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Royal Hamilius: Kein „goldener Deal“ mehr
Großes Erdloch, hoher Turm: Nur ein einziges Gebäude ragt noch aus der Baustelle hervor.

Royal Hamilius: Kein „goldener Deal“ mehr

Foto: Lex Kleren
Großes Erdloch, hoher Turm: Nur ein einziges Gebäude ragt noch aus der Baustelle hervor.
Lokales 4 2 Min. 07.03.2016

Royal Hamilius: Kein „goldener Deal“ mehr

Steve REMESCH
Steve REMESCH
Einen „goldenen Deal“ gab es offenbar zu Beginn – ein Angebot, das man nicht ablehnen kann. Und doch. Sechs Jahre später steht das eine Haus inmitten der Baustelle am Boulevard Royal noch immer und die Hauseigentümer haben den „Schwarzen Peter“ gezogen.

Von Dominique Nauroy*

Unter Hauptstadtbürgermeister Paul Helminger nimmt das Projekt eines neu gestalteten Stadtkerns „Royal Hamilius“ konkrete Formen an. Die Stadt besitzt bereits das Gebäude oberhalb des „Centre Aldringen“ und ersteht den oberen Teil des Häuserblocks von der Versicherungsgesellschaft „La Luxembourgeoise“. Es gilt mit der Eigentümergemeinschaft des Wohngebäudes Nr. 49 am Boulevard Royal zu verhandeln.

„Sie haben uns einen Tausch vorgeschlagen“, erzählt die Präsidentin des Hausverwaltungsrats, Rita Brucher-Philippart. „Ein neues Appartement für ein bestehendes. Die Bewohner sollten zwischenzeitlich in einem Nachbargebäude untergebracht werden. Das war ein ,goldener Deal‘“, meint sie. Die Stadtverwaltung schlägt zudem vor, die Umzugskosten zu übernehmen. Drei Miteigentümer sind nicht einverstanden. Einer davon verkauft später.

Quadratmeterpreise tiefer als in Clerf

Nach einer Ausschreibung für das neue „Royal Hamilus“-Konzept bekommt Codic im Oktober 2010 den Zuschlag. Einer der unterlegenen Mitbewerber ist Felix Giorgetti. Als Xavier Bettel 2011 Bürgermeister wird, trägt er dem Bauherrn Codic auf, mit den Eigentümern zu verhandeln. „Die haben uns ein Angebot unterbreitet, das so niedrig war, dass niemand mehr verkaufen wollte“, erzählt Lucien de Bourcy, der Besitzer einer der Geschäftsflächen im Erdgeschoss. „Der Quadratmeterpreis war tiefer als in Clerf.“

Den Besitzern wird vorgeschlagen, vergleichbares Eigentum im neuen Gebäude zu erwerben. „Zum doppelten Preis und mit einem Erbpachtvertrag“, betont Rita Brucher-Philippart. Demnach sind die Eigentümer nicht mehr im Vollbesitz des Grundstücks.

Giorgetti kauft indes mehrere Wohnungen und Geschäftsflächen und besitzt schließlich 40 Prozent des Gebäudes. Das Unternehmen Felix Giorgetti schlägt den Parteien vor, das Gebäude abzureißen und ein neues zu errichten. Die Zusatzkosten für die Eigentümer liegen bei 800 Euro pro Quadratmeter. Für 100.000 Euro können sie einen Parkplatz im Untergeschoss erwerben.

„Eigentlich wäre es ganz normal gewesen, eine Ausschreibung für den Abriss und den Neubau des Wohngebäudes zu machen und mehrere Angebote einzuholen, doch dazu kam es nie“, meint Lucien de Bourcy. „Es ging nicht ohne Giorgetti“, sagt auch Rita Brucher-Philippart.

Die Mietergemeinschaft habe sich sehr wohl bei einer Abstimmung für einen anderen Auftragnehmer aussprechen können, heißt es bei Giorgetti. Es sei aber nie zu einer Aussprache gekommen.

15 Eigentümer wollen sich auf Verhandlungen einlassen. Zwei sind dagegen. Einer der Verkaufsgegner fühlt sich offenbar von der Eigentümergemeinschaft bedrängt und verweigert weitere Gespräche. Später kündigt die Besitzergemeinschaft tatsächlich an, die widerspenstigen Miteigentümer auf 6.000.000 Euro Schadensersatz zu verklagen.

Auch der zweite Gegner ignoriert jegliche Vermittlungsversuche. Als Kontaktadresse fungiert eine Anwaltskanzlei in Monaco. Anfragen des „Luxemburger Wort“ für eine Stellungnahme lassen beide unbeantwortet.

Doch alle Hoffnung ist nicht verloren: Am 1. März hat sich das Nachhaltigkeitsministerium eingeschaltet.

*Aus dem Französischen von Steve Remesch

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