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Risikoprämien für geheilte Krebspatienten : Das Recht auf Vergessen
Lokales 2 Min. 29.04.2016 Aus unserem online-Archiv

Risikoprämien für geheilte Krebspatienten : Das Recht auf Vergessen

Trotz einer erfolgreichen Behandlung leben Krebspatienten für Versicherer mit einem erhöhten Risiko.

Risikoprämien für geheilte Krebspatienten : Das Recht auf Vergessen

Trotz einer erfolgreichen Behandlung leben Krebspatienten für Versicherer mit einem erhöhten Risiko.
Foto: LW-Archiv
Lokales 2 Min. 29.04.2016 Aus unserem online-Archiv

Risikoprämien für geheilte Krebspatienten : Das Recht auf Vergessen

Jacques GANSER
Jacques GANSER
Geheilte Krebspatienten müssen trotz kompletter Genesung höhere Prämien für Kreditversicherungen zahlen. In Frankreich wurde diese Regelung im Januar abgeschafft. 
In Luxemburg gestaltet sich dies 
als sehr schwierig.

(jag) - Nach der Freude über das überstandene Leiden sehen sich viele ehemalige Krebspatienten mit 
einer schockierenden Wahrheit konfrontierte: Bei Aufnahme eines Kredits oder eines Darlehens für eine Immobilie werden höhere Risikoprämien für die Restschuldversicherung (solde restant dû) fällig. Die Gesamtsumme kann sich je nach Versicherungsgesellschaft verdoppeln oder sogar verdreifachen.

Ehemaligen Patienten haftet damit ein Leben lang das Etikett der Erkrankung an, obwohl sie von ihren Ärzten als völlig gesund angesehen werden. „Mir sind nur wenige Fälle bekannt, in denen Versicherungsgesellschaften eine Anfrage aus diesen Gründen komplett ablehnten“, so Marc Hengen, Präsident der Vereinigung der luxemburgischen Versicherungsgesellschaften ACA. „Grundsätzlich haben die Gesellschaften die Vorgabe, Risiken einzuschätzen und auf dieser Basis Prämien zu berechnen. Dazu gehören natürlich auch gesundheitliche Risiken.“

Auch andere Risikofaktoren

Neben überstandenen Krebserkrankungen führen auch Hepatitis C, Asthma, hoher Blutdruck oder Übergewicht wegen ihrer Gesundheitsrisiken zu höheren Versicherungsprämien. In Frankreich wurde dieser, zumindest für geheilte Krebspatienten als ungerecht empfundene Umstand, per Gesetz aus der Welt geschafft. Seit Anfang Januar brauchen diese bei Aufnahme eines Kredits keine Angaben mehr über ihre Krebsvergangenheit zu machen. Dies gilt fünf Jahre nach der offiziellen Heilung für Kinder beziehungsweise zehn Jahre nach der Heilung für Erwachsene.

Und in Luxemburg?

Warum also sollte in Luxemburg nicht möglich sein, was jetzt in Frankreich beschlossen wurde? Die CSV-Abgeordnete Nancy Arendt richtete in diesem Sinne eine parlamentarische Anfrage an die Gesundheitsministerin. Die gesamte Prozedur in Frankreich war laut Ministerin Lydia Mutsch komplex und langwierig. Alles in allem sieht Lydia Mutsch vorerst keine direkte Handhabe, um das Recht auf Vergessen in Luxemburg umzusetzen.

Mutsch ist sich bewusst, dass das Problem für viele Menschen eine Belastung darstellt und im Sinne der früheren Patienten geregelt werden müsste. Dazu müssten aber erst einmal die Versicherer einverstanden sein, zudem müsste das Gesetz über Versicherungsverträge abgeändert werden. Letztlich verweist die Ministerin auf das neu geschaffene nationale Krebsinstitut, welches sich auch auf politischer Ebene für die Belange der Krebspatienten einsetzen soll.

Lösung nicht in Sicht

Für die Versicherer scheint der französische Weg allerdings in weiter Ferne zu liegen: „Die Branche ist auch auf die Vorgaben der Rückversicherer angewiesen. Diese verlangen eben gewisse Garantien bei der Risikobewertung. Zudem darf man nicht vergessen, dass die Immobilienpreise in 
Luxemburg sehr hoch sind und die Versicherungsprämien dementsprechend angepasst sind“, so Marc Hengen. Zudem würden auch die luxemburgischen Versicherer die Fortschritte der Medizin berücksichtigen und ihre Prämien dementsprechend anpassen.

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