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Saarbrücken: Lebenslänglich für Doppelmord in der Familie
Das Landgericht Saarbrücken.

Saarbrücken: Lebenslänglich für Doppelmord in der Familie

Foto: Oliver Dietze/dpa
Das Landgericht Saarbrücken.
Lokales 2 Min. 16.01.2019

Saarbrücken: Lebenslänglich für Doppelmord in der Familie

Einen „ruhigen und gefassten Eindruck“ hatte ein 59-Jähriger gemacht, als ihn Polizeibeamte nach einem Doppelmord in der Familie im Mai 2018 festnahmen. Das Gericht verurteilte ihn am Dienstag zu einer lebenslangen Gefängnisstrafe.

(dpa/lrs) - Im Doppelmord-Prozess gegen einen 59-jährigen Deutsch-Russen hat das Landgericht Saarbrücken am Dienstag den Angeklagten zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Der Mann hatte Mitte Mai vergangenen Jahres seinen Sohn (35) und seinen Schwiegersohn (37) bei einer Familienfeier erschossen und seine Ex-Frau (60) und schwangere Tochter (30) durch Schüsse schwer verletzt. Bei der Urteilsverkündung stellte die Kammer eine besondere Schwere der Schuld fest, was eine vorzeitige Haftentlassung ausschließen würde.

„Ruhig und gefasst, absolut emotionslos und kalt“, so erinnerte der Richter Bernd Weber an Aussagen der Polizeibeamten, habe Viktor H. bei seiner Festnahme nach der Tat gewirkt. Dies spreche gegen eine Affekt- oder Spontan-Tat, ebenso wie die Vorbereitungen und der Ablauf.

Frustrierter Patriarch

Der Mann hatte es nach Ansicht Webers nicht ertragen, dass sich seine Familie von seinem zunehmend patriarchischen Lebensstil entfremdete und er seinen Führungsanspruch, der keinen Widerspruch duldete, nicht mehr durchsetzen konnte. Er habe mit ansehen müssen, wie die Familie zusammenhielt und ohne ihn zurechtkam. Als er wegen einer Diabetes-Erkrankung zum Dialysepatienten wurde, habe er immer mehr Hassgefühle entwickelt. Seine Familie empfand er als respektlos und undankbar.


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Um sich zu rächen, habe der Angeklagte einen Schlusspunkt setzen wollen, er habe „wieder Stärke demonstrieren, Macht ausüben, die Hauptverantwortlichen zur Rechenschaft ziehen, sie quasi hinrichten“ wollen, bilanzierte Weber. Das „Durchsetzen von unbedingtem Machtwillen gegenüber Familienangehörigen“ wertete das Gericht als niedrigen Beweggrund. Das zweite Mordmerkmal der Heimtücke sei zumindest beim Angriff auf die beiden Frauen gegeben. Insbesondere mit Blick darauf, dass es mehrere Opfer gab, wiege die Schuld besonders schwer.

Die Tat hatte der Angeklagte nach Ansicht des Gerichts mit voller Schuldfähigkeit begangen. Er habe lediglich unter einer leichten bis mittelgradigen Depression gelitten. Weder allein, noch in Zusammenhang mit einer narzisstischen Persönlichkeitsakzentuierung habe sie ein Gewicht auf seine Steuerungsfähigkeit gehabt.

Der Angeklagte zeigte am Dienstag bei der mehr als einstündigen Urteilsbegründung keinerlei Regung. Nur zum Schluss nickte er zweimal, als sich der Richter an ihn wandte: „Im letzten Wort war deutlich, dass Sie sich Ihrer Schuld bewusst sind. Und Sie wissen auch, dass Sie schweres Leid und Unglück über viele Menschen gebracht haben.“ Zwei Familien müssten nun ohne Ehemann und Vater zurechtkommen, alle Beteiligten litten noch immer unter großen psychischen Problemen.

Die Staatsanwaltschaft hatte eine lebenslange Freiheitsstrafe gefordert, die Verteidigung wegen Totschlags und versuchten Mordes eine Haftstrafe von nicht mehr als zehn Jahren. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.


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