Rout Lëns: Eine weitere Escher Industriebrache wird urbanisiert
Rout Lëns: Eine weitere Escher Industriebrache wird urbanisiert
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Nicht nur die Industriebrache Esch-Schifflingen war am Donnerstag in Esch ein Thema. Auch für einen Teil der Industriebrache Terres Rouges begann an diesem Tag ein neues Kapitel. Die Rede ist von der Rout Lëns.
So begann gestern die erste Phase der Bürgerbeteiligung zur künftigen Urbanisierung des ehemaligen Industriegeländes. Bekannt wurde dabei auch, dass fünf historische Bauelemente erhalten bleiben. Dazu zählt allerdings nicht die Siloreihe entlang der Rue Barbourg. Doch worum geht es genau?
Terres Rouges war einst eines der drei großen Stahlwerke, die rund um Esch/Alzette in Betrieb waren. Die Werke Belval, Esch-Schifflingen und Terres Rouges waren untereinander mit Werksleitungen, Schienen und Wegen verbunden, sodass ein Zuliefernetz rund um die Stadt funktionierte. Terres Rouges kam dabei mit der, mittlerweile abgerissenen thermischen Zentrale, eine besondere Rolle zuteil.
Diese Zentrale befand sich aber nicht auf der Rout Lëns, sondern auf dem Crassier Terres Rouges. Beide Areale bildeten, gemeinsam mit der seit Kurzem geschützten Handwierkergaass, das Werk Terres Rouges.
Ein Viertel mit Vorbildfunktion
Bei dem Projekt, das nun umgesetzt werden soll, geht es lediglich um die Rout Lëns zwischen den Stadtteilen Hiel und Grenz. Wem dies auf Anhieb kein Begriff ist, der erinnert sich vielleicht noch an die Filmkulisse, die die Stadt Venedig darstellte, und die sich einst hier befand. Ihren Name hat die Rout Lëns übrigens von ihrer Linsenform. Das Areal ist einerseits durch die Eisenbahnlinie der Other Streck und andererseits durch die Straße nach Audun-le-Tiche (F) begrenzt.
Sowohl die Vertreter des Schöffenrates, Martin Kox (Déi Gréng) und André Zwally (CSV), wie auch die des Bauherrn Iko Real Estate rund um den Investor Eric Lux, betonten bei einer Begehung der Industriebrache am Donnerstag, dass das neue Viertel, das hier entstehen soll, in mehrfacher Hinsicht Vorbildcharakter haben wird.
Leitthema Wasser
Einerseits soll es bei der Gestaltung eine Bürgerbeteiligung gehen, die über die gesetzlichen Vorgaben hinausgeht. Diese Beteiligung ging gestern mit einer Umfrageaktion in ihre zweite Phase.
In einer ersten Phase war bereits eine Internetseite online geschaltet worden (siehe Kasten). Die soll eines der Mittel sein, um die Bevölkerung über das Projekt zu informieren. Interessierte können seit Donnerstag an der Umfrage teilnehmen.
Die dritte Phase der Bürgerbeteiligung betriff Workshops, in denen Bürger und Experten gemeinsam die Ideen aus der Umfrageaktion auswerten.
Ein weiteres Themengebiet bei dem die Initiatoren des Projekts von einem Vorbildcharakter reden, ist der sogenannte Footprint, also die Ökobilanz. Das neue Viertel soll im Zeichen der Nachhaltigkeit und der Lebensqualität stehen, so Eric Lux.
In diesem Kontext soll vor allem das Wasser eine wesentliche Rolle spielen. Einerseits soll sich dieses Thema in der architektonischen Konzeption einiger Außenanlagen wiederfinden. Andererseits soll das gesamte Viertel auch so konstruiert werden, dass es, was das Sparen von Trinkwasser angeht, neue Maßstäbe setzt.
Was die Lebensqualität betrifft, so sollen nicht nur Wohnungen entstehen. „Dass man einen kleinen Laden in der Nähe findet, um lokal einkaufen zu können, das gehört für mich auch zur Lebensqualität“, so Lux. Es gehe aber nicht darum, ein neues Einkaufszentrum wie in Belval zu errichten. Vielmehr sollen auch die angrenzenden Viertel von neuen Angeboten des Proximitätshandels profitieren.
Dazu gehört allerdings auch, dass die Rout Lëns besser an das Viertel Hiel angebunden wird. Und genau hier liegt Streitpotenzial, bei dem die Pläne des Investors auch anecken könnten.
Nicht alles bleibt erhalten
Denn, derzeit ist die Trennlinie zwischen Hiel und Rout Lëns eindeutig. Es ist die Other Streck, mit anderen Worten, die Eisenbahnlinie. Die zu überwinden, das sei kein Problem, so die Planer auf Nachfrage hin. Man könne ja Brücken oder Tunnels unter der eingleisigen Strecke bauen.
Aber, da wäre noch die alte Siloreihe, die sich entlang der Bahnstrecke wie ein Grenzwall zieht.
Sie sei nicht erhaltenswert, sagen Vertreter des Investors und der Stadt unisono. Das mag stimmen. Auch weil die Bausubstanz in sehr schlechtem Zustand ist. Aber die historische Industriefassade prägt das Gelände wie kaum etwas anderes und so sind bereits Stimmen laut geworden, die einen Erhalt fordern.
Ob die Denkmalschützer sich dadurch trösten lassen, dass die Turbinenhalle, das alte Lager, die Gebläsehalle, das Stellwerk und die große Grenzmauer erhalten bleiben, das bleibt abzuwarten.
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