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Russisch-orthodoxe Pfarrei: „Und es glänzten die goldenen Kuppeln“

Russisch-orthodoxe Pfarrei: „Und es glänzten die goldenen Kuppeln“

Foto: Joaquim Valente
Lokales 3 Min. 26.07.2014

Russisch-orthodoxe Pfarrei: „Und es glänzten die goldenen Kuppeln“

Die in Luxemburg ansässige Glaubensgemeinschaft blickt mit einem Nachschlagewerk in russischer Sprache auf ihre 85-jährige Geschichte zurück.

(AC) - Voriges Wochenende feierte die russisch-orthodoxe Pfarrei in Luxemburg ihr 85. Jubiläum u. a. in Anwesenheit von  Iouri Alexandrovitch Sokolov, des Ersten Botschaftsrats der Russischen Föderation, und von Ehrendomherr Georges Vuillermoz. Die feierliche Liturgie am Sonntag in der russisch-orthodoxen Kirche Peter und Paul in Luxemburg hielt der Erzbischof Michael (Donskoff) von Genf und Westeuropa, Diözesanleiter der russisch-orthodoxen Kirche im Ausland, der ebenfalls die Pfarrei in Luxemburg zugehörig ist.

Pünktlich zum Jubiläum hat die aus Russland stammende Journalistin Dr. Inna Ganschow das Buch „Und es glänzten die goldenen Kuppeln“ auf Russisch veröffentlicht. Der Band beschreibt das Leben der russischen Emigranten nach der Oktoberrevolution in Luxemburg, insbesondere in Mertert, Wasserbillig und Wiltz und setzt sich mit der Pflege ihrer Identität und ihres Glaubens auseinander, wie Inna Ganschow es unterstreicht.

Diese „weißen Russen“ – so wurden die Anhänger des Zaren genannt –, die meist aus bürgerlich bis großbürgerlich und adligen Verhältnissen stammten, flohen zunächst nach dem Zusammenbruch der weißen Armee auf die Krimhalbinsel und dann in die Türkei. Einige begaben sich von dort aus nach Serbien und Bulgarien. Da erfuhren sie auch, dass in Luxemburg, sprich in Mertert und Wiltz, dringend Arbeitskräfte in den Fabriken gesucht wurden. In Belgien und Frankreich arbeiteten schon Exilrussen – die ersten Emigranten kamen 1927 nach Luxemburg. Auch in den Minen in Düdelingen waren Russen beschäftigt, deren religiöses Gemeindeleben aber nie sehr ausgeprägt war.

Mit der Evakuierung in die Türkei 1920 beginnt auch das sechs Kapitel umfassende Buch von Inna Ganschow, das chronologisch vorgeht. „Zu den Reisenden gehörten der zukünftige Vater Eugen Treschtschin, der erste Priester, der der Exilgemeinde in Mertert und in Wiltz vorstand, Roman Poukh, der Vater von Pater Serge Poukh, dem Nachfolger von Pater Eugen, und schließlich Boris Machtalère, der Großvater des jetzigen – in Vertretung von Pater Poukh – Priesters, Pater George“, weiß die Autorin zu erzählen.

Die Exilanten, die fest im Glauben standen, dass eine baldige Rückkehr nach Russland erfolgen würde, lebten sich bald in Luxemburg ein, blieben dennoch in der ersten Generation meist unter sich, obwohl sie bei den Einheimischen in einem positiven Ruf standen. Sie pflegten ihren Glauben, ihre Traditionen und deren Weitergabe sowie die russische Sprache.

Während des zweiten Weltkriegs war die russische Kolonie in Befürworter – die sich dadurch ein Ende der Sowjetunion und eine baldige Rückkehr nach Russland versprachen – und Widersacher des Naziregimes gespalten. Danach setzte der Untergang der „Kolonie“ in Mertert ein: Im Zuge der Evakuierung der russischen Exilanten während des Krieges nach Luxemburg-Stadt wurde die jüngere Generation zum Teil dort ansässig.

 Inna Ganschow
Inna Ganschow
Foto: Joaquim Valente

In einem weiteren Kapitel beschreibt Inna Ganschow, wie sich das religiöse Leben in Luxemburg-Stadt organisierte, u. a. mit Liturgien in zur Verfügung gestellten Gotteshäusern. Ein Interview mit dem ehemaligen Generalvikar Mathias Schiltz geht u. a. auf diese Thematik ein. Eine Konvention mit den Staat, wie es beispielsweise die griechisch-orthodoxe Kirche getan hat, ging die russische Pfarrei dennoch nie ein.

Mit der Rückkehr von Pater Serge Poukh, dem Sohn russischer Exilanten aus Mertert, aus den USA begann die Neubelebung der Gemeinde. Des Weiteren gelang es Pater Poukh schließlich nach einigen Widerständen eine russisch-orthodoxe Kirche in Luxemburg erbauen zu lassen. Die offizielle Eröffnung erfolgte 1982.

Das letzte Kapitel schildert u. a. das heutige der Tradition verschriebene Gemeindeleben, das hauptsächlich neu zugezogene Einwohner aus der russischen Föderation und angrenzenden Ländern ausmachen. Gegenstand sind auch der Kirchenchor und die Sonntagsschule. Das Buch ist schon vergriffen. Für den Herbst ist eine Neuauflage auf Russisch geplant und es sollen Fassungen auf Deutsch und auf Französisch erscheinen.

Das Buch enthält Fotos aus Archiven und aus Privatsammlungen, die zuvor noch nie veröffentlicht wurden, und die Gestaltung oblag dem in Luxemburg aufgewachsenen Grafikdesigner russischer Abstammung Anton Stepin.

Seit 2012 vertritt Pater George Machtalère den langjährigen Priester der russisch-orthodoxen Pfarrei in Luxemburg, Pater Serge Poukh.