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Rund 4500 Luxemburger von Spielsucht betroffen
Die Vereinigung „Anonym Glécksspiller“ warnt vor dem Glücksspiel "Zubito". Im Jahr 2005 wurden mit dem Spiel in 150 Cafes in Luxemburg rund 25 Millionen Euro Umsatz erzielt.

Rund 4500 Luxemburger von Spielsucht betroffen

Guy Wolff
Die Vereinigung „Anonym Glécksspiller“ warnt vor dem Glücksspiel "Zubito". Im Jahr 2005 wurden mit dem Spiel in 150 Cafes in Luxemburg rund 25 Millionen Euro Umsatz erzielt.
Lokales 2 Min. 15.03.2012

Rund 4500 Luxemburger von Spielsucht betroffen

Vom Lotto über Zubito bis hin zu Oddsetwetten und Rubbellosen: Das Angebot an Glücksspielen ist groß. Vermutlich haben viele Menschen schon einmal in ihrem Leben „ihr Glück“ versucht, doch die damit verbundenen Risiken sind nur wenigen richtig bewusst. Schätzungsweise 4500 Menschen leiden in Luxemburg an Spielsucht.

(hay) - Vom Lotto über Zubito bis hin zu Oddsetwetten und Rubbellosen: Das Angebot an Glücksspielen ist groß und vermutlich haben viele Menschen schon einmal in ihrem Leben „ihr Glück“ versucht - doch die damit verbundenen Risiken sind nur wenigen richtig bewusst. Die Gefahr, dass jemand spielt, um etwa Problemen zu entfliehen oder auch um Geldverluste wieder wett zu machen, ist nämlich groß.

Schätzungsweise 4500 Menschen leiden in Luxemburg an der Spielsucht, die neben einem ständigen Geldmangel auch zum Verlust stützender sozialer Beziehungen, Schlafstörungen, Angstzuständen, Verfolgungswahn und sogar Suizidgedanken und – Versuchen führen kann.

Beratung und Unterstützung erhalten die Betroffenen bei der im Jahr 2003 gegründeten Vereinigung „Anonym Glécksspiller“, doch eine richtige psychosoziale Versorgung war ihnen bislang nicht gewährleistet. Dafür wurde nun ein Psychotherapeut eingestellt, der Spielsüchtige und auch ihre Angehörigen berät.

„Der Bedarf ist immens groß“, erklärte Romain Juncker, der Präsident der Vereinigung. Durchschnittlich acht Beratungsgespräche pro Woche würden bei den „Anonym Glécksspiller“ geführt. Seit dem Mai dieses Jahres wurden 32 neue Klienten registriert.

Verloren in der virtuellen Welt

Ein neues Phänomen, welches in der vergangenen Zeit verstärkt auftritt, ist das des pathologischen PC- und Internetkonsums. „Ein allgemeines Maß sind 30 Stunden pro Woche, die ein Mensch außerhalb seiner schulischen oder beruflichen Aktivitäten vor dem Computer verbringt. Allerdings sind Spielzeiten von 100 bis 120 Stunden pro Woche keine Seltenheit mehr“, sagte Psychotherapeut Peter Kagerer.

Besonders häufig davon betroffen seien junge Menschen. Wie Kagerer weiter erläuterte, können unter anderem Traumata, etwa verursacht durch Vernachlässigung, oder auch unsichere familiäre und soziale Bindungen dazu führen, dass ein Betroffener im virtuellen Raum des Internets oder in Computerspielen regelrecht versinkt und nicht mehr zwischen der realen und der virtuellen Welt unterscheiden kann.

Hilfe erfahren Betroffene sowie ihre Angehörigen ebenfalls bei den „Anonym Glécksspiller“. Doch allein durch die neu geschaffene Arbeitsstelle des Psychotherapeuten, die auf 20 Stunden pro Woche ausgelegt und zudem befristet ist, könne die Vereinigung dem Bedarf an Beratungsgesprächen nicht gerecht werden, so Juncker.

Er wünscht sich, dass mit dem Gesundheitsministerium ein Abkommen vereinbart werden kann, um die Beratungsstelle personell zu vergrößern. Um die Kosten dafür zu decken, könnte ein Teil der Steuern, die aus dem Glücksspiel stammen, aufgewendet werden. Dies sei eine Idee, die in der Schweiz sogar schon umgesetzt worden sei.