen in Sachen Ernährungsweise und landwirtschaftlicher Produktionsmethode zu einem nachhaltigeren Ernährungssystem beitragen.“
Soziale, ökonomische und Umweltaspekte
Der Faktor Nachhaltigkeit betrifft dabei nicht nur Umweltaspekte, sondern auch die soziale und wirtschaftliche Überlebensfähigkeit der Betriebe. Die luxemburgische Landwirtschaft steht nämlich wie der gesamte Sektor weltweit enorm unter Druck. Sinkende Preise und industrielle Produktion führen zu einer Zunahme des Einsatzes von Düngemitteln und Pestiziden; Mechanisierung und Bewässerungsmethoden werden intensiviert. Als Reaktion haben sich die Betriebe zunehmend spezialisiert, in Luxemburg etwa auf die Milchproduktion. Zudem werden die überlebenden Betriebe vergrößert. Bis 2050 wird die weltweite Verfügbarkeit von Lebensmitteln Schätzungen zufolge noch einmal um 70 bis 100 Prozent gesteigert werden.
Dabei sind die Zahlen jetzt schon beeindruckend: So landen 33 Prozent aller Lebensmittel in Luxemburg im Müll. Mit 98,52 Kilo verzehrtem Fleisch pro Kopf und Person liegt Luxemburg weltweit an fünfter Stelle, immerhin ist der Konsum aber seit Jahren rückläufig. Zugleich werden pro Kopf 188 Euro jährlich für Bioprodukte ausgegeben, das reicht für einen vierten Platz in der EU. Die aktuelle Studie zielt darauf ab, Produktionsmethode und Konsumentenverhalten als ganzes System zu betrachten. Dadurch lässt sich feststellen, welche Stellschrauben zu welchen Veränderungen führen. In der Praxis werden sich die Forscher in rund 100 landwirtschaftliche Betriebe begeben, wo dort anhand von 300 Kriterien eine detaillierte Analyse durchgeführt wird. In einer späteren Phase werden dann mögliche Lösungswege aufgezeigt.
