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Rundgang durch die Kathedrale : Der leere Sarg in der Krypta
Lokales 15 5 Min. 21.05.2017

Rundgang durch die Kathedrale : Der leere Sarg in der Krypta

Ein etwas anderer Rundgang durch die Kathedrale.

Rundgang durch die Kathedrale : Der leere Sarg in der Krypta

Ein etwas anderer Rundgang durch die Kathedrale.
Foto: Chris Karaba
Lokales 15 5 Min. 21.05.2017

Rundgang durch die Kathedrale : Der leere Sarg in der Krypta

Diana HOFFMANN
Diana HOFFMANN
Die Kathedrale in der Hauptstadt kennt jeder. Einmal im Jahr findet dort die Oktave statt. Eine gute Gelegenheit, sich näher mit Geschichte, Geschichten und Geheimnissen dieser Kirche zu beschäftigen. So wird aus dem Rundgang mit Diözesanarchivar Alex Langini eine kleine Zeitreise.

(dho) - Die Kathedrale ist das Zentrum der Muttergottesoktave. Menschen aus ganz Luxemburg und von weit über die Landesgrenzen hinaus pilgern während zwei Wochen in die Kirche zu der „Trösterin der Betrübten“. Erst 1794 hat sie ihren festen Platz dort bekommen. Zu der Zeit war es jedoch noch keine Kathedrale, sondern eine Jesuitenkirche aus dem Jahr 1621, die viel kleiner war. Erst 1870 wurde sie zur Kathedrale erhoben, da die Hauptkirche, die Nikolauskirche, die sich dort befand, wo sich heute das Parlament befindet, baufällig geworden und der Jesuitenorden in Luxemburg 1775 aufgelöst worden war. In den Jahren 1935 bis 1938 wurde die Kathedrale bis auf die heutigen Ausmaße vergrößert.

Einige Geheimnisse, viele Schätze und eine lange Geschichte verbergen sich in der Kathedrale. Manche direkt sichtbar, andere werden erst durch Erklärungen für den Laien erkennbar. Wieder andere sind hinter dicken verschlossenen Türen versteckt. Diözesanarchivar Alex Langini kennt sie fast alle sowie die dazugehörigen Geschichten.

Der Kirche den Stil der Zeit geben

Der Eingang der Kathedrale in der Rue Notre-Dame war das Hauptportal der ehemaligen Jesuitenkirche. Wer hier eintritt, dem fallen die hölzernen Beichtstühle auf. Sie stammen jedoch nicht aus der Zeit der Jesuiten, sondern wurden Mitte des 19. Jh. dort aufgebaut. Dies, um der Kirche einen gotischen Stil zu geben. Der Blick fällt aber auch auf die farbigen Fenster am anderen Ende der Kirche.

Der Blick fällt aber auch auf die farbigen Fenster am anderen Ende der Kirche.
Der Blick fällt aber auch auf die farbigen Fenster am anderen Ende der Kirche.
Foto: Chris Karaba

Vor Mitte des 19. Jh. waren hier noch einfache weiße Fenster mit Bildern, da diese der Epoche des Barocks entsprachen. Eine Besonderheit der Fenster, die hinter dem großen Altar zu sehen sind, ist , dass sie wie ein Mosaik zusammengesetzt sind, damit mehr Licht durchfluten kann, was zur besonderen Atmosphäre beiträgt.

Den Bereich, wo der Hauptaltar steht, und wo sich die farbigen Fenster befinden, den gab es zu der Zeit der Jesuitenkirche noch nicht. Jene Kirche endete nämlich ungefähr dort, wo die beiden Rundbögen links und rechts zu sehen sind.

In den Bögen waren damals Kapellen. Rechts die zu Ehren des Heiligen Kreuzes, links eine zu Ehren des Gründers des Jesuitenordens Ignatius de Loyola. Die dazugehörigen Altäre gibt es heute noch. Einer befindet sich im Probesaal des Chors , dem ehemaligen Tresorraum. Dort, wo sich früher das Altarbild befand, wurde ein Holzbild mit einer Note eingesetzt. Der andere befindet sich in der Sakristei der Krypta. Über der rechten Kapelle befand sich ein Eingang, der vom ehemals angrenzenden Kloster direkt auf die Empore führte, von wo aus die Messe verfolgt werden konnte, ohne dass die Kirche durchquert werden musste.

 Über der rechten Kapelle befand sich ein Eingang, der vom ehemals angrenzenden Kloster direkt auf die Empore führte, von wo aus die Messe verfolgt werden konnte, ohne dass die Kirche durchquert werden musste.
Über der rechten Kapelle befand sich ein Eingang, der vom ehemals angrenzenden Kloster direkt auf die Empore führte, von wo aus die Messe verfolgt werden konnte, ohne dass die Kirche durchquert werden musste.
Foto: Chris Karaba

Zwischen den beiden Altären befand sich der Hauptaltar, der jedoch Mitte des 19. Jahrhunderts verschwunden ist. Das Bild, das sich darin befand, jedoch nicht. Es ist am Hauptaltar in der Michelskirche zu sehen. Wer sich im Eingangsbereich um 180 Grad dreht und nach oben blickt, der sieht die reich verzierte Empore samt Orgel, die aus dem Jahr 1995 stammt . Kurioserweise gab es bei der Einweihung der Jesuitenkirche keine Orgel. Für die Feierlichkeiten musste eine aus Thionville ausgeliehen werden. Damals gehörte die Stadt noch zum Herzogtum Luxemburg. Ein paar Jahre später bekam die Kirche dann jedoch ihre eigene Orgel.

Schlichter als die schimmernden Pfeifen der Orgel, sind die Säulen der weißen Balustrade. Doch sie erzählt eine Geschichte, und die ist sogar älter als die Jesuitenkirche selbst.
Schlichter als die schimmernden Pfeifen der Orgel, sind die Säulen der weißen Balustrade. Doch sie erzählt eine Geschichte, und die ist sogar älter als die Jesuitenkirche selbst.
Foto: Chris Karaba

Schlichter als die schimmernden Pfeifen der Orgel, sind die Säulen der weißen Balustrade. Doch sie erzählt eine Geschichte, und die ist sogar älter als die Jesuitenkirche selbst. Sie stammt nämlich aus dem Mansfeldschloss in Clausen. Nach dem Tod von Graf Peter-Ernst von Mansfeld 1604 fiel sein gesamter Besitz an den spanischen König. Dieser schenkte den Jesuiten die Balustrade für ihre Kirche. Doch das massive Geländer ist nicht das einzige, das an den Bonvivant aus dem 17. Jahrhundert erinnert. Im Tresorraum der Kathedrale, links neben dem Hauptaltar, werden zwei Priestergewänder aufbewahrt. Sie wurden auf Anordnung von Graf Mansfeld hergestellt, mit Fäden aus Gold. Seine Initialen zieren die Gewänder. Sein Wappen und sein Schutzpatron Saint-Pierre sind ebenfalls darauf abgebildet.

In dem Raum sind jedoch noch mehr Schätze aufbewahrt, als nur die beiden Gewänder. 64 Kleider der Statue der Trösterin sind hier sorgsam in Kisten aufbewahrt. Eines davon stammt beispielsweise aus dem 18. Jh. und wurde von der damaligen französischen Königin Maria Leszczynska gespendet. Für die Marienfigur werden die Kleider je nach Anlass ausgewählt.

Auf der rechten Seite des Hauptaltars befindet sich die Sakristei der Kathedrale. Zur Oktavzeit wird es hier vor einer Messe schon mal richtig voll, wenn die Geistlichen ihre Gewänder überziehen. Die Kleider werden in sämtlichen Größen aufbewahrt. Für die Oktave dominieren die Farben Blau und Weiß, die Marienfarben. Innerhalb der Sakristei ist eine kleine Tür zu sehen. Dahinter befindet sich ein kleiner Rückzugsraum für den Erzbischof.

Die Krypta

Die Gruft der Prinzen ist der großherzoglichen Familie vorbehalten.
Die Gruft der Prinzen ist der großherzoglichen Familie vorbehalten.
Foto: Chris Karaba

Eine Sakristei gibt es jedoch nicht nur hier, sondern auch neben der Krypta eine Etage tiefer. In der Krypta befinden sich die Särge der früheren Erzbischöfe. Die Gruft der Prinzen ist der großherzoglichen Familie vorbehalten. Der Sarg, der hinter dem Gitter zu sehen ist, ist jedoch leer. Aus hygienischen Gründen werden die Gebeine eine Etage tiefer gelagert.

Auch Johann der Blinde, Graf von Luxemburg und König von Böhmen, hat in der Krypta seine letzte Ruhestätte gefunden .
Auch Johann der Blinde, Graf von Luxemburg und König von Böhmen, hat in der Krypta seine letzte Ruhestätte gefunden .
Foto: Chris Karaba

Auch Johann der Blinde, Graf von Luxemburg und König von Böhmen, hat in der Krypta seine letzte Ruhestätte gefunden. Nachdem er 1346 in der Schlacht von Crécy gefallen ist (und nicht 1340 wie auf dem Sarkophag zu lesen steht), wurde sein Körper zunächst 1347 in der Abtei Altmünster begraben, später kam er dann nach Mettlach in Deutschland, was damals auf luxemburgischem Territorium lag, bis seine Gebeine 1946 von der Armee mit Hilfe Frankreichs nach Luxemburg zurückgebracht wurden.

Unweit vom Sarkophag entfernt, steht eine Muttergottesfigur hinter Glas.
Unweit vom Sarkophag entfernt, steht eine Muttergottesfigur hinter Glas.
Foto: Chris Karaba

Unweit vom Sarkophag entfernt, steht eine Muttergottesfigur hinter Glas. Es handelt sich um die Muttergottes der Deportierten. Sie war von zwangsdeportierten Luxemburgern in Polen in Lagern während des Zweiten Weltkriegs angefertigt worden. Auf einer Staatsvisite in Polen wurde sie vor etwa 25 Jahren dem Premierminister geschenkt.

Durch die Krypta, an der Sakristei vorbei, gelangt man in einen Raum, der sich unter dem Parvis direkt vor der Kathedrale befindet. Hier war bis einige Tage vor Beginn der Oktave der Votivaltar in vielen großen und kleinen Holzkisten verstaut. Zu sehen gibt es hier nicht viel, also zurück durch die Sakristei, und die Treppen hoch, vorbei an der Empore, von wo aus der Chor singt, und wo die zweite Orgel der Kathedrale, jene aus den 1930er-Jahren, steht. Noch einige Stufen weiter und man befindet sich im hölzernen Dachstuhl des alten Bereichs der Kathedrale. Über eine Holzleiter gelangt man in den Glockenturm der alten Kirche, der 1985 abgebrannt war. Ein Jahr später wurden fünf der sechs Glocken im Westturm und die vier im Ostturm ersetzt. Es geht weiter hoch durch den Dachstuhl des neuen Teils der Kathedrale, eine Wendeltreppe empor in schwindelerregende Höhe, von wo aus man eine Aussicht über die ganze Stadt hat.



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