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Rückblick: Bomben aus Pullach?
Der deutscher Historiker Andreas Kramer belastet seinen Vater und entlastet die Angeklagten. 

Rückblick: Bomben aus Pullach?

Foto: Anouk Antony
Der deutscher Historiker Andreas Kramer belastet seinen Vater und entlastet die Angeklagten. 
Lokales 3 Min. 13.04.2013

Rückblick: Bomben aus Pullach?

In der fünften Verhandlungswoche des Bommeleeër-Prozesses stand eine Person im Rampenlicht: der deutsche Historiker Andreas Kramer.

(ham) - In der fünften Verhandlungswoche des Bommeleeër-Prozesses stand eine Person im Rampenlicht: der deutsche Historiker Andreas Kramer. Höchst brisant waren seine Aussagen, wonach sein Vater, ein deutscher Agent des Bundesnachrichtendienstes (BND) in München-Pullach, die Attentate in Luxemburg zu verantworten habe. Dieser habe auf Befehl der Nato gehandelt, innerhalb des Stay Behind aber ein Eigenleben entwickelt.

''Einen Geheimdienst innerhalb des Geheimdienstes'' habe sein Vater damals aufgebaut, so Kramer junior vor der Kriminalkammer Luxemburg. Sein Vater habe ihm regelmäßig und zeitnah von seinen Tätigkeiten beim BND und Stay Behind berichtet. 

Damit habe der im November 2012 verstorbene Kramer seinen Sohn für die Nato-Schattenarmee rekrutieren wollen. Kramer senior wurde von seinem Sohn als skrupelloser Mörder beschrieben, als Rechtsradikaler, der auch die Attentate in Bologna (85 Tote) und München (13 Tote) im Jahr 1980 mit zu verantworten hätte.

Die Angriffstruppe und nützliche Idioten

Johannes Kramer, der Vater, habe für seine Mission in Luxemburg ein 40-köpfiges Team zusammengestellt, darunter auch zehn Luxemburger.

Unterstützt hätte sie die sechs Mann starke ''Angriffstruppe'' des Luxemburger Stay Behind. ''Nützliche Idioten'' habe sein Vater die Agenten genannt.

Namen seien Kramer senior aber nicht über die Lippen gekommen. Außer einem: Ben Geiben. Mehr konnte der Sohn aber dann nicht zu dem ehemaligen Hauptverdächtigen sagen. 

Beide Angeklagten entlastet

Auch habe sein Vater die beiden Angeklagten entlastet: ''Er sagte, dass Marc Scheer und Joseph Wilmes unschuldig seien'', so Kramer junior.

Was die Rolle des Ex-Srel-Chefs Hoffmann angeht, so ruderte Kramer zurück. In seiner ersten Erklärung im März hatte der Historiker noch angegeben, dass Hoffmann bei den Attentaten für die Auswahl der Agenten und den Einsatz vor Ort zuständig gewesen sei.

Vor Gericht hieß es diese Woche nur, Hoffmann habe von den Attentaten gewusst, sei mit seinem Vater nicht klar geworden und habe das CIA eingeschaltet, als er die Sicherheit des Großherzogtums gefährdet sah. 

Der Nato wurde es zu bunt

Die Nato habe die Attentate gestoppt und sich dann Belgien zugewandt (''Tueurs fous du Brabant''). ''Der Nato wurde es zu bunt'', so Kramer.

Zwar wurde in den letzten Jahrzehnten bereits viel über eine Stay-Behind-Beteiligung spekuliert, doch wurden die Drahtzieher bislang in Luxemburg vermutet.

Die Aussagen sind demnach höchst brisant. Aus diesem Grund muss man sie auch hinterfragen können – so wie es Staatsanwaltschaft und Gericht letztlich getan haben. 

Klare Informationen und Widersprüche

Andreas Kramer überraschte einerseits mit klaren, strukturierten und detaillierten Informationen zum Nato-Netzwerk, andererseits verstrickte er sich aber auch in Widersprüche, was die Attentate in Luxemburg angeht.

Sein Vater habe mindestens drei Erpresserbriefe (in Englisch) an die Cegedel verfasst, so der Zeuge am Dienstag, um am Mittwoch dann zu behaupten, dass sein Vater gar kein Englisch gekonnt habe.

Andere Aussagen bezüglich der Sprengfalle in Asselscheuer und des Attentats auf die Privatwohnung von Colonel Wagner blieben auch unschlüssig.

Dass die Staatsanwaltschaft aber aus den Fehlern der achtziger Jahre gelernt hat, zeigt der Vorschlag der Staatsanwaltschaft, Kramer von den Ermittlern gründlich zu den einzelnen Attentaten befragen zu lassen. ''Er hat ja offensichtlich interessante Informationen'', betonte der beigeordnete Staatsanwalt Georges Oswald.

Die Genehmigung

Die interessanteste Nachricht der Woche wurde schlussendlich etwas in den Hintergrund gerückt: Srel-Chef Charles Hoffmann hatte u.a. 1985 Stay-Behind-Manöver beim damaligen Staatsminister Jacques Santer angefragt – und genehmigt bekommen.

Die entsprechenden Genehmigungen wurden am Dienstag von Me Vogel dem Gericht vorgelegt. Dabei hatte Jacques Santer am 14. November 1990 vor dem Parlament das Gegenteil behauptet: Er sei genau so über die Aktivitäten des Stay-Behind-Netzwerks überrascht gewesen wie sein belgischer Homologe, so der damalige Premier, nachdem die Existenz der Schattenarmee aufgeflogen war.


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