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Risikofaktor Unbeschwertheit
Sommer, Sonne, neue Bekanntschaften: Damit der Urlaub besonders für junge Menschen ohne große Folgen bleibt, erinnert das Gesundheitsministerium an die Notwendigkeit von Verhütung.

Risikofaktor Unbeschwertheit

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Sommer, Sonne, neue Bekanntschaften: Damit der Urlaub besonders für junge Menschen ohne große Folgen bleibt, erinnert das Gesundheitsministerium an die Notwendigkeit von Verhütung.
Lokales 4 Min. 11.08.2018

Risikofaktor Unbeschwertheit

Sandra SCHMIT
Sandra SCHMIT
Sie sind für viele immer noch ein Tabuthema: Geschlechtskrankheiten. Da die Zahl der Infizierten weiterhin zunimmt, erinnert das Gesundheitsministerium daran, sich zu schützen

Es ist vor allem die junge Generation, die sich laut Gesundheitsministerium mit Geschlechtskrankheiten ansteckt. Diese Aussage beruht auf Zahlen für Westeuropa, die zeigen, dass zwei Drittel aller Infizierten jünger als 25 Jahre sind. Konkrete Statistiken für Luxemburg liegen bislang nicht vor. Der Grund: Erst im Juli wurde hierzulande ein Gesetz angenommen, das von Ärzten verlangt, ansteckende Krankheiten zu melden. Darunter fallen auch verschiedene Geschlechtskrankheiten.

Tatsächlich zeigt die Erfahrung von Dr. Simone Steil, zuständig für Präventivmedizin bei der Santé, dass junge Menschen eher unbekümmert an die Sache herangehen. Vor allem zur Ferienzeit hätten flüchtige Urlaubsbekanntschaften oft weitreichende Folgen. So stecken sich laut der Ärztin immer mehr Menschen mit sexuell übertragbaren Krankheiten an, darunter das Humane Immundefizienz Virus (HIV), das Humane Papillomavirus (HPV) und Chlamydieninfektionen, um nur einige Beispiele zu nennen. Denn insgesamt gibt es weit mehr als 20 solcher Krankheiten.

Achtung Ansteckungsgefahr

Sexuell übertragbare Krankheiten, auch „Sexually transmitted diseases“ (STD) genannt, kann man sich bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr einfangen. Gefährdet sind alle sexuell aktiven Menschen; vor allem die mit häufig wechselnden Partnern und solche mit hohem Risikoverhalten, beispielsweise Drogenabhängige.

Eine Ansteckungsgefahr besteht generell immer dann, wenn Blut oder andere Körperflüssigkeiten einer infizierten Person über die Haut beziehungsweise eine Schleimhaut in den Körper einer anderen Person gelangen. Das erklärt, warum solche Krankheiten beispielsweise auch bei Oralsex übertragen werden.

Während der Schwangerschaft und Stillzeit können STDs von der Mutter auf das Kind übertragen werden; die Ansteckung erfolgt dann über das Blut. Und auch beim Konsum von Drogen können Menschen sich beim gemeinsamen Nutzen von Spritzbesteck infizieren.

Weitreichende Folgen

Werden Geschlechtskrankheiten nicht rechtzeitig erkannt, kann das schwerwiegende Folgen haben: Wer sich beispielsweise mit dem HI-Virus ansteckt, riskiert, dass das eigene Immunsystem geschwächt wird und der Körper eindringende Krankheitserreger nicht mehr bekämpfen kann – dann kann Aids ausbrechen, das erworbene Abwehrschwächesyndrom. Eine Ansteckung mit dem Papillomavirus geht mit dem Risiko verschiedener Krebserkrankungen einher. Und wer sich mit Chlamydien infiziert, kann bei einer Nichtbehandlung unfruchtbar werden, warnt das Ministerium.


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Unnatürlicher Ausfluss, brennende oder juckende Geschlechtsteile und Schmerzen während oder nach dem Geschlechtsverkehr können darauf hinweisen, dass sich eine Person angesteckt hat. Außerdem können kleine Geschwüre oder Warzen an der Schleimhaut des Genitalbereichs auftreten, die manchmal schmerzen, manchmal aber auch nicht; Hautausschlag ist ebenfalls möglich. Es können aber auch grippeähnliche Symptome, wie etwa Fieber, auftreten.

Manchmal verlaufen Geschlechtskrankheiten aber auch recht unauffällig, ganz ohne oder mit kaum sichtbaren Symptomen. Menschen können sich dann infizieren, ohne es überhaupt zu merken. Das ist vor allem deshalb gefährlich, weil sie unwissentlich andere ebenfalls anstecken.

Heilung möglich

Viele sexuell übertragbare Infektionen können geheilt werden – unter der Voraussetzung, dass sie frühzeitig bemerkt und behandelt werden. Meistens muss sich dann auch der Partner testen lassen und eventuell ebenfalls Medikamente einnehmen, um eine Wiederansteckung zu vermeiden. Wenn eine infizierte Person während der Behandlungszeit Geschlechtsverkehr hat, muss sie dabei unbedingt verhüten. Denn wer sich infiziert hat, gefährdet bei ungeschütztem Verkehr den Partner.

Betroffene sollen sich nicht schämen und darüber reden: „Es ist zwar viel in diesem Bereich passiert; in den letzten Jahrzehnten hat sich die Mentalität der Gesellschaft verändert, und trotzdem sind Geschlechtskrankheiten für viele immer noch ein Tabuthema“, berichtet Dr. Simone Steil. Deshalb müsse weiter daran gearbeitet werden, die Menschen aufzuklären, auch solche in jungen Jahren.

Dabei hilft es nicht nur, darüber zu sprechen. Um das Risiko von Ansteckungen möglichst gering zu halten, erinnert das Gesundheitsministerium daran, sich mit Kondomen zu schützen. Was viele nicht wissen: Solche gibt es auch für Frauen. Außerdem sollen sich vor allem sexuell sehr aktive Menschen regelmäßig auf Geschlechtskrankheiten testen lassen.

Testen und impfen

Ob man sich angesteckt hat, kann dabei über eine Urinprobe, die klassische Blutuntersuchung oder per Schnelltest mit Blutabnahme am Finger herausgefunden werden. Außerdem kann bei der Frau ein Vaginalabstrich und bei dem Mann eine Probe aus der Harnröhre genauere Informationen zu einer Infektion liefern.


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Präventiv kann man sich außerdem gegen verschiedene Geschlechtskrankheiten impfen lassen, so auch gegen das humane Papillomavirus. Seit 2008 wird diese Schutzimpfung Mädchen in Luxemburg empfohlen; seit Anfang Juni dieses Jahres rät der Conseil supérieur des maladies infectieuses auch jungen Männern zur Impfung, da einige Krebsarten so nachweislich reduziert werden. Gegen Hepatitis A und B kann man sich ebenfalls impfen lassen.

Das Gesundheitsministerium warnt außerdem davor, sich selbst mit angebrochenen Salben oder übrig gebliebenen Medikamenten zu behandeln. Stattdessen ist bei Geschlechtskrankheiten ein Arztbesuch unumgänglich.


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