Rund um die Oktave

Seit 70 Jahren ein Stück Oktave

Ein Bild aus früheren Tagen: Abbé Georges Vuillermoz und Abbé André Heiderscheid, die beide während des Zweiten Weltkriegs als Zwangsrekrutierte in die Wehrmacht eingezogen wurden.
Ein Bild aus früheren Tagen: Abbé Georges Vuillermoz und Abbé André Heiderscheid, die beide während des Zweiten Weltkriegs als Zwangsrekrutierte in die Wehrmacht eingezogen wurden.
Archivfoto: Jean Weyrich

(dho) - „Es ist ein Herzstück der Oktave“, so Erzbischof Jean-Claude Hollerich über die Messe für die vermissten und gefallenen Söhne der Heimat. Eingeführt wurde sie vor nunmehr über 70 Jahren, um an eine schwere Zeit in der Geschichte unseres Landes zu erinnern.

Krankheitshalber war es nicht wie üblich Abbé André Heiderscheid, der die Messe gestern hielt, sondern Abbé Georges Vuillermoz. Genau wie André Heiderscheid, dessen Grußworte er übermittelte, war auch er Zwangsrekrutierter.

In seiner Predigt erinnerte er an die 12 000 jungen Männer, die damals in die verhasste Wehrmachtuniform gezwungen wurden und an die 4 000 Mädchen, die in Arbeitslager kamen. Er gedachte aber auch jener Familien, die mit Konsequenzen zu rechnen hatten, wenn die Jungen und Mädchen sich der Aufforderung der deutschen Besatzer widersetzten. Rund 3 500 waren es, die sich der Zwangsrekrutierung entzogen. „Flüchten und sich verstecken oder sich fügen war deshalb eine folgenreiche Entscheidung“, so Georges Vuillermoz.

Das Schicksal eines Kameraden führte dazu, dass er sich für die Wehrmacht entschied. Jener Freund wollte fliehen, wurde aufgespürt und inhaftiert. Seine Eltern wurden in den Osten Deutschlands umgesiedelt. Mit 19 Jahren kam Georges Vuillermoz in die Wehrmacht und sollte Funker werden. Eine Ausbildung zum Reserveoffizier lehnte er ab. Dass er sich dem Marschbefehl gegen Osten entziehen konnte, auch dank der Hilfe von Deutschen, und nach Hause zurückkehren durfte, bezeichnet er als Chance. Viele andere Zwangsrekrutierte hätten diese nicht gehabt.

Am Ende seiner Predigt las Georges Vuillermoz aus einem offiziellen Dokument vor. In diesem dankte der erste provisorische Nachkriegsgemeinderat der Hauptstadt einstimmig der Muttergottes, dass sie einmal mehr ihrer Rolle als Schutzpatronin gerecht geworden sei und die Freiheit der Stadt und des Landes erhalten habe.