Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Roman Tyczynski:"So kommt Maria zu uns ins Haus"
Lokales 5 Min. 14.05.2020

Roman Tyczynski:"So kommt Maria zu uns ins Haus"

Mitglieder der polnischen Gemeinschaft nehmen jedes Jahr in ihren traditionellen Trachten an der Schlussprozession der Oktave teil.

Roman Tyczynski:"So kommt Maria zu uns ins Haus"

Mitglieder der polnischen Gemeinschaft nehmen jedes Jahr in ihren traditionellen Trachten an der Schlussprozession der Oktave teil.
Foto: Guy Wolff/LW-Archiv
Lokales 5 Min. 14.05.2020

Roman Tyczynski:"So kommt Maria zu uns ins Haus"

Père Roman Tyczynski, Seelsorger der polnischen Gemeinschaft in Luxemburg über seine Gemeinde, die Situation der Kirche in Polen und die virtuelle Oktave.

Interview: Jean-Paul Schneider

Die polnische Gemeinschaft ist eine von vielen ausländischen katholischen Gemeinschaften in Luxemburg. Das "Luxemburger Wort" hat mit Père Roman Tyczynski, dem Seelsorger der polnischen Gemeinschaft über über das Leben seiner Gemeinde gesprochen und darüber, wie man mit dem Oktavbrot aus Dinkel und Bohnenkraut etwas mehr Nähe zwischen Maria und den Menschen herstellen kann.

Père Roman Tyczynski,wann wurde die polnische Gemeinschaft in Luxemburg gegründet? 

Die Ursprünge gehen auf die Gründung der Mission catholique polonaise durch die Kongregation der Oblaten der Unbefleckten Jungfrau Maria mit Pater Karol Kubsz O.M.I. an der Spitze im Jahr 1948 zurück. Der Orden der Oblaten zeichnet bis heute verantwortlich für die polnische Gemeinschaft in Luxemburg. Anfangs lebten die Patres in Bonneweg und hielten Gottesdienst in der Kapelle der Herz-Jesu-Priester am Boulevard d’Avranches, die nicht mehr steht. Anschließend zogen sie nach Bech bei Echternach, von wo aus sie wirkten und Eucharistie in der Mëchelskierch in Luxemburg-Stadt feierten. Seit 1993 ist die polnische Gemeinschaft in der Kirche von Luxemburg-Neudorf beheimatet. 

Père Roman Tyczynski
Père Roman Tyczynski
Foto: Daniel Jezak

Wie kam es zur Gründung der Mission catholique polonaise in Luxemburg? 

Zu Beginn waren die Oblaten meistens ehemalige Soldaten, die mit der polnischen Exilregierung in Frankreich und Großbritannien zusammenarbeiteten. Wegen des aufstrebenden Kommunismus in Polen nach dem Zweiten Weltkrieg kamen viele Polen als Vertriebene und Flüchtlinge nach Luxemburg und ins nahe Ausland. Viele von ihnen arbeiteten in den Erzgruben des Großherzogtums. Um es diesen Menschen zu ermöglichen, Gottesdienst in ihrer Landessprache zu feiern, entstand die Mission catholique polonaise. 

Wie setzt sich die polnische Gemeinschaft hier zusammen? 

Die meisten Mitglieder sind Familien mit Kindern; es handelt sich demnach um eine ziemlich junge Generation. Viele von ihnen arbeiten bei den europäischen Institutionen oder sind private Geschäftsleute. Die Gemeinschaft zählt jedoch auch ehemalige polnische Einwanderer, die gänzlich in der luxemburgischen Bevölkerung integriert sind. Die meisten sind Ruheständler, pflegen aber den regelmäßigen Kontakt mit ihrer Herkunftsgemeinschaft. 

Und was sind deren Aktivitäten und Ziele? 

Im Vordergrund steht die Seelsorge, um den christlichen Glauben zu vertiefen und den Menschen die Liturgie in ihrer Muttersprache anzubieten. 

Was heißt das konkret? 

Während der Woche findet in Neudorf normalerweise regelmäßig ein Gottesdienst in polnischer Sprache statt und am Sonntag jeweils zwei Messen, an denen insgesamt ungefähr 700 Gläubige teilnehmen. Die Gemeinschaft hat auch Filialkirchen und feiert Eucharistie in der Kapelle der italienischen katholischen Mission in Esch/Alzette sowie in der Kirche von Ingeldorf bei Diekirch. Des Weiteren bieten wir eine Katechese für Kinder in der Pfarrei, zeichnen für den Religionsunterricht auf Polnisch in der Europaschule in Luxemburg-Kirchberg verantwortlich und wirken als Seelsorger in den Hôpitaux Robert Schuman in Kirchberg. 

Engagiert sich die polnische Gemeinschaft des Weiteren in anderen gesellschaftlichen Bereichen? 

Die Leute aus unserer Gemeinschaft beteiligen sich jedes Jahr am Internationalen Basar in der Luxexpo und unterstützen die Stiftung Lux Cordis, die sich für herzkranke und arme Kinder einsetzt. 

Wir entdecken unser alltägliches Leben als kleine „Hauskirche“ neu.

Père Roman Tyczynski

Die digitale Muttergottesoktave ist eine etwas andere Pilgerfahrt. Wie begeht die polnische Gemeinschaft sie? 

Wir haben das Programm auf unserer Internetseite veröffentlicht und laden unsere Mitglieder ein, die Übertragungen aus der Kathedrale von zu Hause aus zu verfolgen. Morgen Abend um 18.30 Uhr gibt es eine Premiere: Zum ersten Mal wird eine Messe auf Polnisch in der Kathedrale von Luxemburg gelesen. Selbstverständlich wegen der sanitären Krise ohne physische Präsenz von Gläubigen. Der Gottesdienst wird von einer Gruppe von 20 Personen mitgestaltet, die anderen werden uns über die elektronischen Medien zugeschaltet. 

Wie versuchen Sie die Mitglieder ihrer Gemeinschaft für die virtuelle Oktave zu begeistern? 

Mit dem Brot der Oktave! Für manch einen von uns eine Neuheit, für andere eine alte, aber noch heute lebendige Tradition. Die Verantwortlichen um die Vorsitzende der diözesanen Oktavkommission, Renée Schmit, haben ein Rezept vorbereitet. Wir haben es für unsere Mitglieder auf Polnisch übersetzt und auf cathol.lu veröffentlicht. Dabei geht es darum, das Brot mit zwei Zutaten, Dinkel und Bohnenkraut – beide wachsen traditionsgemäß auch in Luxemburg sowie in vielen Regionen Europas und haben eine aufmunternde und belebende Wirkung – zu backen und es anschließend in der Familie und mit anderen zu teilen. So kommt Maria zu uns ins Haus, und wir entdecken unser alltägliches Leben als kleine „Hauskirche“ neu. 

Polen ist bestens bekannt für seine Treue zur Muttergottes.

Père Roman Tyczynski

Welche Bedeutung hat der marianische Kult in Polen? 

Ich denke, Polen ist bestens bekannt für seine Marienfrömmigkeit und Treue zur Muttergottes. Jede Diözese hat ihr Marienheiligtum mit an erster Stelle dem nationalen Wallfahrtsort der schwarzen Madonna in Tschenstochau. Nicht weniger bekannt sind Licheń bei Konin und Koden, nahe der weißrussischen Grenze. In Polens Dörfern gibt es entlang der Wege zahlreiche Kapellen zu Ehren Marias. Besonders im Marienmonat Mai und im Rosenkranzmonat Oktober wird vermehrt an diesen volkstümlichen Kultstätten vor dem Gnadenbild gebetet und Maria als Trösterin der Betrübten bei Leid, Kummer und Sorgen angerufen.


Digitale Oktave 2020: Deutliche Worte des Kardinals
Zwei Wochen digitale Oktave sind zu Ende - Beim Abschlussgottesdienst fand Kardinal Hollerich ungewohnt deutliche Worte für die aktuelle Situation.

Wie steht es um die katholische Kirche in Polen im Allgemeinen? 

Die Kirche in Polen gibt sich einerseits traditionell, andererseits aber auch offen für die Neuevangelisierung beziehungsweise neue Formen des gelebten Glaubens. Ungefähr 95 Prozent der Bevölkerung ist katholisch, davon sind viele praktizierende Christen. Religion und Glaubenslehre werden Kindern und Jugendlichen in der Schule vermittelt. In den Pfarreien werden viele Aktivitäten für Jugendliche und Erwachsene zur Vertiefung des Glaubens von ehrenamtlichen Helfern organisiert. Polen zählt viele Berufungen zum Priestertum. 2018 gab es 1 985 Seminaristen in den Diözesen und deren etwa 900 im Orden der Oblaten. Etwa 2 000 polnische Staatsbürger sind als Missionare in der ganzen Welt tätig.

Folgen Sie uns auf Facebook und Twitter und abonnieren Sie unseren Newsletter.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Oktave: Grenzenlos mit Maria vernetzt
Die Abendmesse am Dienstag steht im Zeichen der Großregion und der Kevelaer-Pilger. Der niederrheinsiche Wallfahrtsort ist seit langem mit der luxemburger Oktave verbunden.
01.05.2020, Nordrhein-Westfalen, Kevelaer: Menschen warten mit Abstand vor dem Kircheneingang vor Beginn eines Gottesdienstes. Ab heute dürfen in Nordrhein-Westfalen unter strengen Auflagen wieder Gottesdienste stattfinden; der Gottesdienst in Kevelaer ist der erste öffentliche Gottesdienst nach rund sieben Wochen Corona-Pause in dem Bundesland. Bischof Bätzing spricht zur Eröffnung der alljährlichen Wallfahrt in Kevelaer. Foto: Fabian Strauch/dpa +++ dpa-Bildfunk +++